Kreis Waldshut Kommunikations-Designer aus Waldshut-Tiengen macht Werbung in der Schweiz

Mit einem Design- und Medienbüro ist Ralph Schulz aus Waldshut-Tiengen seit 2002 in der Schweiz ansässig. Es gibt gewisse Unterschiede: Die Kundenansprache bei der Werbung muss bei den Eidgenossen etwas subtiler sein, so die Erfahrung des Geschäftsmanns.

„Ich habe mich immer schon in der Schweiz wohlgefühlt.“ Für Ralph Schulz aus der deutschen Grenzstadt Waldshut-Tiengen war es ein logischer Schritt, nach dem Studienabschluss als Kommunikations-Designer an der Fachhochschule Mannheim im Nachbarland zu arbeiten.

In unterschiedlichen Funktionen als Art-Direktor, Kreativ-Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung, war er ab 1998 zunächst für zwei Firmen in Zürich tätig. Auch am idyllischen See dämmerte ein neues Zeitalter heran: Die Unternehmen zählten zu den Branchen-Pionieren, die an der Erschließung des Internet für die kommerzielle Nutzung beteiligt waren. Als Ralph Schulz 2002 den Entschluss fasste, eine eigene Firma zu gründen, fiel die Wahl des Standortlands nicht schwer: „Ich kannte den Schweizer Markt ganz gut. Deswegen lag es für mich nahe, mich dort selbstständig zu machen“, sagt der 42-jährige Geschäftsführer des Design- und Medienbüros Blueforest im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der anfängliche Ein-Mann-Betrieb, der seinen Sitz in Baden hatte, befasste sich zunächst mit der Gestaltung und Programmierung von Internet-Seiten. Bald ergab sich jedoch, passend zur Designer-Ausbildung des Jungunternehmers, die Erweiterung zur „Full-Service-Agentur“. Schulz, der heute sechs Mitarbeiter beschäftigt: „Ich merkte, dass auch die Nachfrage nach Printmedien sehr groß ist.“ Im Jahr 2005 gründete der verheiratete Vater zweier Kinder ein deutsches Blueforest-Büro in seiner Heimatstadt Waldshut-Tiengen.

Vom Schweizer Firmensitz aus, der 2006 nach Bad Zurzach verlegt wurde, betreut das Unternehmen den helvetischen Markt. Da gibt es durchaus Unterschiede zu beachten. Schulz: „Die Schweizer sind vom Naturell her ein bisschen zurückhaltender. In der Kundenansprache muss man etwas subtiler werben.“ Doch die Eidgenossen haben auch ihre offensiven Seiten. Ralph Schulz: „Jede neue Technologie ist in der Schweiz früher da.“

Namhafte Firmen stehen auf der Referenzliste des Kreativ- und Kommunikations-Profis: Zum Beispiel der Klebeband-Hersteller Tesa Schweiz, das Weltunternehmen Swissport International, als Flughafen-Bodendienstleister in über 48 Ländern tätig, und das Unternehmen Adecco Switzerland, nach eigenen Angaben weltweit führend bei Personaldienstleistungen. Der jüngste Kundenauftrag kommt von einer Schweizer Firma, die Waldgrundstücke aus aller Welt als Geldanlage vermarktet.

Dass Ralph Schulz bei den bekannten Radsporttagen im schweizerischen Gippingen jährlich zum Prominenten-Rennen eingeladen wird, hat mit einem speziellen Lebensabschnitt zu tun: 2003 wurde er zum Mister Germany und damit schönsten Mann Deutschlands gewählt. Einen sportlichen Titel wiederum errang der begeisterte Ruderer bei den Eidgenossen: Vor über 20 Jahren wurde er Schweizer Vizemeister im Doppelvierer.

 

Schweizer Unternehmer: In Deutschland sind die Behörden deutlich strenger

Die Auflagen sind höher, aber der Firmensitz in Deutschland hat Vorteile, weiß Zigarrenunternehmer Heinrich Villiger
Heinrich Villiger ist einer von wenigen, die gegen den Strom pendeln. Der Geschäftsführer der Zigarrenfirma Villiger wohnt in der Aargauer Gemeinde Full-Reuenthal und arbeitet in Waldshut-Tiengen, wo die Geschäftsleitung des Familienunternehmens sitzt. Seit 1958 arbeitet der heute 85-Jährige bereits auf der anderen Seite des Rheins. Trotz seines Alters sitzt er immer noch häufig bis 22 Uhr in seinem Büro. „Wenn mich Leute fragen, warum ich noch arbeite, antworte ich jeweils, weil mir noch niemand gekündigt hat“, schmunzelt er.

 

Die Firma Villiger hat auch einen Sitz in Pfeffikon im Kanton Luzern. Dort im Wynental, wo Heinrich Villiger aufgewachsen ist, hat die Geschichte des Familienunternehmens begonnen. „Es war das Stumpenland. Als mein Großvater 1888 das Unternehmen gegründet hat, florierte die Branche“, erklärt er. Den Sitz in Waldshut-Tiengen gründete seine Großmutter nach dem Tod des Großvaters. „Wegen neuer Ausfuhrbelastungen erlag 1910 der Export von der Schweiz aus.“ Noch heute spart Villiger dank Sitz in Deutschland Zoll beim Export in EU-Länder.

Auch sonst sind die Vorteile vor allem finanzieller Natur. „Hier kostet alles ungefähr die Hälfte, auch die Löhne.“ Bei der Qualität der Mitarbeiter bemerkt er jedoch keine Unterschiede und als Mitglied des Rotary Clubs Waldshut-Tiengen hat er einen grenzüberschreitenden Freundeskreis. „Die Mentalität der Leute ist die Gleiche. Sowohl Waldshut-Tiengen als auch Pfeffikon sind ländliche Orte und der Rhein ist eher eine zufällige Grenze. Ich könnte nicht sagen, wer besser oder produktiver arbeitet.“ Anders, als die Firma vor dem zweiten Weltkrieg noch einen Sitz in München hatte. „In der Großstadt können die Leute untertauchen, zum Beispiel wenn sie sich unbegründet krank melden. Der Krankenbestand war doppelt so hoch, wie hier.“

Als Heinrich Villiger 1958 in die Geschäftsführung einstieg, entschied er, dass es wenig Sinn hätte, in Pfeffikon am gleichen Pult wie sein Vater zu sitzen. Kurz nach seiner Heirat suchte er ein Haus nahe der Grenze zu Waldshut-Tiengen. „Nach Deutschland ziehen, wollten wir wegen der Steuern nicht.“ Als Geschäftsführer kam er nicht um den Umgang mit den Behörden herum. „Wir müssen sehr eng zusammenarbeiten. Die Auflagen sind grundsätzlich strenger und die Behörden haben viel mehr Einfluss, als in der Schweiz.“ Vor allem das Gesundheitsministerium setze die Branche unter Druck. „Die EU-Tabakrichtlinien, mit den neuen Bildwarnhinweisen, die bald 65 Prozent der Packung einnehmen sollen, sind ein Graus.“

Dass die Tabakbranche unter großem Druck steht, macht ihm keine großen Sorgen. „Es gibt ja diesen Satz 'Stillstand ist Rückschritt'.“ Obwohl er noch nicht weiß, wohin der Weg führt, Möglichkeiten sieht er. „In Amerika haben ja nun diverse Staaten Marihuana legalisiert, wer weiß, vielleicht müssen wir dann mal umsteigen. Im Moment haben wir aber noch keine Absichten, mit Marihuana zu handeln“, sagt er und lacht. Das könnte die Aufgabe einer Nachfolgerin sein. Villiger hat zwei Enkelinnen, die in Frage kommen. „Aber sie sind beide noch jung, Mitte Zwanzig“, erklärt er lächelnd.

 

Fünf Fragen an Ralph Schulz und Heinrich Villiger

Die EU ist…

 

 

Ralph Schulz:

„Nach wie vor ein enger Partner der Schweiz mit wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und wissenschaftlichem Austausch. Verbesserungen sind immer möglich.“

Heinrich Villiger:

„Ein Verwaltungsmoloch.“Das ist im Umgang mit den Behörden besonders schwierig…

Ralph Schulz:

„Mit Vorurteilen, den Deutschen gegenüber, zurecht zu kommen.“

Heinrich Villiger:

„Das ganze Zoll- und Steuerrecht.“Das schlimmste behördendeutsche Wort…

Ralph Schulz:

Lebensberechtigungsbescheinigung (Stammbuch).

Heinrich Villiger:

„Wenn uns das Gesundheitsministerium ‚Rauchertote‘ an den Kopf wirft.“Stundenlohn eines Mitarbeiters…

Ralph Schulz:

„Hängt von der Qualifikation ab, wir haben ausschließlich Fachkräfte.“

Heinrich Villiger:

„Das weiß ich nicht, das müsste man mit dem Personalchef besprechen.“Mein Jahreslohn…

Heinrich Villiger:

„Etwa 250 000, aber ich bin auch an der Firma beteiligt.“

Ralph Schulz:

„Mit Sicherheit deutlich weniger als mein geschätzter Schweizer Unternehmerkollege Heinrich Villiger.“ Ich bin gekommen…

Ralph Schulz:

„Um meine Erfahrung, die ich durch meine Anstellungen in der Schweiz gesammelt habe, erfolgreich umsetzen zu können.“

Heinrich Villiger:

„Um die Firma vorwärts zu bringen und einem größeren Wirtschaftsraum zugänglich zu machen.“

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