Eltern, die ihre Kinder morgens in den Kindergarten bringen, vertrauen darauf, dass diese dort in guten und verantwortungsvollen Händen sind. Im Fall des katholischen Kindergartens St. Elisabeth in Oberlauchringen haben Erzieherinnen dieses Vertrauen zutiefst missbraucht.

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Kleine Mädchen und Jungen solange am Tisch sitzen zu lassen, bis sie ihren Teller aufgegessen haben, sie im Stockdunkeln zum Mittagsschlaf zu zwingen und sie in ein Büro einzusperren, wie es in den Vorwürfen von Eltern heißt, erinnern an Schauermärchen und Erziehungsmethoden aus dem vorletzten Jahrhundert.

„Durch einen offenen Umgang mit Kindern und Eltern wird eine Atmosphäre von Vertrauen und Geborgenheit spürbar“, ist auf der Internetseite der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena, die Trägerin des Kindergartens ist, über die Einrichtung zu lesen. Diese Worte wirken angesichts der neuen Vorwürfe, die eine Mutter gegen die Verantwortlichen nun vorbringt, wie blanker Hohn.

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Wie soll sich ein Kind in der Kita geborgen fühlen, wenn es zum Essen gezwungen wird, bis es erbricht, und schlafen muss, wenn es gar nicht müde ist?

Dass die katholische Kirche, wie es sich jetzt darstellt, bereits vor einem Jahr von Eltern über die Missstände im Kindergarten informiert wurde, aber damals keinen Anlass zum Handeln sah, macht die hässliche Geschichte vollends zum Skandal. Für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist der Umstand, dass die Vorfälle erst jetzt ans Tageslicht gelangten.

Warum haben nicht mehr als eine kleine Handvoll Mütter die Kindergartenleitung und die Trägerin der Einrichtung mit den Vorwürfen konfrontiert? Warum haben sich nicht früher Eltern an die Öffentlichkeit gewandt? Warum hat niemand die inzwischen entlassene Kindergartenleiterin bei der Polizei angezeigt?

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Schließlich geht es doch um die geistige und körperliche Gesundheit ihrer Kinder. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Auswirkungen es auf die Mädchen und Jungen hat, wenn sie täglich mit einer Angst im Bauch vor möglichen Strafen in den Kindergarten gehen.

Eltern schweigen lieber als dass sie riskieren, den Kita-Platz zu verlieren

Unter dem Mantel des Schweigens, in den sich die Mehrheit der Eltern des Kindergartens Oberlauchringen gehüllt hat, steckt noch ein ganz anderes Problem. Kindergartenplätze sind heiß begehrt. Sie sind offenbar so knapp, dass die meisten Eltern lieber den Mund halten und Vorfälle verschweigen, anstatt Missstände offen anzuprangern und ihre Kinder aus der Einrichtung zu nehmen. Soweit hätte es nicht kommen dürfen. Wenn das Wohl von Kindern gefährdet ist, darf niemand wegschauen.