Lange Schlangen an den Zollstellen sind vor allem an Samstagen und vor Feiertagen entlang des Hochrheins ein gewohntes Bild. Schweizer Einkaufstouristen können an den Grenzübergängen ihre Ausfuhrscheine abstempeln und sich bei einem späteren Einkauf in Deutschland die Mehrwertsteuer im jeweiligen Geschäft zurückerstatten lassen. Dieses Prozedere ist diesseits und jenseits des Rheins allgemein bekannt.

Dass die Zollbestimmungen jedoch auch weniger bekannte Details und Fallstricke aufweisen, offenbart ein angeblicher Vorfall am Waldshuter Bahnhof, über den das Schweizer Nachrichtenportal „20 Minuten“ vor Kurzem berichtete.

Das Land unverzüglich verlassen

Eine Frau aus dem Kanton Bern schildert in dem Medienbericht, wie sie mit einer Freundin nach einem gemeinsamen Einkaufsbummel in Waldshut von einem deutschen Zollbeamten aufgefordert worden sein soll, das Land unverzüglich zu verlassen.

Nachdem die beiden Frauen ihre Einkäufe am Zoll abstempeln ließen, wollten sie die Wartezeit bis zur Abfahrt des Zuges überbrücken. „Wir hatten noch 20 Minuten Zeit, bis die SBB fuhr“, erzählt die Bernerin. So wollten sie und ihre Begleitung am Bahnhofskiosk noch ein paar Zeitschriften kaufen.

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„Plötzlich kam der Zöllner angerannt und beschimpfte uns wild“, wird sie bei „20 Minuten“ zitiert. Der Beamte habe ihr erklärt, dass sie sich auf direktem Wege in ihr eigenes Land begeben müsse – ohne Umweg. „Mir war nicht klar, dass ich auch am Bahnhof nichts mehr kaufen darf. Schließlich war ich ja noch in Deutschland und habe keine Grenze übertreten“, so die Bernerin.

Ein Schild weist am Gleis 5 des Waldshuter Bahnhofs auf Zollvorschriften beim deutsch-schweizerischen Grenzübertritt hin.
Ein Schild weist am Gleis 5 des Waldshuter Bahnhofs auf Zollvorschriften beim deutsch-schweizerischen Grenzübertritt hin. | Bild: Juliane Schlichter

Mark Eferl, Pressesprecher des Hauptzollamts Singen, sagt auf Nachfrage des SÜDKURIER, dass er von dem geschilderten Fall am Waldshuter Bahnhof keine Kenntnis habe. Aus diesem Grund könne er weder zum Vorwurf der Beschimpfung noch zum Sachverhalt selbst eine Stellungnahme abgeben.

Mit Ausfuhrschein direkt in die Schweiz

Eferl bestätigt aber, dass Schweizer Einkaufstouristen „sobald sie sich die Ausfuhrscheine haben abstempeln lassen, in den nächsten Zug steigen und ausreisen müssen“. Wer mit dem Auto in Deutschland einkauft, muss den nächstmöglichen Grenzübergang benutzen.

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Im vergangenen Jahr verurteilte das Oberlandesgericht Karlsruhe einen in der Schweiz wohnhaften Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro. Er hatte in einem Elektrogeschäft in Konstanz zwei Standlautsprecher gekauft und sich anschließend am Zoll die Ausfuhrbescheinigung abstempeln lassen. Vor seiner Heimfahrt in die Schweiz legte er allerdings einen nicht erlaubten Zwischenstopp in einem deutschen Supermarkt ein.

Die beiden Frauen, die vor ihrer Abreise in die Schweiz noch ein paar Zeitschriften kaufen wollten, hielten sich an diese Regel und verließen nach Abwicklung der Zollformalitäten nicht mehr den Waldshuter Bahnhof. Da sie vorhatten, unmittelbar das Land zu verlassen, spricht aus Sicht von Mark Eferl nichts dagegen, sich für die Zugfahrt noch mit Lesestoff einzudecken.

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