Die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke steckt noch immer in der Planungsphase, gleichwohl sollen bereits im Jahr 2025 die ersten E-Loks zwischen Basel und Erzingen fahren. Ein strammer Zeitplan, der nach Ansicht von Hans Saurer, stellvertretender Vorsitzender des VCD-Regionalverbandes Südbaden (Verkehrsclub Deutschland), nicht einzuhalten ist. Deshalb schlägt er vor: Um Zeit zu sparen, zuerst den Abschnitt Basel-Waldshut elektrifizieren und erst in einem zweiten Schritt den Abschnitt Waldshut-Erzingen.

Triebwagen mit Batterie-Puffer

Um gleichzeitig Strecken mit und ohne Oberleitung bedienen zu können, schlägt Saurer den Einsatz eines neu entwickelten Triebwagens mit Batterie-Puffer vor. So könne die „prekäre Situation auf der Hochrheinstrecke“ schneller abgemildert werden. Landrat Martin Kistler sieht den Einsatz von Batterie- oder Hybridzügen eher skeptisch. Erst Priorität habe für ihn die Elektrifizierung der gesamten Hochrheinstrecke.

Das könnte Sie auch interessieren

Hans Saurer sieht die Knackpunkte in einer schnellen Realisierung der gesamten Hochrhein-Strecke und damit eines wesentlichen Teils der Bahnverbindung zwischen Basel und Ulm in den noch zu bauenden Kreuzungspunkten in Tien­gen und Lauchringen. Denn die Strecke verläuft bislang nur zwischen Basel und Waldshut zweigleisig. Im weiteren Verlauf bis Erzingen jetzt und später eingleisig.

"Wir müssen mit dem Kopf durch die Wand"

Auch wenn es der frühere Grünen-Vorsitzende von Waldshut für einen Schildbürgerstreich hält, den Abschnitt zwischen Waldshut und Erzingen trotz der geschätzten Zusatzkosten in Höhe von 200 Millionen Euro nicht von Beginn an zweigleisig auszubauen, so will er doch mithelfen, die Elektrifizierung voranzutreiben. Saurer: „Um die Elektrifizierung zu bekommen, müssen wir mit dem Kopf durch die Wand.“

Das könnte Sie auch interessieren

Deshalb schlägt er vor, das Teilstück zwischen Basel und Waldshut wie geplant mit Nachdruck zu elektrifizieren, parallel dazu die Kreuzungspunkte Tien­gen und Oberlauchringen zu planen und dann den Abschnitt Waldshut-Erzingen zu elektrifizieren. Sobald die Oberleitungen zwischen Basel und Waldshut einsatzbereit sind, könnte der „Flirt Akku“ seinen Betrieb aufnehmen. Und zwar von Westen kommend mit Strom aus Oberleitungen. Ab Waldshut dann mit Strom aus den eingebauten Akkus. Mit diesem Umschalten von Oberleitungs- auf Batteriebetrieb (und umgekehrt) ist nach Ansicht Saurers auch ein problemloses Weiterfahren des Kombi-Triebwagens bis nach Ulm möglich, obwohl auch im Bereich der Bodensee-Gürtelbahn Oberleitungen fehlten.

Elektrifizierung in zwei Etappen

Denn die „elende Situation“ auf der Hochrheinstrecke ist für Hans Saurer so schon lange nicht mehr akzeptabel. Dass inzwischen Züge der Baureihe „VT612“ eingesetzt würde, die zwischenzeitlich bereits auf dem Abstellgleis gestanden hätten, das gebe es sonst nirgends in ganz Deutschland. „Auch wenn wir vom ökologisch ausgerichteten VCD eine Elektrifizierung bis 2025 für nicht realisierbar halten“, könnten nur strombetriebene Züge Abhilfe schaffen. Deshalb sei der von ihm ins Spiel gebrachte Zug „die Lösung für alle Schwierigkeiten“. Denn so könne die Elektrifizierung in zwei Etappen erfolgen. Für den Abschnitt BaselWaldshut rechnet Hans Saurer mit einer verkürzten Realisierungsphase von zwei bis drei Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Deutliche Kritik übt der Mann vom Verkehrsclub Deutschland auch an dem gültigen Verkehrsvertrag mit verkürzter Laufzeit für die Hochrheinstrecke: „Deshalb haben wir hier altes Gerümpel.“ Mit einem Blick in die Zukunft sagt Hans Saurer: „Wenn die Elektrifizierung bis 2025 nicht klappt, dann wird die Situation richtig dramatisch.“