Seit mehreren Wochen macht ein Wolf das schweizerische Aargau unsicher. Wie jetzt erst bekannt wurde, tappte der Wolf bereits in Februar in eine Fotofalle bei Erlinsbach. Mittlerweile hat er bei Oberhof zwei Ziegen gerissen. Das ist laut Aargauer Zeitung gesichert, denn eine DNA-Analyse habe bewiesen, dass der Wolf die Tiere getötet hat. Der Räuber nähert sich damit der Grenznähe und ist nur noch zwölf Kilometer von Bad Säckingen entfernt. Die Frage: Kann der Wolf auch durch den Rhein schwimmen? Das kann er ohne weiteres, sagen Experten.

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Nachdem Meister Isegrim zunächst in Erlinsbach bei Aarau gesichtet wurde, kommt er jetzt dem Rhein näher. Oberhof liegt etwas südlich von Frick bei Wittnau. Dort hat er seinen Hunger mit zwei Schafen gestillt. Damit liegt er auf der Route eines Wildtierkorridors, der sich dort im Bereich von Oberhof teilt und im Anschluss in zwei Richtungen an den Rhein und über den Rhein führt (Richtplan-Teilkarte L 2.6 Wildtierkorridore des Kantons Aargau). Einer der beiden Wildkorridore führt zwischen Brennet und Schwörstadt über den Rhein. Hier schwimmen auch immer wieder Wildschweine durch den Fluss und wechseln so die Landesgrenze. Der andere Wildtierkorridor über den Rhein liegt zwischen Bad Säckingen und Murg.

Ende Februar tappte in Erlinsbach ein Wolf in eine Fotofalle. Das ist das bislang einzige Foto von dem Tier.
Ende Februar tappte in Erlinsbach ein Wolf in eine Fotofalle. Das ist das bislang einzige Foto von dem Tier. | Bild: Departement Bau, Verkehr und und Umwelt/AG

Der Rhein ist hier in der Region um die 200 Meter breit. Das schafft der Wolf, sagt Kaja Weinandi, Wildtierökologin bei der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg (FVA) auf Nachfrage des SÜDKURIER. Die Expertin für Wölfe und Luchse sagt, es sei in Baden-Württemberg schon mehrfach vorgekommen, dass Wölfe durchziehen. Der Rhein ist hier rund 200 Meter breit die Strömung wegen der vielen Wasserkraftwerke nur äußerst mäßig.

Laut Kathrin Klinkusch, Sprecherin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sei es auch durchaus möglich, dass der Wolf unbemerkt eine der Brücken am Hochrhein nutzt, um den Rhein zu überqueren. Auch Kraftwerkswehre bieten solche Möglichkeiten.

Umweltpolitiker von CDU und CSU fordern strenge Obergrenze für Wölfe. Auch Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Hauk sprach sich für den Abschuss von Problemwölfen aus.
Umweltpolitiker von CDU und CSU fordern strenge Obergrenze für Wölfe. Auch Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Hauk sprach sich für den Abschuss von Problemwölfen aus. | Bild: Alexander Heinl

Bleibt der Wolf und sucht sich in der hiesigen Region ein Revier? Dass er sich in der Gegend dauerhaft aufhalten könnte, sei wenig wahrscheinlich, sagte der Leiter der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons Thomas Stucki der Aargauer Zeitung: "Trotz genügend Beutetieren hat der Aargau zu viele Verkehrsachsen und überbaute Siedlungsgebiete, in denen der Wolf nach einem ruhigen Ort suchen müsste." Der Wolf sei hier primär auf der Durchreise.

Das Tier tappte Ende Februar in Erlinsbach in besagte Fotofalle. Die Schweizer Behörden hielten die Entdeckung zunächst unterm Teppich. Man habe erst sichergehen wollen, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, hieß es. Nun deutet alles darauf hin, als hätte der fotografierte Wolf Ende Februar unweit der Fotofalle zwei Nutztiere angegriffen und getötet. Mittlerweile hat eine DNA-Untersuchung bestätigt, dass ein Wolf die Ziegen gerissen hat.

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Immer dort, wo Wölfe auftauchen, gibt es anschließend Diskussionen über ihre Gefährlichkeit. Wolfsschützer sind durchaus der Meinung, der Wolf könne auch in Baden-Württemberg seinen Platz finden. Andererseits gibt es auch Vorstöße, den Wolf abzuschießen.

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