Mancherorts mag den traditionellen Musikvereinen ein recht angestaubter Ruf vorauseilen. Nicht so am Hochrhein und im südlichen Schwarzwald, wo laut des Blasmusikverbands Hochrhein (BVH) über 5000 Musiker aktiv sind. Wer nun denkt, dass darunter viele alteingesessene Dorfmusikanten sind, täuscht sich. Ein Blick zeigt, dass zunehmend junge Leute die Geschicke der Vereine leiten.

Philipp Brunner vor der Wallbacher Flößerhalle, wo sein Musikverein probt.
Philipp Brunner vor der Wallbacher Flößerhalle, wo sein Musikverein probt. | Bild: Maria Schlageter

Unsere Zeitung hat mit vier von ihnen gesprochen: Von Philipp Brunner (stellvertretender Vorsitzender des Musikvereins Wallbach), Jasmin Kaiser (Vorsitzende des Musikvereins Oberwihl), Nadine Kolofrat (Schriftführerin der Stadtmusik Wehr) und Felix Hauf (Instrumentenwart Blech der Stadtmusik Wehr) haben wir erfahren, dass zwar jeder Musikverein anders ist, aber dennoch alle eines gemeinsam haben: Ein funktionierender Musikverein gibt seinen Mitgliedern mehr als die einfache Möglichkeit ein Instrument zu lernen. Der Musikverein ist ein Ort des Miteinanders und ein von allen Mitgliedern gern getaner Beitrag zur regionalen Kultur.

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Aber warum engagieren sich ausgerecht die unter 30-Jährigen, über ihre eigentliche Vereinspflicht als Musiker hinaus, zusätzlich im Vorstand? Die Antwort darauf fällt überall in etwa gleich aus: "Der Posten war frei, ich wurde gefragt und dann hab ich's gemacht." Ein genaueres Nachhaken macht aber deutlich, dass besonders der jungen Generation, etwas an ihrem Verein und dessen Fortbestehen liegt.

Jasmin Kaiser ist eine der jüngsten Vorsitzenden im Bezirk.
Jasmin Kaiser ist eine der jüngsten Vorsitzenden im Bezirk. | Bild: privat

Als der Musikverein Oberwihl Anfang des Jahres einen neuen Vorsitzenden wählen musste, hat Jasmin Kaiser die Entscheidung für ihren Verein getroffen: "Bevor der Verein niemand hat, übernehme ich das Amt. Es wäre schade, wenn der Verein aus diesem Grund zu Ende geht", sagt die 25-Jährige. Philipp Brunner vermutet hinter dem Phänomen ein Symptom eines allgemeinen Trends: "Es ist doch generell so, dass man sich wieder mehr auf das Lokale konzentriert. Vereine gehören da auch dazu."

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Ganz aus dem Nichts wird jedoch selten jemand in die oberen Ämter des Vorstands gewählt. Oftmals ist es bereits das zweite Amt – zumal die meisten Musiker mit Anfang 20 schon seit über zehn Jahren aktiv dabei sind. "Ich war zuerst Beisitzer, jetzt bin ich seit zwei Jahren stellvertretender Vorsitzender", erklärt Brunner seinen Vereins-Werdegang mit nur 23 Jahren. Auch Nadine Kolofrat (29) und Felix Hauf (24) waren zuerst im Vorstandsteam der Wehrer Jugendkapelle tätig, bevor sie ihre Posten im großen Aktivorchester übernahmen.

Ralf Eckert, der Vizepräsident des Blasmusikverbands Hochrhein.
Ralf Eckert, der Vizepräsident des Blasmusikverbands Hochrhein. | Bild: BVH

So wachsen die Nachwuchsmusiker in ihre Verantwortungsrollen hinein – aus Sicht von Ralf Eckert, Vizepräsidenten des BVH und langjähriges Mitglied der Trachtenkapelle Rickenbach, ein äußerst wichtiger Punkt. "Es braucht Wissen und Erfahrung", unterstreicht Eckert, der das junge Engagement lobend aber auch kritisch betrachtet. Er hat beobachtet, dass der Generationenwechsel nicht immer glatt läuft. "Wir müssen nicht nur junge Musiker, sondern auch Führungskräfte ausbilden", lautet sein Appell an die Kollegen.

Keine zusätzliche Last

Die Befragten machen hingegen keinen überforderten Eindruck. Vielmehr wird der gute Austausch innerhalb der Vorstandschaft und im Verein allgemein besonders hervorgehoben. Auch das, was für Außenstehende vermeintlich anstrengend wirkt, ist für die Beteiligten keine zusätzliche Last. "Wenn wir beispielsweise das Laubenfest veranstalten macht uns das Spaß", sind sich Nadine Kolofrat und Felix Hauf einig, obgleich es für sie einige freiwillige Einsatzstunden bedeutet. Wichtig sei doch, dass etwas gemeinsam für die Bevölkerung getan werde. In der Mischung von Kameradschaft und dem musikalischen Aspekt, der natürlich nicht vergessen werden darf, scheint das Geheimnis zu liegen, welches Musikvereine für junge Menschen attraktiv macht. Die Hinwendung zu mehr musikalischer Vielfalt bringt nicht nur ein moderneres Image, sondern auch größere Motivation sich musikalisch weiterzuentwickeln.

Leistungsorientierte Jugend

"Die Jugend ist sehr leistungsorientiert, deswegen sollten wir ihnen auch die bestmöglichsten Rahmenbedingungen bieten", sagt Eckert, der ein großer Fürsprecher der professionellen Jugendausbildung ist. Das mag zwar mehr kosten, sei im Ende aber effektiv. Beispiele dafür gibt es wiederum einige, eines davon ist Felix Hauf, der auch abseits der Stadtmusik auf seiner Trompete erfolgreich ist. "Ohne die Ausbildung bei der Stadtmusik hätte unter anderem unsere Band "Brass Buebe" nicht entstehen können", verdeutlicht er.

Positivspirale bei den Vereinen

So betrachtet herrscht eine Positivspirale in den Musikvereinen: Je besser die musikalische Leitung, desto mehr macht die Musik Freude und desto mehr unvergessliche Zeit verbringen die jungen und alten Musiker zusammen. Dass dann auch mal ein Wirtseinsatz geleistet, oder organisatorische Aufgaben erledigt werden müssen, ist für die jungen Vereinsmenschen eine Selbstverständlichkeit.