Sie sind so klein, dass sie leicht zu übersehen sind, doch ihr Biss kann schwerwiegende Folgen haben – die Rede ist von Zecken, die gerade bei den derzeitigen Temperaturen wieder erhöht aktiv sind. Das kann für ihre Opfer gefährlich werden, denn die Parasiten können beim Saugen von Blut gefährliche Krankheiten übertragen, weiß Rolf von Olnhausen, Amtsarzt beim Gesundheitsamt des Landkreises Waldshut. "In Deutschland können die Zecken die Borreliose, eine bakterielle Infektion, sowie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, die durch Viren verursacht wird und in erster Linie im süddeutschen Raum vorkommt", erklärt von Olnhausen auf Anfrage dieser Zeitung.

Landkreis Waldshut gilt als FSME-Risikogebiet

Der Landkreis Waldshut gilt, wie fast ganz Süddeutschland, als ein FSME-Risikogebiet. Gegen die gefährliche Gehirn- und Hirnhautentzündung kann man sich jedoch impfen lassen. "Alle Menschen, die sich in einem FSME-Risikogebiet aufhalten und gegenüber Zecken exponiert sind oder durch FSME beruflich gefährdet sind wie zum Beispiel Forstarbeiter oder in der Landwirtschaft arbeitende Personen sowie Laborpersonal sollten gegen FSME geimpft werden", empfiehlt der Amtsarzt. Rund 97 Prozent der 2017 ge­meldeten FSME-Er­krankten seien laut Robert-Koch-Institut, eine zentrale Einrichtung des Bundes zur Krankheitsüberwachung und -prävention, nicht oder nur un­zu­reichend ge­impft gewesen.

Auch Borreliose kann durch Zecken übertragen werden

Als weitere Krankheit kann Borreliose durch Zecken übertragen werden. Einen Impfstoff dagegen gebe es in Deutschland jedoch nicht, so von Olnhausen. Eine Borreliose-Erkrankung ist jedoch mit Antibiotika behandelbar. Wichtig sei es also, sich und seine Haustiere nach einem Aufenthalt im Garten, auf dem Rasen, im Wald oder auf Waldwegen auf Zecken abzusuchen. Entdeckte Zecken sollen laut von Olnhausen so schnell wie möglich entfernt werden. Hierbei sei zu beachten, dass die Zecke nicht gequetscht wird, erklärt der Amtsarzt. Sollten grippeähnlich Symptome wie Fieber nach einem Zeckenbiss auftreten, empfiehlt von Olnhausen, einen Arzt aufzusuchen.

"Ein halbes Jahr außer Gefecht"

Ein 56-Jähriger aus Waldshut-Tiengen, der im vergangenen Jahr an FSME, der Frühsommer-Meningoenzephalitis, erkrankt war, erzählt im Gespräch mit dieser Zeitung, wie er das vergangene Jahr erlebt hat.

Sie sind letztes Jahr durch einen Zeckenbiss an FSME erkrankt. Wie haben Sie gemerkt, dass etwas nicht stimmt?

Ich hatte plötzlich starke Gelenkschmerzen, ohne harte Arbeit erledigt zu haben. Nach ein paar Tagen gingen diese zwar wieder vorbei, doch eine Woche später dachte ich, ich sei an einer Sommergrippe erkrankt. Ich hatte Kopf- und Gliederschmerzen, jedoch keinen Schnupfen oder Husten. Auch das ging vorbei, doch dann bekam ich ziemlich starke Kopfschmerzen. Als die Schmerzmittel nicht mehr richtig geholfen haben, hatte ich Panik bekommen und bin ins Waldshuter Spital gegangen.

Wie lange dauerte es, bis die Erkrankung entdeckt wurde?

Am Anfang hatte man meinem Kopf per Kernspintomografie auf einen Tumor untersucht und wusste auch nach anderen Tests nicht weiter. Nach weiteren Untersuchungen beim Hausarzt und einer Neurologin leitete diese mich an die Universitätsklinik in Freiburg weiter. Dort haben die Ärzte dann FSME, also eine Gehirn- und Hirnhautentzündung, festgestellt.

Wie lange dauerte es, bis Sie wieder auf den Beinen waren?

Ich war erst einmal ein halbes Jahr außer Gefecht, bekam eine Schmerzbehandlung. Außerdem war ich drei Wochen in der Rehaklinik Bad Krozingen. Ich war schwach, hatte abgenommen und durfte drei Monate nicht Autofahren. In der Zeit fühlte ich mich kaputt. Aber ich bin mit einem blauen Auge davongekommen, denn eine Behandlung mit Medikamenten gibt es bei FSME nicht. Andere Patienten müssen nach so einer Diagnose das Reden oder das Laufen neu lernen. Heute bin ich wieder nahezu auf dem Stand, auf dem ich vor der Erkrankung war.