Bunte Autos, Bauklötze und eine Puppe liegen über den Fußboden verstreut, doch Malik und Larissa interessieren die Spielsachen gerade nicht. Viel spannender finden die beiden Zweijährigen, was sich draußen auf der Straße tut. Also klettern sie über die hölzerne Eckback auf das Fensterbrett und schauen neugierig aus dem Fenster auf die Dogerner Hauptstraße, wo gerade eine Frau entlangläuft. "Heute Morgen kam das Müllauto vorbei – das fanden sie ganz toll", erzählt Walburga Nöltner-Cigolla. Die 57-Jährige ist seit 2005 qualifizierte Tagesmutter. Die Ausbildung hat sie beim Jugendamt des Landratsamts Waldshut gemacht.

Aktuell betreut die gelernte Hauswirtschaftsleiterin sechs Kinder im Alter zwischen einem und fünf Jahren. Neben dem zweieinhalbjährigen Malik und der zweijährigen Larissa tobt heute der einjährige Damian durch das Wohn- und Esszimmer von Walburga Nöltner-Cigolla. "Guck mal, Walli", ruft Malik, wie die Kinder ihre Tagesmutter liebevoll nennen, ihr zu, während er sich ein buntes Kissen auf den Kopf legt. "Die Kirschkernkissen sind derzeit der Hit bei den Kleinen – viel beliebter als die Spielsachen", erzählt Nöltner-Cigolla. Die meisten Spielsachen sind noch von ihren drei Söhnen, die inzwischen 30, 29 und 23 Jahre alt sind.

Der zweieinhalbjährige Malik schaukelt voller Begeisterung auf einer Kuh im Wohnzimmer seiner Tagesmutter Walburga Nöltner-Cigolla.
Der zweieinhalbjährige Malik schaukelt voller Begeisterung auf einer Kuh im Wohnzimmer seiner Tagesmutter Walburga Nöltner-Cigolla. | Bild: Schlichter, Juliane

Dass sie als Tagesmutter arbeitet, habe "sich so ergeben", sagt Nöltner-Cigolla. "Ich habe schon immer Kinder betreut. Erst meine eigenen und dann andere", fügt sie hinzu. Bezahlt wird sie vom Landratsamt mit dem gesetzlichen Stundensatz pro Kind. Über die Behörde bekommt sie auch ihre Schützlinge vermittelt. Während die Kindertagesstätten in das Aufgabengebiet der Städte und Gemeinden fallen, sind Tagesmütter und -väter, genannt Tagespflegepersonen (TPP) organisatorisch dem Landratsamt zugeordnet. Für die Eltern bringt die Betreuung bei der Tagespflegeperson je nach Konstellation Vorteile, denn die Betreuungszeiten sind oft flexibler als die der Kitas.

Bild: Orlowski, Birgit

Dieser Punkt macht das Betreuungskonzept besonders attraktiv, wie auch Grünen-Politikerin und Kreisrätin Ruth Cremer-Ricken betont. Sie selbst war zehn Jahre lang (2000-2010) als Vorsitzende des Tageselternvereins Bad Säckingen aktiv, bis dieser sich im Jahr 2015 auflöste, und ist sich sicher: „Wir haben zu wenig Tagespflegepersonen. Hier muss deutlich mehr getan werden.“ Als problematisch sieht sie vor allem den starren Betreuungsschlüssel an, der im Kreis Waldshut niedriger sei als in anderen Kreisen und das Angebot reduziere: „Wenn man das vergleicht, wäre die Mutter eines Kleinkinds, die nun Zwillinge bekommen hat, bei der Betreuung schon über ihrer Kapazitätsgrenze. Und wer würde das sagen wollen?“

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Berufstätige Eltern würden bei den Krippenzeiten oft vor immense Herausforderungen gestellt werden, hier können Tagespflegepersonen deutlich mehr Flexibilität bieten. „Denken Sie beispielsweise an die Pflege“, so Cremer-Ricken. Sie ergänzt: „Es sind vor allem Fachkräfte und junge Familien, für die der Kreis attraktiver gemacht werden könnte.“

Was die Betreuungszeiten angeht, ist Walburga Nöltner-Cigolla flexibel. Manche Kinder kommen nur vormittags, andere bleiben auch schon mal bis halb sechs am Nachmittag bei ihr. "Am einfachsten sind die Kinder, die zu geregelten Zeiten gebracht und abgeholt werden. "Er hier kommt um 8 Uhr und geht um 14 Uhr", sagt sie und streichelt über Maliks dunklen Lockenkopf.

Qualifikation umfasst 160 Stunden

Die Qualifikation zur TPP ist kostenlos und erfolgt in Form von Kursen. Nach Auskunft des Landratsamts bildet das Curriculum des Deutschen Jugendinstitutes die Basis. Die derzeit 160 Unterrichtseinheiten werden in vier Kursblöcke unterteilt und in der Regel an Wochenenden angeboten. Die Teilnahme an allen vier Kursen ist verpflichtend. Wer die Lizenz als TPP erworben hat, muss darüber hinaus jährlich an 15 Unterrichtseinheiten teilnehmen und es steht mindestens einmal im Jahr ein Hausbesuch des Jugendamtes an. Die Förderung in der Kindertagespflege durch das Jugendamt umfasst die Vermittlung des Kindes, die fachliche Beratung sowie die Begleitung des Pflegeverhältnisses.

Die Räumlichkeiten der Familie Cigolla – sie lebt in einer umgebauten, alten Mühle in Dogern – sind kindgerecht und entsprechen den Vorschriften – wichtige Voraussetzungen für eine Tagespflegeperson. Zwei Gitter – eines vor der Treppe zur Eingangstür, das andere zur Küche – verhindern, dass die Kinder sich verletzen oder Unsinn anstellen. "Sonst räumt mir wieder jemand die Kochtöpfe aus dem Schrank", erzählt Nöltner-Cigolla und lacht. Viel Zeit zum Plaudern bleibt nicht mehr, denn langsam werden die Kinder unruhig. Im Frühling und Sommer können sie sich im Hof hinterm Haus auf dem Trampolin austoben. Jetzt, im Winter, lebt Malik seinen Bewegungsdrang auf dem Schaukeltier aus.