Menschen werden älter, und es gibt immer mehr Menschen, die ein hohes Alter erreichen. Sprich: Die Lebenserwartung steigt. Das sagen Prognosen und Studien eindeutig aus. Dies gilt auch für den Landkreis Waldshut. Laut der Zahlen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg leben im Kreis Waldshut heute an die 34¦000¦Menschen mit einem Alter von über 65. Das entspricht einem Anteil von 20,5¦Prozent. Tendenz steigend. In vier Jahren sind es 21¦Prozent, bis 2060 steigt der Anteil auf knapp über 30¦Prozent.

Das heißt, wer heute in den Ruhestand geht, kann sich auf einen langen Lebensabend einrichten, die Zeit nach einem langen Arbeitsleben auf vielfältige Weise genießen. Man zählt zur Kategorie Senioren. Wobei der Begriff ein bisschen negativ behaftet ist. "Wer dabei an Gebrechlichkeit oder ähnliches denkt, täuscht sich. Wir fühlen uns fit, wir sind fit", unterstreicht Gernot Strohm (Albbruck), Vorsitzender des 1978 gegründeten Kreisseniorenrats, einer Interessenvertretung der Senioren im Landkreis Waldshut. Sie vertritt rund 100¦Gruppierungen im Kreis.

Strohm misst der Seniorenarbeit für die Zukunft eine noch größere Bedeutung zu. Älter werdende Menschen sind nicht zur Untätigkeit degradiert. Sie wollen was erleben, etwas tun, aktiv sein. Mit gutem Beispiel gehen der 73-Jährige und seine sechs Vorstandskollegen voran. "Seniorenarbeit beginnt nicht erst mit 70¦oder 80¦Jahren, man kann schon ab 50¦mitwirken", sagt der Vorsitzende.

Der Kreisseniorenrat (KSR) hat die Zeichen der Zeit schon vor rund 30¦Jahren erkannt. Er greift seither die Probleme älterer Menschen auf und arbeitet an Lösungen für ein selbstständiges Leben im Alter. Der KSR versteht sich als Organ der Meinungsbildung und des Erfahrungsaustausches in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Fragen. Strohm macht dabei deutlich: "Kaffeekränzchen oder Ausflugsfahrten – das ist keine Seniorenarbeit." Wichtig sei, die Hemmschwelle der Begegnung zu senken. Strohm ist überzeugt: "Die Senioren sind keine Aussteigergesellschaft, sondern sie wollen etwas bewirken."

Der Kreisseniorenrat tut bereits einiges, um Senioren ein lebendiges, aktives und spannendes Leben zu ermöglichen. Dazu zählt eine Beratung für viele Lebenslagen, besonders im Bereich der Gesundheit und Pflege. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit ist der seniorenfreundliche Service. Das primäre Ziel ist, dass Senioren ihren Alltag lange selbstständig bewältigen können. Das beginnt beim Einkauf und endet bei Behördengängen. Firmen und Unternehmen haben die Möglichkeit, sich nach den Kriterien des KSR auf Kunden- vor allem auf Seniorenfreundlichkeit überprüfen zu lassen. Dabei geht es unter anderem um seniorenfreundliche Angebote für älteren Kunden in Handel, Gewerbe und Behörden.

Der KSR stellt sich die Frage: Wie steht es um die Erreichbarkeit und Nutzung von Dienstleistungen wie Verkehr, Post, Bank und Einkaufsmöglichkeiten im ländlichen Raum? Der KSR zeichnet alle Unternehmen, die sich über das normale Engagement hinaus den Senioren verpflichtet fühlen, mit einem Zertifikat "Seniorenfreundlicher Service" aus.

Ein großes Ziel für die Zukunft ist, in den Gemeinden und Städten Ortsseniorenräte zu gründen. Strohm weiß, wie wichtig eine gute Vernetzung ist. Dies gelte vor allem für den ländlichen Bereich. "Am Hochrhein ist das Angebot breit, die Verkehrsanbindung gut. Im Hotzenwald oder Schwarzwald gibt es weniger Möglichkeiten. Da besteht die Gefahr der Vereinsamung eher", weiß der KSR-Vorsitzende. In zwölf von 32¦Kreisgemeinden gibt es bereits Ortsseniorenräte. An drei weiteren sei man dran. Sein Ziel ist, dass bis in vier Jahren mehr als die Hälfte der Gemeinden einen Ortsseniorenrat hat. Aber er sagt: "Es ist zäh, nicht einfach." Die örtlichen Angebote sollen verstärkt werden. So könnte sich der Kreisseniorenrat anderen Aufgaben widmen und neue Wege beschreiten, dennoch weiterhin mit den Ortschaften zusammenarbeiten.

Sieben engagierte Leute sind beim Kreisseniorenrat im geschäftsführenden Vorstand aktiv. Mit den angeschlossenen örtlichen Seniorenvereinigungen sind es 20¦Personen. Für Strohm noch nicht genug, um die Arbeit auch in Zukunft bewältigen zu können. Er sagt: "20¦Prozent der Menschen im Kreis sind über 65, Tendenz steigend. Wenn man dann sieht, wie viele sich engagieren, ist das eigentlich nicht ausreichend." Er ermuntert und spricht von einer tollen, hoch interessanten Aufgabe.

Bildung, Aufklärung und Unterhaltung

Vor eineinhalb Jahren hat der Kreisseniorenrat (KSR) Waldshut mit seinem Vorsitzenden Gernot Strohm die Seniorenakademie 55+ ins Leben gerufen.

 

  • Konzept: Das Ziel ist, Vorträge, Lehrgänge und Veranstaltungen anzubieten. Die Akademie läuft unter dem Titel "Bildung, Aufklärung und Unterhaltung". Unter dem Titel Akademie stellen sich die Menschen eigentlich etwas anderes vor. Dabei geht der Kreisseniorenrat mit seinen Angeboten in die ländlichen Gebiete. Mit dem Begriff Akademie 55+ will man Menschen, die bald ins Rentenalter kommen, signalisieren, etwas zu tun.
  • Struktur: Die Organisatoren und Verantwortlichen für das Projekt sind Wolfram Kremp (Weilheim), Bernhard Seifer (Bad Säckingen) und Alfred Lins (Dogern). Die Veranstaltungen werden über das Jahr verteilt. Sie finden in Orten im Landkreis statt, die abgelegen sind. "sodass Senioren nicht nach Waldshut oder Bad Säckingen fahren müssen", sagt Kremp. Man will die Flächen bedienen. Es soll keine Konkurrenz zu anderen Bildungsträgern sein.
  • Veranstaltungen: Im vergangenen Jahr gab es bereits vier Veranstaltungen. 2016 stehen sechs Angebote auf dem Programm. Wobei zwei bereits stattfanden. Das diesjährige Programm: Tabletkurs an vier Abenden in Kooperation mit dem katholischen Bildungswerk Waldkirch, Mundartgedichte und -geschichten mit Philipp Schmid in Grafenhausen, eine Münsterführung in Bad Säckingen noch in diesem Monat, ein Vortrag über Demenz, eine Wanderung auf dem Klosterweg von Bannholz nach Gurtweil mit Roland Kost, und Kremp ist unterwegs bei örtlichen Seniorengruppen, die einen Ortsseniorenrat gründen wollen. Für 2017 sind schon einige interessante und neue Veranstaltungen geplant, die Kremp jedoch noch nicht nennen will.
  • Resonanz: Die bisherigen Veranstaltungen waren gut besucht. Bis zu 70¦Menschen, hauptsächlich über 60 ¦oder 65¦Jahre nahmen teil. "Kommen kann aber jeder, der gerne möchte", sagt Kremp. Die Veranstaltungen sind nicht an ein Alter gekoppelt.
  • Ziel: Der Kreisseniorenrat vermittelt auf Anfrage auch gerne Referenten. Kremp: "Dies soll auch langfristig das Ziel sein." Die Idee: Man will einen Pool mit Referenten schaffen, auf den auch die örtlichen Vereinigungen zurückgreifen können.
  • Finanzierung: Der Kreisseniorenrat bekommt vom Landkreis jährlich 2500¦Euro für alle Aktivitäten bereit gestellt. Davon werden auch die Veranstaltungen der Seniorenakademie finanziert. Unter anderem werden die Referenten honoriert. Dabei freut sich Kremp, dass die Referenten bisher "im Rahmen blieben". Das Grundprinzip des KSR: Alle Veranstaltungen sind für die Besucher kostenlos. Hingewiesen wird auf die Veranstaltungen auf der Internetseite, in den Gemeindeblättern und im Veranstaltungskalender der Zeitung.
Infos zum KSR im Internet:www.kreisseniorenrat-waldshut.de   Michael Neubert