Gefährliche Situationen für Kinder vor Schulen nehmen zu – auch aufgrund von Eltern, die ihre Schützlinge chauffieren. Der Gemeinderat in Ehrendingen im Kanton Aargau greift nun durch und hat ein Halteverbot verhängt. Erste Reaktionen von Eltern, die mit dem Verbot nicht einverstanden sind, seien bereits eingetroffen. Der Anteil der Kinder, die von ihren Eltern mit dem Auto in die Schule gebracht werden, nahm in Ehrendingen in den vergangenen Jahren stark zu.

Noch sind die Zahlen nicht mit der Romandie oder dem Tessin vergleichbar, wo gemäß einer vom Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage 50 Prozent beziehungsweise 63 Prozent der Kinder zum Schulhaus gefahren werden. „Doch die Situation ist bei uns in letzter Zeit ausgeartet, man muss es leider in dieser Klarheit festhalten", sagt Gemeindeammann Urs Burkhard (CVP).

Anregungen aus der Bevölkerung

Eigene Beobachtungen sowie Anregungen aus der Bevölkerung bewegten den Gemeinderat nun dazu, etwas gegen den vielen Autoverkehr vor den Schulhäusern zu unternehmen. Gemeinderat, Schulpflege und Regionalpolizei saßen zusammen – und haben sich für eine Maßnahme entschieden, die nach den Sportferien am 18. Februar in Kraft treten und vorerst bis vor den Frühlingsferien am 12. April aufrechterhalten wird: Vor allen Ehrendinger Schulhäusern – Lägernbreite, Dorf/Brühl und Ifängli – wird ein vorübergehendes Halteverbot gelten, basierend auf Artikel 107 Absatz 2 der Signalisationsverordnung. Schülerinnen und Schüler vor dem Schulhaus Lägernbreite: Die Zahl der Kinder, die zu Fuß nach Hause geht, sinkt. (Archiv)

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„Wir haben uns vorerst für ein temporäres Verbot für 60 Tage entschieden, weil wir dafür keine richterliche Anordnung benötigen“, erklärt Urs Burkhard. „Wenn es sich bewährt, werden wir im Sommer erneut während 60 Tagen eine zweite Testphase durchführen. Danach entscheiden wir, ob wir ein dauerhaftes Halteverbot vor Schulhäusern beschließen wollen.“

Oft nennen Eltern die höhere Sicherheit für ihre Kinder als Grund für die Chauffeurdienste, so auch in der Umfrage des VCS. Doch die besorgten Eltern werden dabei oft selber zum größten Risiko für Schüler, die zu Fuß unterwegs sind.

Gefährliche Situationen vor den Schulen

So komme es auch vor Ehrendinger Schulen zu gefährlichen Situationen, sagt Gemeindeammann Burkhard: „Autos geraten sich bei Manövern in die Quere, die Lenker verlieren dabei die Übersicht und haben nicht mehr die ganze Umgebung im Blickfeld. Es darf nicht sein, dass Kinder, die zu Fuß oder mit dem Velo zum Schulhaus gelangen, wegen Elterntaxis in Gefahr geraten.“ Bisher sei glücklicherweise noch nichts passiert. „Mit dem Halteverbot wollen wir dafür sorgen, dass sich daran nichts ändert.“

Erste Reaktionen von Eltern, die mit dem Verbot nicht einverstanden sind, seien bereits eingetroffen. „Meiner Meinung nach gibt es aber keinen Grund, die Kinder in die Schule zu fahren. Der Schulweg ist für die Kinder doch ein Erlebnis, er ermöglicht soziale Kontakte. Nicht wenige Freundschaften starten auf dem Schulweg“, sagt Burkhard. Gemeinderat und Schulpflege machten sich aber keine Illusionen. „Vermutlich werden manche Kinder nun einfach an einem anderen Ort in der Nähe der Schule abgesetzt. Aber immerhin können wir die Gefahr rund ums Schulhaus bannen.“