Mit dem Zertifikat vorausschauend die eigene Existenz sichern möchte Oswald Happle vom Autohaus Happle und Messmer in Stockach. „Wir brauchen Qualität statt Quantität. Gute Auszubildende kriegt man aber nur, wenn man gut ausbildet, und das wollen wir mit dem Zertifikat nach außen tragen.“So sieht es auch Chirurgiemechanikermeister Heiko Thesz von der Firma Koscher und Würtz GmbH in Spaichingen. „Für uns ist das Zertifikat wichtig für unser Image, auch gegenüber anderen Unternehmen. Wir brauchen dringend Auszubildende und unterstützen auch Jugendliche mit Förderbedarf.“

Bild: Handwerkskammer

Dass das „Voraus“-Zertifikat tatsächlich bei der Suche nach Auszubildenden hilft, bestätigte Bäckermeister Eric Stadelhofer, zertifizierter Betrieb der ersten Stunde, im Interview. „Außerdem ist es gut zu sehen, wie auch die Auszubildenden den Betrieb einschätzen. Oft erhält man eine Bestätigung dafür, dass man vieles richtig macht“, fügte Stadelhofer hinzu.
„Stärken Sie das „Voraus“-Zertifikat als echte Marke für Ausbildungsqualität und weisen Sie Jugendlichen, Eltern und Lehrer den Weg“, forderte Georg Hiltner die Betriebe auf. Dazu gab es außer der Urkunde für jeden zertifizierten Betrieb ein Metallschild mit dem Voraus-Logo, um ihren Ausbildungserfolg auch außen am Betriebsgebäude sichtbar zu machen.

Das Zertifikat zeichnet Betriebe für ihr besonderes Engagement und ihre vorbildlichen Leistungen in der Ausbildung aus und wird am Ende eines mehrstufigen Prozesses verliehen. Entwickelt wurde es mit wissenschaftlicher Unterstützung von der Handwerkskammer Konstanz. Die erste Verleihung fand 2017 statt. Durch das Zertifikat will die HWK zukünftig noch mehr hoch motivierten Schülern den Weg in die handwerkliche Ausbildung weisen, gleichzeitig aber auch den Betrieben neue Denkanstöße und Impulse für die Ausbildung geben. Bewerben können sich alle Ausbildungsbetriebe der Handwerkskammer Konstanz, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

Voraussetzungen

  • In dem Betrieb wird zum Zeitpunkt der Antragstellung ausgebildet.
  • Der Anteil an vorzeitigen Lösungen von Ausbildungsverträgen nach der Probezeit innerhalb der letzten sieben Jahre beträgt maximal 25 Prozent.
  • Prüfungen: In den letzten sieben Jahren sind mindestens zwei Auszubildende des Betriebes erstmalig zur Gesellen- oder Abschlussprüfung angetreten und haben diese bestanden.
  • Abschlussprüfungen: Bei Ausbildungsbetrieben mit mehreren Auszubildenden darf der Anteil nicht bestandener Abschlussprüfungen maximal 25 Prozent betragen. Wenn innerhalb der sieben Jahre nur zwei bis vier Auszubildende zur Abschlussprüfung angetreten sind, darf nur eine der Abschlussprüfungen nicht bestanden sein.
  • Standorte: Falls das Unternehmen mehrere Ausbildungsstandorte im Kammerbezirk der Handwerkskammer Konstanz hat, muss für jeden Standort ein eigener Antrag gestellt werden.
  • Zulassung: Ob die Zulassungsvoraussetzungen von einem Betrieb erfüllt werden, prüft die Handwerkskammer Konstanz. Ausnahmen, etwa bei neugegründeten Betrieben, sind nach individueller Prüfung durch die Handwerkskammer Konstanz möglich.

Verfahren

Nach der Bewerbung wird die Ausbildungssituation im Betrieb evaluiert. Dazu erhalten Betriebe Fragebögen, die von den Ausbildungsverantwortlichen und allen Auszubildenden auszufüllen sind. Die Befragung der Auszubildenden erfolgt anonym. Nach der Auswertung der Fragebögen wird sich die Handwerkskammer Konstanz in einem persönlichen Gespräch vor Ort selbst ein Bild von der Ausbildungssituation machen und anschließend über die Zertifizierung entscheiden. Die Handwerkskammer Konstanz verpflichtet sich, mit den erhobenen Daten vertraulich umzugehen.

Gültigkeit

Das Zertifikat wird für drei Jahre verliehen. In dieser Zeit können Betriebe mit der Zertifizierung werben und das Logo im Geschäftsverkehr verwenden.
Nach Ablauf der drei Jahre können sich Betriebe erneut bewerben. Im Fall einer Betriebsnachfolge ist die Auszeichnung neu zu beantragen. Dabei werden die Ausbildungszeiten im Vorbetrieb angerechnet.

Siegel steht für Qualität in der Ausbildung

Handwerkskammerpräsident Werner Rottler (links) und der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Georg Hiltner (rechts), mit Vertretern der in diesem Jahr neu zertifizierten Betriebe aus dem Landkreis Waldshut. Insgesamt gibt es nun 28 zertifizierte Ausbildungsbetriebe im Landkreis Waldshut. Bilder: Handwerkskammer
Handwerkskammerpräsident Werner Rottler (links) und der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Georg Hiltner (rechts), mit Vertretern der in diesem Jahr neu zertifizierten Betriebe aus dem Landkreis Waldshut. Insgesamt gibt es nun 28 zertifizierte Ausbildungsbetriebe im Landkreis Waldshut. | Bild: Handwerkskammer

Der eine setzt auf Privatunterricht, die andere auf Extra-Übungsabende, der nächste auf möglichst viel Abwechslung. Gemeinsam haben sie eines: Sie sind richtig gut in Sachen Ausbildung und bieten ihren Azubis das gewisse Etwas. 39 Handwerksbetriebe aus den Landkreisen Tuttlingen, Rottweil, Schwarzwald-Baar, Konstanz und Waldshut wurden vor wenigen Wochen mit dem „Voraus“-Ausbildungszertifikat der Handwerkskammer Konstanz neu ausgezeichnet.

„Was gibt es Schöneres, als gleich zu Beginn frohe Botschaften verkünden zu dürfen?“, begrüßte der gerade erst gewählte Handwerkskammerpräsident Werner Rottler die Gäste bei der feierlichen Zertifikatsübergabe in der Bildungsakademie Singen. Die Botschaft von „Voraus“ sei klar – nicht nur bei den Jugendlichen, denen das Siegel Orientierung bei der Ausbildungsplatzsuche bietet, sondern auch bei den Betrieben: „Sie alle wissen: Mehr Qualität in der Ausbildung ist die vielversprechendste Antwort auf den Fachkräftemangel.“ Die „Voraus“-Betriebe seien echte Vorbilder und hätten mit großem Engagement und Ideenreichtum bewiesen, wie vielfältig, individuell und erfolgreich die Ausbildung im Handwerk sein könne.

Von ihren eigenen Ansätzen für mehr Ausbildungserfolg berichteten Vertreterinnen und Vertreter der „Voraus“-Betriebe im Interview mit Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner.

„Wir schicken unsere neuen Auszubildenden erst einmal auf eine dreimonatige Privatschule, wo ihnen die Grundlagen vermittelt werden. Dann können sie danach direkt am Kunden arbeiten“, sagt Friseurmeister Angelo Sciammacca aus Villlingendorf. Außerdem gebe es von Anfang an einen ganz konkreten Plan, wann wer von wem in welche Tätigkeit eingeführt werde. Friseurkollegin Silke Wagner von Hairdesign by Silke in Bad Säckingen schwört auf wöchentliche Übungsabende und findet eine individuelle Betreuung sehr wichtig. „Man muss auf die Auszubildenden eingehen, ihre Kreativität fördern und ihnen ermöglichen, ihre eigene Haarkunst zu entwickeln.“ Mit Vielfalt im Betrieb wirbt Markus Stegmann von der Erich Stegmann GmbH in Bad Dürrheim, wo unter anderem Oldtimer restauriert werden. „Der eine schraubt gerne an Oldtimern, der andere kümmert sich lieber um einen Tesla“, so Stegmann. „Wir bieten für jeden etwas und zwingen niemanden irgendwo rein.“

Voraus-Betriebe

Die neuen 12 „Voraus“-Betriebe im Kreis Waldshut:

  • Dieter Leute, Bauunternehmen, Klettgau
  • Elektrohaus Kaiser, Häusern
  • Edgar Mesam GmbH, Weilheim-Bannholz
  • TET Tröndle Elektrotechnik, Albbruck
  • Dieter Heise Heizungsbau, Waldshut- Tiengen
  • Freter Gebäudetechnik, Görwihl
  • Zimmerei Christian Denz, Görwihl
  • Elektrotechnik Baumgartner, Rickenbach
  • Autohaus Peter Ebner GmbH, Albbruck
  • Hairdesign by Silke, Bad Säckingen
  • Binkert Haustechnik GmbH,Albbruck
  • Elektro Zimmermann GmbH, Ühlingen Birkendorf

Weiter Infos im Internet: www.hwk-konstanz.de

„Mehr Qualität in der Ausbildung ist die vielversprechendste Antwort auf den Fachkräftemangel.“

Werne Rottler,
Handwerkskammerpräsident