Dieter Zauft tritt zurück in die zweite Reihe. Am Freitag verzichtet er auf den Vorsitz des Waldshuter CDU-Ortsverbandes. Ein normaler Vorgang, aber auch eine Besonderheit nach 28 Jahren in diesem Ehrenamt. Der Rentner geht ohne Groll, um nach eigener Darstellung die Gunst der Stunde zu nutzen: Ein Nachfolger steht bereit, der zudem einen Generationswechsel verspricht. Philipp Studinger (36), promovierter Politologe mit Waldshuter Wurzeln, könnte seinen Vater beerben, der dem Ortsverein in einem anderen Jahrhundert 20 Jahre lang vorsaß.

Höhen und Tiefen in der Politik

Das Wort vom „garstigen“ politischen Lied mag Dieter Zauft nicht bestätigen, wenn sich auch in 46 Jahren als Funktionär Höhen an Tiefen reihten. Eine schmerzhafte Stunde war 2014 die Abstrafung durch den Wähler, als Zauft sein Mandat als Stadtrat verlor. Er nahm es als Quittung für sein damaliges Nein zu drei teuren Kunstrasenplätzen in der Stadt Waldshut-Tiengen.

Guter Draht zur Kommunalpolitik wichtig

Ist der Mandatsverlust auch ein Grund für den Verzicht auf den Parteivorsitz? „Der Ortsvorsitzende sollte auch im Gemeinderat sitzen“, ist der 72-Jährige überzeugt, er sollte seiner Meinung nach direkten Kontakt zur Stadtratsfraktion haben. Der Frage, ob der Vorsitzende der größten Partei am Platz viel „Macht“ habe, weicht er aus. Sicher ist, dass Zauft stets ein Netzwerker war. Als junges CDU-Mitglied schon stand er auch an der Spitze des Kreisjugendrings. Bis heute wirkt er im Vorstand des evangelischen Diakonievereins Waldshut-Tiengen. Ein direkter Draht zur Kommunalpolitik habe da nicht geschadet, sagt Dieter Zauft.

Ein Problem ist gut gelöst

Was gut nachvollziehbar ist: Der Diakonieverein ist Betreiber des Matthias-Claudius-Hauses, die Spital-stiftung stieg bei dessen Neubau als Investor ein – und hinter der Stiftung steht wiederum die Stadt Waldshut-Tiengen. Gemeinsam habe man das Problem der stationären Altenversorgung gelöst, das ohnehin auf die Stadt zugekommen wäre, freut sich der Eschbacher im Nachhinein.

Schwarzer Fleck in der Kommunalpolitik-Karriere

„Es war eine gute Zeit“, bilanziert der Verwaltungsangestellte im Ruhestand und erinnert an die Entwicklung der alten Lonza-Industriebrache zum modernen Gewerbepark, die er Ex-Oberbürgermeister Martin Albers gutschreibt. Mit ihm teilt er allerdings auch den „schwarzen Fleck“ auf dem politischen Lebenswerk. Dass er 2010 als Stadtrat die Übergabe des Waldshuter Krankenhauses an die Spitäler-Gesellschaft des Landkreises mit betrieben hat, liegt ihm heute noch schwer im Magen.

Spital-Ausstieg kommt die Stadt teuer zu stehen

Das Haus wird, wie das Spital in Bad Säckingen, im nächsten Jahrzehnt geschlossen, der Ausstieg aus der GmbH sei allerdings mit viel Geld erkauft worden. Der Vertrag – unter anderem ohne Ausstiegsklausel – sei für die Kreisstadt „verheerend“ gewesen, sagt Zauft. „Wenn man 38 Millionen für Spitäler versenkt, ist es schwierig, den Menschen zu erklären, dass die Stadt ein schönes Freibad schließen will.“

Hoffnung für die A 98

Die Freibad-Frage – Neubau oder Sanierung – habe der Gemeinderat über Jahrzehnte hinweg ausgesessen, bekennt Zauft weiter. Ähnliches räumt er für die Planung der Hochrhein-Autobahn A 98 ein, bei der die Stadt ebenfalls über Jahrzehnte hinweg keinen Schritt weiter kam. Er hofft auf neue Ansätze mit den neuen Planern – und zeigt sich offen, was die Frage der Berg- oder Taltrasse angeht.

Freundschaften zum gegnerischen Lager

Gibt es Freundschaften in der Politik? Dieter Zauft, in der politischen Arena weiß Gott kein Leisetreter, pflegt sie heute in der Partei, aber auch ins gegnerische Lager hinein. Mit Günter Heinrich etwa, einst das Alphatier der SPD-Stadträte und längst im Politikruhestand, tauscht er sich gern aus. Doch Zaufts Politikruhestand ist so eine Sache: Im 50. Jahr als Parteimitglied bleibt er Vize der Kreispartei und Vorsitzender des selten wahrnehmbaren CDU-Stadtverbands der Doppelstadt. Ein bisschen was geht immer.