Die Zahl der Grenzgänger aus den zwei südbadischen Grenzlandkreisen Lörrach und Waldshut in die Schweiz stagniert. Erstmals seit Jahren verzeichnet die Wirtschaftsregion Südwest (WSW) in der jährlichen Bilanz für die zwei Kreise keinen markanten Anstieg der Zahl der Menschen, die zum Arbeiten in die Schweiz pendeln. Im Gegenteil: Im Kreis Waldshut war die Zahl der Grenzgänger 2017 im Vergleich zu 2016 sogar rückläufig, teilte die WSW auf Basis einer Auswertung des Schweizer Bundesamtes für Statistik am Freitag mit.

Grenzgänger allgemein

In der Wirtschaftsregion Südwest, also den Kreisen Lörrach und Waldshut, pendeln zusammen fast 37.000 Menschen zur Arbeit in die Schweiz; weitere knapp 25.000 Grenzgänger strömen aus anderen Teilen Südbadens und Deutschlands täglich zur Arbeit über die südliche Grenze. Diese rund 62.000 Grenzgänger sind in deutschen Statistiken zur Beschäftigung nicht aufgeführt, werden aber vom Schweizer Bundesamt für Statistik in Neuchâtel auf Basis der Grenzgängerbewilligungen auf Ebene der deutschen Herkunftsgemeinden veröffentlicht. Danach pendelten aus dem Kreis Lörrach 2017 insgesamt 22.027 Personen zur Arbeit in die Schweiz (2016: 22.005).

Bild: Schönlein, Ute

Damit flacht sich der Anstieg erstmals seit zehn Jahren ab; 2008 etwa waren es erst 16.791 Grenzgänger aus dem Kreis Lörrach; vor fünf Jahren 2013 dann 20.528. Aus dem Kreis Waldshut pendelten 2017 exakt 14.685 Personen zur Arbeit in die Schweiz. Damit ist die Zahl der Grenzgänger aus diesem Kreis erstmals seit langem wieder leicht rückläufig, (2016: 14.874), liegt aber auch noch klar über der Zahl von 2008 (11.279).

Wohnorte der Grenzgänger

Für den Kreis Lörrach gilt wie gehabt, dass das Gros der Grenzgänger auch entlang der Grenze wohnt. Knapp zwei Drittel leben in den drei großen Kreisstädten Lörrach, Rheinfelden und Weil am Rhein sowie Grenzach-Wyhlen. Weitere 3695 verteilen sich auf Schopfheim, Efringen-Kirchen, Steinen und Kandern. Das heißt mehr als 80 Prozent aller Grenzgänger leben in diesen acht Kommunen. Aber auch in kleinen Städten und Gemeinden im ländlichen Raum wie Todtnau (49), Häg-Ehrsberg (28), Utzenfeld (neun) oder Wieden (sechs) leben vereinzelt Grenzgänger.

Zielkantone der Grenzgänger

Bevorzugtes Ziel aus dem Kreis Lörrach ist der Kanton Basel-Stadt. Da arbeiteten 2017 insgesamt 11.047 Menschen aus dem Markgräflerland, dem Wiesental und vom westlichen Hochrhein; davon lebten mehr als 60 Prozent in Lörrach (3109), Rheinfelden (1191), Weil (2019) und in Grenzach-Wyhlen (1119).

Der zweitwichtigste Zielkanton aus dem Kreis Lörrach ist wie gehabt Baselland, wo 6422 Grenzgänger aus dem Kreis arbeiteten. Das heißt rund 80 Prozent der Grenzgänger aus dem Kreis Lörrach pendelten in die Basler Kantone.

Dritter wichtiger Zielkanton ist der Aargau, in den knapp 15 Prozent der „Lörracher“ Grenzgänger pendelten. Wobei die Grenzgänger in den Aargau offenbar bevorzugt in der Hochrheinregion und im Mittleren Wiesental leben. Weitere vier Prozent der Grenzgänger pendelten in die Kantone Zürich (471) und Solothurn (418).

Die Grenzgängerdichte

Diese Kennziffer zeigt den Anteil der Grenzgänger an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Sie trifft die beste Aussage darüber, wie viele Arbeitnehmer einer Kommune in der Schweiz arbeiten, und zeigt die Abhängigkeit vom Schweizer Arbeitsmarkt. An der Spitze im Kreis Lörrach steht Inzlingen; in absoluten Zahlen leben dort zwar nur 346 Grenzgänger; das sind aber 36,2 Prozent oder mehr als ein Drittel der Beschäftigten.

Ähnlich sieht es in Grenzach-Wyhlen aus und kaum anders in Rümmingen, Fischingen und Binzen. Bei den großen Städten hat Weil mit 26,9 Prozent die höchste, Schopfheim mit 14,7 Prozent die niedrigste Grenzgängerdichte. Der Mittelwert im Kreis liegt bei 22,6 Prozent.