Direkt vor der Haustür der Kreisbewohner liegt eines der größten Naturschauspiele Europas. Auch für alle, die den Rheinfall in Neuhausen/Schweiz bereits kennen, lohnt sich derzeit ein Besuch. Aufgrund der Trockenheit stürzt aktuell so wenig Wasser wie selten über die Felsen – Momentan etwa die Hälfte des jährlichen Durchschnitts.

Europas größter Wasserfall, der Rheinfall bei Schaffhausen, gleicht zurzeit eher einer großen Geröllhalde. Bild: Güntert
Europas größter Wasserfall, der Rheinfall bei Schaffhausen, gleicht zurzeit eher einer großen Geröllhalde. | Bild: Thomas Güntert

Im September betrug die durchschnittliche Durchflussmenge gerade einmal 209 Kubikmeter pro Sekunde. Zum Vergleich: Der überhaupt niedrigste Tageswert wurde im Jahr 1963 mit 115 Kubikmetern gemessen. Das langjährige Monatsmittel liegt bei 402 Kubikmeter, im Sommer 2016 flossen sogar rund 900 Kubikmeter über den Rheinfallfelsen. Aufgrund der hohen Niederschläge und der frühen Schneeschmelze betrug die diesjährige Abflussmenge in der normalerweise wasserärmsten Zeit Januar bis März mit 478 Kubikmetern fast doppelt so viel wie sonst.

Zum Vergleich: Diese Wassermassen sind normalerweise am Rheinfall zu sehen.
Zum Vergleich: Diese Wassermassen sind normalerweise am Rheinfall zu sehen. | Bild: Thomas Güntert

Probleme bereitet diese Trockenheit nicht nur dem Rheinfall. Seit dem 23.  Juli ist beispielweise der Betrieb der Schifffahrtgesellschaft Untersee und Rhein (URH) aufgrund des niedrigen Wasserstandes eingeschränkt. Bis auf Weiteres ist die Strecke zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein nicht befahrbar. Zudem ist der Ein- und Ausstieg für Rollstuhlfahrer in Diessenhofen nicht möglich, da die Schiffstreppen auf Grund des niedrigen Pegelstandes zu steil sind.

Der Geschäftsführer Remo Rey rechnet bei der Schiffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein mit Einbussen von rund 250 000 Franken aufgrund des diesjährigen Niedrigwassers.
Der Geschäftsführer Remo Rey rechnet bei der Schiffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein mit Einbussen von rund 250 000 Franken aufgrund des diesjährigen Niedrigwassers. | Bild: Thomas Güntert

Die Schifffahrtsgesellschaft URH rechnet in diesem Jahr mit Einbußen von rund 250 000 Franken. "Nach meteorologischen Betrachtungen gab es auch früher schon solch trockene Jahre, es scheint aber, dass die Zyklen kürzer werden", bemerkte Remo Rey, Geschäftsführer der UGH.

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Und Hans Zürcher, seit über 20 Jahren Fährmann zwischen Lottstetten und Ellikon erzählt: "Ab 180 Kubikmeter geht gar nichts mehr, weil ich sonst auf einen Felsbrocken auffahren würde." In den letzten Jahren hätten vor allem die Wetterextreme stark zugenommen. Bis vor 15 Jahren gab es einen jährlichen Zyklus, in dem der Wasserstand von April bis zum längsten Tag des Jahres zugenommen und danach wieder langsam abgenommen hat. "Heute haben wir entweder kein oder zu viel Wasser", sagt Zürcher.

Hans und Rös Zürcher sind seit über 20 Jahren die Fährleute auf der Rheinfähre Rüedifaar, die zwischen Lottstetten und Ellikon im dem Zürcher Weinland verkehrt.
Hans und Rös Zürcher sind seit über 20 Jahren die Fährleute auf der Rheinfähre Rüedifaar, die zwischen Lottstetten und Ellikon im dem Zürcher Weinland verkehrt. | Bild: Thomas Güntert

Aber nicht nur in der Schweiz hat der Rekordsommer seine Spuren hinterlassen. Auch weiter flussabwärts kommt es zu Fährausfällen. "Stellenweise konnten wir nicht mehr die Strecke nach Koblenz hochfahren und im Moment ist das auch nicht möglich", erklärt Bernhard Meier von der Rheinschifffahrt Waldshut-Tiengen. Zwischen Juli und August lag hier die durchschnittliche Abflussmenge bei 644 Kubikmetern – im Jahr zuvor war es fast ein Drittel mehr.

Wegen des niedrigen Wasserstandes im Rhein kann das Fahrgastschiff Waldshut-Tiengen nicht wie gewohnt die Anlegestelle im Schweizer Koblenz anfahren.
Wegen des niedrigen Wasserstandes im Rhein kann das Fahrgastschiff Waldshut-Tiengen nicht wie gewohnt die Anlegestelle im Schweizer Koblenz anfahren. | Bild: Peter Rosa

Das Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern AG musste sogar einige ihrer Maschinen abschalten, da diese nur ab einer bestimmten Durchflussmenge bedient werden dürfen, wie Pressesprecher Peter Steinbeck erklärt. Und auch Jochen Ulrich vom Energiedienst, der verschiedene Flusskraftwerke betreibt, berichtet von geringerer Produktion. Sorgen macht er sich deshalb jedoch nicht. So würden die Sommer zwar trockener, die Winter dafür jedoch auch regenreicher werden.