486 Einsprachen gingen gegen die acht Bohrgesuche der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) auf dem schweizerischen Bözberg, zehn Kilometer südlich von Albbruck, ein. Dennoch soll ab 2019 gebohrt werden. An acht Standorten in der Region Bözberg will die Nagra mit Sondierbohrungen klären, ob der Untergrund für ein Atommüll-Endlager geeignet ist. "Insbesondere die völlig ungenügende Profilierung mit 30 Zentimeter hohen Pflöcken sowie Lärm-, Verkehrs- und Umweltbedenken wurden von vielen Einsprechenden als Gründe angegeben", teilt die Interessengemeinschaft Bözberg ohne Bohrturm mit.

Auch die fünf Standortgemeinden der Bohrstellen – Bözberg, Effingen, Remigen, Riniken und Zeihen – hätten Einsprachen eingereicht. Die IG sieht sich in ihrer Arbeit bestätigt: "Die Bevölkerung vor Ort erteilt den Plänen der Nagra eine Abfuhr." Markus Fritschi, der stellvertretende Geschäftsleiter der Nagra, sieht dies völlig anders, wie er bei einer Medienkonferenz sagte. "Dass es regionale Opposition gibt, ist bei Infrastrukturbauten normal, und wir werden alle Einsprachen detailliert prüfen, die sich mit konkreten Fragen der Sondierbohrungen befassen."

Dass es für die Bohrtürme keine Bauprofile gebe, begründete Fritschi damit, dass bei Bauvorhaben immer das Ergebnis ausgesteckt werde. "Wenn Sie ein Einfamilienhaus bauen, profilieren Sie auch nicht den temporären Erdhügel, der beim Aushub entsteht." Und wenn der Bohrturm wieder abgebaut sei, bleibe tatsächlich nur ein kleiner Bohrkeller mit einer Abdeckung sichtbar. Sacha Schenker, Koordinator der IG und Co-Präsident der Sozialdemokratischen Partei (SP) Bezirk Brugg, übt grundsätzliche Kritik am Vorgehen der Nagra. "Es braucht keine Bohrungen, um festzustellen, dass sich der Bözberg für ein Atommülllager nicht eignet: Die geologischen Risiken sind bekannt und die Region liegt inmitten eines Naturparks", hält Schenker fest.

Auch diesen Punkt sieht Fritschi anders. Eine generelle Ablehnung der Sondierbohrungen widerspreche den Grundsätzen des Sachplanverfahrens, um den optimalen Standort für ein Tiefenlager zu finden. Die sicherheitstechnischen Abklärungen müssten vorgenommen werden, darüber herrsche weitgehend Konsens, sagte er. Fritschi verwies darauf, dass bei den bereits abgeschlossenen seismischen Messungen mehr als 98 Prozent der Landbesitzer der Nagra erlaubt hätten, ihre Grundstücke zu betreten. Daraus lasse sich zwar keine Zustimmung zu einem Endlager im Bözberg in gleicher Höhe ableiten, doch die Bevölkerung stehe offenbar hinter dem Verfahren.

Die Nagra zeigt sich denn auch zuversichtlich, dass die Sondierbohrungen wie geplant 2019 starten können. Ziel sei eine nachvollziehbare Beurteilung der Langzeitsicherheit eines geologischen Tiefenlagers. Nur die Bohrungen würden einen direkten Einblick in den geologischen Untergrund erlauben – ähnlich einer Endoskopie in der Medizin, sagte Herwig Müller, Ressortleiter Feldarbeiten. Die Bohrungen reichen in Tiefen zwischen 800 und 1300 Meter. Vorgesehen sind zwischen drei und fünf solcher Bohrungen pro Standortgebiet. Es wird also am Bözberg nicht an allen acht Plätzen gebohrt, für die Bohrgesuche eingereicht wurden.

Bei den Bohrungen werden laut Müller Messsonden an Metallseilen in den Untergrund abgesenkt. Zudem werden mit aufblasbaren Schläuchen, sogenannten "Packers", diverse geophysikalische Messungen durchgeführt. Dabei sollen Druck, Durchlässigkeit und Spannungen im Gestein eruiert werden und Bohrkerne weiteren Aufschluss über die Beschaffenheit des Gesteins bringen.