Es ist das sporenbildende Bakterium Paenibacillus larvae, das Mitte Juni zum Ausbruch der amerikanischen Faulbrut in einem Bienenstand in Waldshut-Tiengen geführt hat. Der Erreger infiziert die Larven von Bienen und führt zum Absterben der Brut. „Ist ein Schwarm infiziert, muss schnell gehandelt werden, damit sich die Krankheit nicht ausbreitet“, erklärt Werner Leber, Vorsitzender des Imkervereins Waldshut-Tiengen.

Rund um den betroffenen Bienenstand herum hat das Landratsamt darum einen Sperrbezirk eingerichtet, der Teile der Gemarkungen Gurtweil, Tiengen, Indlekofen und Weilheim (Bürglen) umfasst. „Der betroffene Schwarm und alle Waben mussten vernichtet und der Stock ausgebrannt werden“, erklärt Leber. In der folgenden Zeit gilt das strikte Verbot, Bienen in den Sperrbezirk hinein- oder hinauszubringen. „Diese Maßnahmen sind wichtig, denn die Faulbrut ist sehr ansteckend. Wenn sie aber fachgerecht bekämpft wird, kann der Schaden begrenzt werden“, sagt Leber. Einer seiner Stöcke war 2018 von der Amerikanischen Faulbrut befallen, das Bakterium breitete sich damals glücklicherweise nicht weiter aus.

Werner Leber, Vorsitzender des Imkervereins Waldshut-Tiengen.
Werner Leber, Vorsitzender des Imkervereins Waldshut-Tiengen. | Bild: SK

Auf Nachfrage bestätigt Michael Swientek, Sprecher des Landratsamts Waldshut: „Außer dem einen Volk im Ausbruchsbestand wurden bei der Untersuchung der Völker im Sperrgebiet keine weiteren Völker mit Amerikanischer Faulbrut gefunden. Das Sperrgebiet musste von daher nicht ausgeweitet werden.“

Ist die amerikanische Faulbrut für Menschen gefährlich?

Bei der amerikanischen Faulbrut der Bienen handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, von der aber nur Bienen und Hummeln betroffen sind. Für Menschen und andere Tiere ist der Erreger ungefährlich. Auch der Verzehr von mit Sporen belastetem Honig sein ungefährlich, so das Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf.

Wie wird die Seuche übertragen?

Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurde der Erreger der amerikanischen Faulbrut Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika erstmals beschrieben, er sei jedoch schon immer in Europa verbreitet gewesen.

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Über die Infektion schreibt das Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf: „Gerade im Honig können die Sporen besonders gut überleben. Sporenbelasteter Honig, auch Importhonig aus größeren Abfüllbetrieben, ist eine mögliche Quelle für Neuinfektionen.“ Eine weitere Infektionsquelle sei das Verschleppen des Erregers durch räubernde Bienen von einem Bienenstock in den nächsten.

Was müssen Verbraucher beachten?

Laut Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf können Menschen bedenkenlos mit Sporen belasteten Honig verzehren. Bienen dürfen allerdings nicht mit solchem Honig in Kontakt kommen, da sie sich daran anstecken können. „Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Insekten geschwächt sind“, warnt Imker Werner Leber – und die Bedingungen seinen sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr nicht gut gewesen, so dass die Schwärme Schwächen zeigen würden. Er rät dringend davon ab, für Bienen Honig aufzustellen oder anderweitig zugänglich zu machen: „Manch einer denkt, er tue etwas Gutes für die Bienen, wenn er ein offenes Honigglas aufstellt, aber genau das Gegenteil ist der Fall.“ Ebenfalls sollten keine ungespülten Hongigläser im Glascontainer oder Hausmüll entsorgt werden.

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Das Landratsamt Waldshut bestätigt: „In der Tat, sollte Honig aus dem Supermarkt so entsorgt werden, dass keine Biene an die Reste kommen kann. Der Erreger der Faulbrut befindet sich fast ausschließlich in Importhonig.“

Ein weiteres Risiko seien laut Leber private Hobbyimker, die sich auf eigene Faust an der Bienenhaltung versuchen und denen das nötige Fachwissen fehlt. „Jeder, der Bienen halten möchte, sollte sich unbedingt vorher beim örtlichen Imkerverein melden und informieren. Oft werden auch Kurse angeboten.“ Nur mit der nötigen Handlungssicherheit ließe sich die Verbreitung von Krankheiten, wie beispielsweise der Amerikanischen Faulbrut, unter den Bienen verhindern.

Welche Regeln gelten im Sperrbezirk?

„Bienen im Sperrbezirk dürfen von ihren Standorten nicht entfernt werden, das Verbringen von Bienen in den Sperrbezirk ist ebenfalls verboten“, informiert das Landratsamt.

Bienenhalter im Sperrbezirk werden aufgefordert, ihre Bienenstandorte dem Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung Waldshut (07751/865201) oder dem zuständigen Bienensachverständigen zu melden, sofern dies noch nicht geschehen sei.

Wann wird der Sperrbezirk aufgehoben?

Die Aufhebung der Sperrbezirke erfolge erst, wenn nach Tötung oder Behandlung der verseuchten Bienenvölker alle Bienenstände in den Sperrbezirken mit negativem Ergebnis untersucht worden seien, so das Landratsamt.

Michael Swientek sagt dazu: Die zweite Untersuchung der Völker im Sperrbezirk wurde Anfang August durchgeführt. Das Ergebnis liegt noch nicht vor. Sollte es negativ sein, wird der Sperrbezirk aufgehoben, da die gesetzlichen Voraussetzung der Seuchenfreiheit dann erfüllt sind.“ Würden jedoch bei dieser Untersuchung wider Erwarten neue Faulbrutbefunde auftreten, müsse die Sperre aufrechterhalten werden.

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