Waldshut-Tiengen Förster sind künftig nicht mehr Holzhändler für alle

Die privatrechtliche „Waldgenossenschaft Südschwarzwald“ regelt ab Januar den Holzverkauf. Waldbesitzer und Kreis reagieren damit auf einen Beschluss des Bundeskartellamtes, wonach der Verkauf nicht mehr allein durch das Forstamt erfolgen darf.

Der Holzverkauf wird für die Gemeinden und 18 000 Privatwaldbesitzer im Landkreis künftig wohl weniger gewinnbringend als bisher. Die Forstbehörde darf nach einem Gerichtsurteil die Vermarktung des Holzes künftig nicht mehr für eine Minigebühr übernehmen. Die Waldbesitzer gründen deshalb mit Unterstützung des Landkreises eine privatrechtliche „Waldgenossenschaft Südschwarzwald“. Sie soll ab Januar 2018 den Holzverkauf von der staatlichen Forstbehörde übernehmen. Der Kreistag stimmte zu, dass die Verwaltung den Übergang vorantreibt.

Beschluss des Bundeskartellamts

Bisher hat das „Einheitsforstamt“ des Landes im Landratsamt den Holzverkauf sowie den Revierdienst nicht nur für den Staatsforst, sondern auch für den kommunalen und Privatwald besorgt. Seit Januar 2017 fordert das Bundeswaldgesetz, dass die Forstbehörde private Dienstleister nicht diskriminiert. Im März untersagte das Bundeskartellamt folglich die kooperative Holzvermarktung durch die Ämter. Nachdem ein Oberlandesgericht dies bestätigte, zieht das Land Baden-Württemberg vor den Bundesgerichtshof, um wenigstens die Zuständigkeit für den Revierdienst zu erhalten.

Um den Holzverkauf im Kreis Waldshut kümmerte sich eine Projektgruppe unter Murgs Bürgermeister Adrian Schmidle und kam zum Vorschlag einer Genossenschaft. Sie könnte mit jährlich etwa 150 000 Festmetern Holzangebot eine starke Marktposition erreichen – wichtig für die Erlöschancen. Ihr könnten sich nicht nur die 32 Städte und Gemeinden im Kreis sowie die 18 000 Privatwaldbesitzer anschließen, sondern auch Besitzer jenseits der Kreisgrenze. Am 5. Dezember ist die Gründungsver-sammlung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald mit Sitz Stühlingen.

Meinungen der Kreisräte

Kreisrat Harald Würtenberger von den Freien Wählern (FW), selbst in der Holzvermarktung tätig, kritisierte, dass auch die künftige Holzverkaufsstelle von Kreisbeamten geleitet wird und fragte: „Ist das ihre Aufgabe?“ Helge von Gilsa, Leiter des Kreisforstamtes, versicherte, die Waldgenossenschaft werde dem Landkreis die anfallenden Personalkosten zurückerstatten. Das Problem für die Waldbesitzer sei damit nicht gelöst, sagte Kreisrat Christian Mauch (CDU), ab Januar seien 2,50 statt knapp einem Euro Gebühr für den Festmeter fällig (ab Juli 2019 wohl vier Euro). Das werde Folgen für die Qualität der Waldbewirtschaftung haben. Mauch plädierte für einen finanziellen Ausgleich.

Erhard Graunke (FDP) wies auf den teils kranken Wald im Raum Stühlingen und den großen Beratungsbedarf bei den Waldbesitzern hin. Die Forderung nach einem weiter hohen Standard der Waldbewirtschaftung nahm Landrat Martin Kistler mit in die Beschlussfassung auf.

Holzverkauf

Im Landkreis Waldshut gibt es 32 Gemeinden und 18 000 private Waldbesitzer, die bisher im Jahr 150 000 Festmeter Holz einschlagen. Weder sie einzeln noch eine der 13 Forstbetriebsgemeinschaften können die Menge für einen erfolgreichen Holzverkauf aufbringen. In Gründung ist deshalb eine Genossenschaft (Waldgenossenschaft Südschwarzwald), nachdem das Forstamt den Verkauf nicht mehr fortführen darf.

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