Im Kittchen von Waldshut war im September vor 25 Jahren kein Zimmer frei für einen 24-Jährigen, der auswärts aus der Haft entflohen war. Als er sich reumütig zur Rückkehr hinter schwedische Gardinen an der Waldshuter Gefängnispforte meldete, wurde er abgewiesen – frei nach dem Motto: Da könnte ja jeder kommen. Merke: Auch ein Gefängnisausbrecher hat sich an den bürokratischen Dienstweg zu halten.

Ausbrechen ist leichter als hineinzukommen

Was auch beweist, dass es – unter gewissen Umständen – leichter sein kann, aus dem Gefängnis abzuhauen als wieder hinein zu kommen. Man muss es nur so anstellen, wie der mehrfach vorbestrafte Knastbruder aus einem Gefängnis bei Pforzheim, der einen Tag Hafturlaub zum Durchbrennen genutzt hatte. Seine Flucht führte ihn bis in die Schweiz. Dort aber wurde ihm wohl das Unsinnige seines Handelns bewusst. Denn um von Amts wegen in die Freiheit entlassen zu werden, fehlten ihm nur schlappe 18 Tage (!), die er von seiner Gefängnisstrafe, seiner inzwischen neunten, noch abzusitzen hatte. Noch rechtzeitig wurde ihm bewusst, dass er die bald rechtmäßig winkende Freiheit mit seinem überhasteten Abhauen aufs Spiel setzen würde.

Einweisung scheitert an der Bürokratie

Also überschritt der 24-Jährige wieder die Grenze nach Deutschland und strebte die nächste Anstalt an, wo laut amtlicher Bezeichnung die Justiz vollzogen wird. Also das Gefängnis in Waldshut, an dessen Pforte der Mann klingelte und um Einlass bat. So logisch dies auch schien, so wenig entsprach dies der Bürokratie. Die sieht nicht vor, dass da einfach einer kommen kann, um sich wunschgemäß einschließen zu lassen. Weshalb der Mann an der Gefängnispforte wieder weggeschickt wurde.

Erst die Festnahme, dann die Einweisung

Vermutlich nicht ohne den wohlmeinenden Tipp, es mal beim nur wenige Meter entfernten Waldshuter Polizeirevier zu versuchen und sich damit auf dem formal richtigen Behördenweg zu befinden: Erst Festnahme durch die Polizei, dann Einlieferung ins Gefängnis. Unser Mann beherzigte den Rat, klingelte beim Polizeirevier und bekam endlich die ersehnte Festnahme. Immerhin war für ihn zunächst mal im Arrest der Polizei ein Zimmer frei.