Kreis Waldshut – Über ihre Pflichtaufgaben hinaus kümmert sich die Kreisverwaltung um viele Themen freiwillig. Derzeit sind beispielsweise Energiesparen und die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte auf der Tagesordnung – Anlass auch für Kritik von Kreisräten an Landrat Martin Kistler, mit deutlichem Hinweis auf die Arbeitsbelastung und den gestiegenen Personalbedarf der Verwaltung.

Vor allem CDU-Fraktionssprecher Martin Albers und Harald Würtenberger (FW) wurden in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses deutlich. So unterstützt der Landkreis laut Kreistagsbeschluss die Energieagentur Schwarzwald-Hochrhein jährlich mit 30 000 Euro, die unter anderem Schulprojekte organisiert und Unternehmen in Energiefragen berät. Dass bei Handwerksbetrieben ein Beratungsbedarf besteht, bezweifelte Kreisrat Würtenberger. Sein Kollege Erhard Graunke (FDP) kritisierte, dass sich noch niemand um die Abwärmenutzung der Biogasanlagen gekümmert habe. Laut Agentur-Geschäftsführer Jan Münster geht es bei der Beratung von Handwerkern nicht nur um die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, es könne darüber hinaus mehr getan werden. Münster sieht auch die Chance, dass sich die Agentur bald über Erlöse aus der Unternehmensberatung finanziert.

Die Bewerbung um den "European Energy Award", ein Umweltzertifikat, ist laut Amtsleiterin Waltraud Zimmermann anspruchsvoll, arbeitsintensiv, aber auch lohnend, das gesamte Personal müsse mitziehen. Martin Albers (CDU) wunderte sich, dass "die Leute damit beschäftigt werden, wir aber immer wieder hören, dass die Mitarbeiter auf dem Zahnfleisch gehen". Es liege schon eine Reihe von solchen Plänen in der Schublade. "Was soll bei dem Award herauskommen?", fragte Albers, ein konkreter Nutzen sei ihm beim Vortrag des Sachbearbeiters nicht klar geworden. Man müsse die Dinge nicht neu erfinden, sondern nur zusammentragen, beschwichtigte der Landrat. Der Landkreis dürfe auch die Möglichkeiten der Fördermittel (hier: vom Land) nicht außer Betracht lassen.

Kritik gab es auch an der geplanten Beteiligung des Landkreises an einem Internet-Portal für die regionale Vermarktung der Produkte heimischer Landwirte mit 10 000 Euro. Die Landwirte sollen zwischen einem kostenlosen Grundeintrag und einem professionell gestalteten und verknüpften Auftritt für 150 Euro wählen können. Kreisrat Christian Mauch (CDU) war die Rolle des Naturparks Südschwarzwald, der im Internet ebenfalls ein Forum der Direktvermarkter bietet, unklar. Das neue Portal soll auch Angebote außerhalb des Naturparks – etwa Wein aus dem Klettgau – enthalten, so Landwirtschaftsamtsleiter Ludwig Käppeler.

Martin Albers kritisierte, dass in diesem Fall die betroffenen Landwirte gar nicht nach dem Bedarf gefragt wurden. Die Pflege des Portals werde auch in Zukunft Geld kosten. Kreisrat Erhard Graunke, von Beruf Landwirt, berichtete, dass es seitens der Selbstvermarkter kaum Interesse an Fortbildungen des Landwirtschaftlichen Hauptverbandes gebe. Manfred Weber (CDU) regte an, die Nachfrage bei den Direktvermarktern zu erheben. Bisher weiß die Behörde allerdings nicht, welche Landwirte selbst vermarkten.

"Wenn kein Bedarf da ist, dann starten wir das Portal nicht", versprach Landrat Martin Kistler. Er ärgere sich darüber, dass "ein guter Ansatz zerredet" werde und bedauerte den "scharfen Ton" der Debatte. Albers hatte ihm vorgeworfen, bei den erwähnten drei Punkten "nur die Verwaltungsvorlage verteidigt" und die Bedenken der Kreisräte nicht aufgenommen zu haben. Kistler wies das zurück.

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