Sie sehen ekelerregend aus: Die Schlieren im Rhein bei Laufenburg, die Christian Haller im Video festgehalten hat. Sie schlängeln sich in der Strömung des Flusses vorwärts und haben eine gelb-bräunliche Farbe. „Solche Schlieren beobachte ich schon länger. Sie tauchen immer wieder auf“, sagt Haller, der in Laufenburg wohnt.

Das Video von Christian Haller:

Video: Christian Haller

Was hat es mit diesen schaumähnlichen Gebilden im Rhein auf sich? Deuten sie auf eine gefährliche Verschmutzung des Gewässers hin?

„Nein“, beruhigt Uwe Bergdolt von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Nach der Sandoz-Katastrophe 1986 seien im Rahmen des „Internationalen Warn- und Alarmplans Rhein“ fünf Messstationen am Rhein eingerichtet worden, um das Flusswasser täglich auf Schadstoffe zu überprüfen.

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„Die Messstation in Weil am Rhein hat mir bestätigt, dass es analytisch keine Auffälligkeiten gibt, die eine Schaumbildung erklärten“, so Bergdolt. Es seien auch keine Meldungen zu Schlieren oder Schaumbildungen eingegangen, weder bei der LUBW noch beim Landratsamt Waldshut oder dem Fischereiaufseher für den Hochrhein.

Eine Erklärung für die von Christian Haller beobachteten Schlieren liefert Bergdolt, nachdem Biologen der LUBW Hallers Video angeschaut haben

„Die einhellige Meinung ist, dass es am ehesten der Flutende Hahnenfuß ist“, sagt Bergdolt. Das ist eine Pflanze, die im Wasser lebt und auch im Rhein vorkommt. Sie hat weiße Blüten, hellgrüne Stengel und enthält schaumbildende Naturstoffe, sogenannte „Saponine“. Die Konzentration der Saponine steigt vor allem in den Sommermonaten. Diese „natürliche Seife“ sei aber total harmlos, versichert Bergdolt. Es bestehe weder eine Gefahr für Schwimmer noch für im Wasser lebende Tiere oder Pflanzen. „Saponine gehören zum Leben im Fluss.“ Und die bräunliche Farbe? „Die ist vermutlich auch pflanzlichen Ursprungs“, erklärt Bergdolt. Sie könne etwa von Pollen stammen, die sich mit dem Schaum mischen.

So sehen die Schlieren im Rhein bei Laufenburg aus. Das Foto wurde am Dienstag, 30. Juni, an der Codman-Anlage aufgenommen.
So sehen die Schlieren im Rhein bei Laufenburg aus. Das Foto wurde am Dienstag, 30. Juni, an der Codman-Anlage aufgenommen. | Bild: Vonberg, Markus

Andere Ursachen als den Flutenden Hahnenfuß schließt Bergdolt aus

„Es gab keine Bildung von Algen, die bei Wehrüberfällen zu einer Schaumbildung führen. Dafür sind die oberhalb von Laufenburg in Albruck-Dogern gemessenen Chlorophyll-Werte zu gering.“ Eine weitere Möglichkeit für Schlieren wären Regenentlastungen aus der Kanalisation oder abgeschwemmte Böden. „Dies hätte für die Wasserqualität keinen nachhaltigen Einfluss, aber auch hier ist analytisch nichts aufgefallen“, so Bergdolt.

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Das bestätigt Irina Nüesch, Leiterin der Sektion Trink- und Badewasser des Kantons Aargau. Bei zwei Flussbädern am Rheinufer entnehmen Nüesch und ihr Team während der Badesaison monatlich Wasserproben und überprüfen sie. „In der laufenden Saison haben wir eine mindestens genügende und größtenteils gute bis sehr gute Wasserqualität festgestellt“, so Nüesch. Sie weist allerdings darauf hin, dass man nach Gewittern oder während Schlechtwetterperioden nicht im Rhein schwimmen sollte. „Dann werden nebst Trübstoffen und Treibgut auch vermehrt Mikroorganismen mitgeschwemmt, die zu Infektionen führen können.“

Falls möglich, will die LUBW Proben der Schlieren analysieren

„Wenn Mitarbeiter vom Hochrhein Schlieren sehen, werden sie Proben entnehmen“, sagt Bergdolt, betont aber: „Würde es sich um Schadstoffe handeln, hätten sie es in Weil am Rhein gemerkt.“