Wer bis vor wenigen Tagen noch den Namen Thomas Dörflinger bei der Suchmaschine Google eingab, wurde als erstes auf die offizielle Internetseite des CDU-Bundestagsabgeordneten aus Tiengen geleitet. Jetzt ist die Seite nicht mehr aktiv. Nicht mehr aktiv ist auch Thomas Dörflinger, der für die CDU im Wahlkreis Waldshut 19 Jahre lang im Bundestag saß. Seit dem 24. Oktober ist die Amtszeit des 52-Jährigen beendet. Er hat sich bewusst dazu entschieden, der Politik den Rücken zu kehren. Anders als seine ehemalige CDU-Amtskollegin im Bundestag, Gabriele Schmidt, will er sich komplett aus der Politik zurückziehen. Er bleibt lediglich Mitglied der CDU.

Wehmut verbindet Thomas Dörflinger nicht mit seinem Auszug aus dem Deutschen Bundestag. Thomas Dörflinger: "Man stellt fest, dass auch drei Abende zu Hause funktionieren, ebenso wie ein spontanes Treffen mit Freunden. Rückblickend war die Zeit im Bundestag für mich interessant, anstrengend, lehrreich, nervig (wenn Entscheidungen getroffen wurden, hinter denen man nicht stand) aber auch befriedigend, weil man Leuten im Wahlkreis helfen konnte." Dies galt vor allem zu Zeiten der Wehrpflicht und des Zivildienstes. Damals habe Dörflinger etliche Anfragen erhalten, zu Fällen, wo beispielsweise ein junger Mann sich noch in der Lehre befand. "Da ließ sich vieles auf kurzem Weg regeln."

Feste Pläne für Dörflingers Zukunft gibt es bereits: Anfang des nächsten Jahres will er sich selbstständig machen und ein Büro für Politikberatung (Verknüpfung von Wirtschaft und Politik), Demoskopie und Publizistik eröffnen. Die Zeit bis Jahresende braucht Thomas Dörflinger, um seine Unterlagen aus 19 Jahren zu sortieren. Laufende Vorgänge werden geordnet und an seinen Nachfolger Felix Schreiner (CDU) weitergegeben, der zum ersten Mal für den Wahlkreis Waldshut im Bundestag sitzt. Alles andere soll archiviert und an die Konrad-Adenauer-Stiftung übergeben werden.

In den vergangenen knapp 20 Jahren war Thomas Dörflinger an einigen Gesetzen beteiligt. Aber zu seinen größten politischen Erfolgen zählt für ihn der laufende Bundesverkehrswegeplan 2030. Darin seien so gut wie alle in der Region geforderten Straßenbaumaßnahmen angenommen worden. Zudem hat Thomas Dörflinger in Sachen Fluglärmstreit zwischen Deutschland und der Schweiz Verbesserung an Verbesserungen für Deutschland mitgewirkt. So wurde beispielsweise die die anflugfreie Zeit über Deutschland ausgeweitet. Mitgewirkt hat der 52-Jährige auch bei der Nachjustierung vom SGB II, bei dem es auch um die Zuständigkeit ging. "Im Landkreis Waldshut bleibt die bei den Kommunen."

Als Bundestagsabgeordneter saß Thomas Dörflinger in unterschiedlichen Gremien. So war er Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie für die Angelegenheiten der Europäischen Union. Außerdem war er stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. 2003 hat er die Parlamentariergruppe Deutschland-Schweiz ins Leben gerufen, bei der er auch Vorsitzender war.

Erlebt hat Thomas Dörflinger in den vergangenen Jahren in Berlin viel, hat etliche Prominente aus Sport und Politik getroffen wie Vitali Klitschko und Papst Benedikt XVI.. Auch an seine erste Rede im Bundestag, von denen er genau 111 hielt, kann er sich noch sehr gut erinnern. "Damals ging es um die Neureglung der 630 DM-Jobs. Ich sagte zu den unterschiedlichen Entwürfen, die präsentiert wurden, dass deren Halbwertszeit geringfügig über der von Fruchtjoghurt liegt."

An seinen Nachfolger im Deutschen Bundestags, Felix Schreiner, will Thomas Dörflinger keine Ratschläge erteilen. Denn "Felix Schreiner ist kein Frischling mehr und hat schon etliche Erfahrungen im Landtag sammeln können. Auch wenn die sich vom Bundestag unterscheiden". Außerdem gab es im Vorfeld schon einige Gespräche zwischen den beiden Politikern. "Falls er eine Frage hat, kann sich Felix Schreiner jederzeit bei mir melden", sagt Thomas Dörflinger.

Zur Person

Thomas Dörflinger ist 52 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne. Mit ihnen und seiner Frau lebt er in Tiengen. Er studierte in Konstanz Geschichte und Politikwissenschaften. Im Anschluss an das Studium absolvierte er ein Volontariat bei einem Radiosender. Nachdem der Sender geschlossen wurde, arbeitete Thomas Dörflinger ab 1995 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der damaligen Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Claudia Nolte (CDU). Von 1997 bis 1998 war er schließlich Redakteur beim Schwarzwälder Boten. Schon als Schüler trat Dörflinger 1979 in die Junge Union und 1984 auch in die CDU ein. Seit 1995 gehört er dem Vorstand des CDU-Kreisverbandes Waldshut an und ist dort stellvertretender Vorsitzender.

1998 wurde er Bundestagsabgeordneter und löste damit seinen Vater in der Bundeshauptstadt ab, der von 1980 bis 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages war. Thomas Dörflinger ist Bundesvorsitzender der Kolpingwerkes. Auf lokaler Eben ist er Mitglied bei der Guggenmusik Fidele Stammtischler. Außerdem moderiert er seit Jahren das Jahreskonzert der Stadtmusik und das Wunschkonzert am Schwyzertag in Tiengen. Fest vorgenommen hat er sich, per App über das Smartphone Klavierspielen zu lernen. Und auch das Tubaspielen will er wieder auffrischen. (skd/guy)