Gemeinsam mit Vereinen, Verbänden und Schulen bieten die Städte und Gemeinden im Landkreis Jugendlichen ein vielfältiges Angebot in den unterschiedlichsten Bereichen. Sportliche und musikalische Talente können zwischen zahlreichen Jugendangeboten der Vereine wählen, was am besten zu ihnen passt und gleichzeitig Spaß macht.

Den Mitmenschen helfen und im Notfall bereit stehen, erlernen Jugendliche bei der Jugendfeuerwehr, dem Jugendrotkreuz und den Jugendabteilungen des technischen Hilfswerks und der DLRG. Durch zahlreiche Ferienprogramme im Landkreis werden auch Ferien vor Ort zum Erlebnis.

Eine wichtige Stütze für Jugendliche ist die offene Jugendarbeit im Landkreis. "Unsere Jugendarbeit begeleitet und fördert die Jugendlichen im Landkreis beim Erwachsenwerden und wir integrieren sie partnerschaftlich in die Gesellschaft", erklärt Beata Rolirad, Leiterin des Jugendhauses in Wehr, die Aufgabe der öffentlichen Jugendarbeit.

Eine feste Altersgruppe kann für Jugend nicht festgelegt werden. "Es gibt kein Eintritts- und Austrittsdatum der Jugend. Die Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen und dann zum Erwachsenen ist eine lange Periode von mindestens zehn Jahren", sagt Stefan Maßmann, Leiter des Jugendzentrums Tiengen.
 

Neben einem Raum zum Entfalten und Entwickeln, finden die Jugendlichen bei der öffentlichen Jugendarbeit vor Ort auch Ansprechpartner bei Problemen und Sorgen. Gleichzeitig organisieren Jugendliche und Jugendarbeiter gemeinsam Projekte und Veranstaltungen, bei denen die Pflichten aus der Schule und dem Elternhaus vergessen werden können und der Spaß und das Erlebnis an erster Stelle stehen.

Beata Rolirad möchte Jugendlichen als Leiterin des Jugendhauses besonders Selbstvertrauen, Mut und Zuversicht mit auf den Weg geben. "Dafür brauchen wir eine soziale und räumliche Vernetzung und Kooperationen im Landkreis. Aber auch gute Rahmenbedingungen durch die Stadt, die wir zum Glück haben", so Rolirad.

 

Die Serie

Die Serie „Der Landkreis mal zehn“ nimmt jeden Monat den Kreis Waldshut unter die Lupe und beleuchtet bis zum Ende des Jahres noch folgende Themen:

  • 5. Juli: Jugend
  • 2. August: Wasser
  • 6. September: Landwirtschaft
  • 4. Oktober: Grenzgänger
  • 8. November: Retter im Ernstfall
  • 6. Dezember: Geschichte

Hätten Sie es gewusst?

Die Jugendfeuerwehr Waldshut-Tiengen ist die drittälteste Jugendfeuerwehr im Bundesland Baden-Württemberg. 1955 wurde sie durch die Feuerwehr Tiengen, die damals noch eigenständig war, gegründet. 1984 folgte die Gründung der Jugendfeuerwehr in Waldshut.

Hinzu kamen die Jugendgruppen aus Indlekofen, Gurtweil und Waldkirch. Heute besteht die Jugendfeuerwehr Waldshut-Tiengen aus vier Jugendgruppen für die Bereiche Tiengen, Waldshut, West und Gurtweil. Rund 45 Kinder zwischen zwölf und 17 proben regelmäßig den Ernstfall.

"Die Jugendlichen geben bei uns den Ton an"

Stefan Maßmann arbeitet im Kinder- und Jugendreferat der Stadt Waldshut-Tiengen und ist Leiter des Jugendzentrums Tiengen. Im Interview spricht der Sozialarbeiter über Jugendliche und Jugendarbeit im Landkreis.

Herr Maßmann, warum ist die Jugendarbeit vor Ort so wichtig?

 

Die Jugendarbeit vor Ort ist deshalb wichtig, weil es immer weniger freie Räume für Jugendliche gibt, in denen sie nicht nach erwachsenen Mustern funktionieren müssen, und wo sie sich ausprobieren können und ernst genommen werden. Das ist im Abnabelungsprozess der Jugendlichen von ihren Elternhäusern und später von den Schulen wichtig und dafür braucht es die Phase des Ausprobierens. Für diesen Prozess ist die Jugendarbeit extrem wichtig. Damit meine ich nicht nur die offene Jugendarbeit, sondern auch die Vereins- und Verbandsjugendarbeit.

Ist die Jugendarbeit in einem ländlichen Raum, wie wir ihn hier im Landkreis Waldshut haben, wichtiger als in einer Großstadt?

 

Ich glaube, es macht keinen Unterschied. Die Gründe, weshalb Jugendliche kommen, sind vielleicht unterschiedlich. Wir haben hier im Landkreis viele kleine Jugendtreffs und selbstverwaltete Bauwägen. Das ist auch ein Resultat der niedrigen Mobilität, die Jugendliche bei uns im Landkreis haben. Der öffentliche Nahverkehr ist schwierig und diese Probleme haben Jugendliche in der Stadt nicht. Dort ist eher der mangelnde Raum problematisch. In Stadtgebieten wie Waldshut-Tiengen oder Bad Säckingen ist er bei uns allerdings auch schon knapp bemessen.

Welche Themenbereiche werden mit der offenen Jugendarbeit abgedeckt?

 

Wir sind für alle Themen zuständig. Die Jugendlichen bestimmen bei uns, was sie haben möchten und was sie mit uns gestalten möchten. Die Jugendlichen geben bei uns den Ton an und wir sind Ansprechpartner für alles, was sie bewegt. Wir haben eine sehr intensive Beziehung zu den Jugendlichen und sind neben Ansprechpartnern auch Vertraute mit der nötigen Distanz bei Stress mit Eltern und in der Schule, was normal ist in dieser Phase. Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite, denn Jugendliche sind sehr zerbrechlich, auch wenn man das nicht denkt, da sie oft mutig auftreten.

Sie haben bereits 20 Jahre Erfahrung. Was hat sich in dieser Zeit bei Jugendlichen am meisten verändert?

 

Da hat sich fast alles verändert. Vor 20 Jahren waren die Jugendeinrichtungen Wohnzimmer und wir hatten in Tiengen mindestens sieben Orte, an denen sich Jugendcliquen getroffen haben. Das gibt es heute nicht mehr. Wir haben durch die Digitalisierung des Alltags enorme Möglichkeiten bekommen. Das nutzen die Jugendlichen auch. Sie kommunizieren nicht schlechter, sondern anders. Auch die Ganztagsschulen sind ein entscheidender Einschnitt. Mit den Fahrtzeiten, die wir hier haben, sind Jugendliche locker zehn bis zwölf Stunden unterwegs. Die Freizeit wurde knapper.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit im Jugendbereich im Landkreis?

 

Sie wird immer wichtiger. Die gedachte Trennung, die man früher immer hatte, nimmt ab. Heute ist eine deutliche Vernetzung der jugendlichen Lebensbereiche wichtig. Das haben wir beispielsweise mit dem Campusfest umgesetzt. Vereine, Schule, offene Jugendarbeit und kirchliche Jugendarbeit haben alle die selben Interessen. Sie wollen Jugendlichen die Möglichkeiten bieten, erwachsen zu werden.

Fragen: Lena MehrenBild: Archiv/Ursula Freudig

Vereinsnachwuchs: Egal ob sportlich oder musikalisch – die Zukunft der Vereine bleibt die Jugend. In der Jugendstudie der Stadt Waldshut-Tiengen geben über 70 Prozent der Jugendlichen an, Mitglied in einem Sportverein zu sein. Vielfältige Sportangebote vom Wassersport, über Tennis bis hin zum Skateboardverein motivieren Jugendliche sich zu bewegen. Auch die Musikvereine organisieren eigene Jugendorchester, in denen nicht nur die klassischen Töne angestimmt werden, ebenso wie in vielen Bläserklassen im Landkreis oder dem Verbandsjugendorchester.

Jugendfeuerwehr: Der Landkreis Waldshut ist für die Zukunft im Notfall gut gerüstet. Insgesamt besteht die Kreisjugendfeuerwehr Waldshut aus 31 Jugendfeuerwehren, die sich in 47 verschiedene Jugendgruppen und zwei Kindergruppen gliedern. Über 700 Jungen und Mädchen zwischen sechs und 18 Jahren gehören laut der Kreisjugendfeuerwehr einer Jugendfeuerwehr im Landkreis an und werden für den Notfall ausgebildet. Vom 22. bis 24. Juli kommen alle Jugendfeuerwehren im Kreiszeltlager in Todtmoos zusammen und tauschen sich aus.

Jugendchöre: Für den richtigen Ton sorgen Jugendliche in der Region in mehreren Jugendchören. Wer nach dem Kinderchor noch lange nicht genug hat vom Singen, darf sich in sieben verschiedenen Jugendchören austoben. Dabei kann es ruhig ein wenig rockiger zugehen, so wie bei den "Let's Fetz Teens in Bonndorf", die mit regelmäßigen Auftritten auf Veranstaltungen für Stimmung sorgen. Auch ein gemeinsames Chorleben mit jüngeren und älteren Sängern ist möglich, wie der Kinder-Jugend-Eltern Chor Binzgen zeigt.

Jugendrotkreuz: Beim Jugendrotkreuz im Landkreis werden Jugendliche an die erste Hilfe rangeführt. Regelmäßig treffen sich die Jugendlichen in den Ortsverbänden. Neben dem Erlernen der Notfallmaßnahmen, kommen auch Sport, Spiele und Ausflüge nicht zu kurz. Auch die Notfalldarstellung, bei der Wunden realistisch nachgestaltet werden, wird geübt. Im Landkreis gibt es derzeit in Albbruck-Dogern, Hohentengen, Küssaberg, Stühlingen, Wutach und Wutöschingen Gruppen des Jugendrotkreuz mit über 70 Jugendlichen aus dem Landkreis.

Jugendpfadfinder: Die Natur im Landkreis erforschen einige Pfadfinderstämme, bei denen die Jugendklasse in den verschiedenen Organisationen bis zum 16. Lebensjahr geht. Zum Bund der Pfadfinder zählen der Stamm Ulrich von Hutten in Bonndorf, der Stamm der Elche Waldshut und der Stamm der Yaktonai in Tiengen. In Dogern und Wehr gibt es die katholischen Stämme St. Clemens und St. Bernhard. In Bad Säckingen ist der evangelische Pfadfinderstamm Die Brücke sowie die Gemeinschaft Royal Rangers zu Hause.

Offene Jugendarbeit: Vertraute und Ansprechpartner mit dem nötigen Abstand sind die festen und ehrenamtlichen Mitarbeiter in der offenen Jugendarbeit für Jugendliche im Landkreis. Anlaufstellen im Landkreis sind die Kinder- und Jugendhäuser in Wehr und Bad Säckingen, das Jugendcafé in Murg und Waldshut, die grenzüberschreitende Jugendarbeit in Laufenburg, das Jugendzentrum Tiengen, das Jugendbüro Küssaberg, die offene Jugendarbeit Klettgau und das Kinder- und Jugendreferat in Jestetten und Lottstetten.

Öffentliche Jugendplätze: Einen Raum zum Austoben und Entwickeln außerhalb von Schule und dem Zuhause finden Jugendliche im Landkreis in zahlreichen Jugendclubs, Bauwägen und Hütten. Insgesamt gibt es 22 selbstorganisierte Jugendtreffs, die auch von den Jugendlichen gestaltet und verwaltet werden. Hier können Jugendliche gemeinsam ihre Zeit verbringen und haben auch in den ländlicheren Gebieten einen Treffpunkt vor Ort. Auch auf Sportplätze und Skateparks können Jugendliche sich in ihrer Freizeit austoben und den Alltag vergessen.

Jugendzeltplätze: Gerade in den bevorstehenden Sommerferien ist das gemeinsame Zelten mit Freunden eine beliebte und günstige Aktivität vieler Jugendlicher. Im Landkreis finden die Jugendliche zahlreiche Plätze, um sich mit Sack und Pack niederzulassen. Auf zwölf speziellen Jugendzeltplätzen in Albbruck, Bernau, Dachsberg, Dogern, Grafenhausen, Herrischried, Küssaberg, Stühlingen, Waldshut und Wutach haben Jugendliche die Möglichkeit in Waldrandgebieten sowie an Seen und Bächen ihre Freizeit zu verbringen.

Ferienprogramme: Die Sommerferien stehen vor der Tür und die Städte im Landkreis haben einiges an Programm zu bieten. Das Kinder- und Jugendreferat in Waldshut bietet mit FEZ Jugendlichen bis 15 Jahren die Möglichkeit aktive Ferien vor Ort zu erleben. Zahlreiche Veranstaltungen und Ausflüge bietet auch JeSS, das Jestetter Sommerspaß-Programm. Auf dem Schulhof der Schule am Hochrhein in Lauchringen wird an den Wochentagen im August von 9.30 Uhr bis 16 Uhr eine Ferienbetreuung mit Verpflegung und Programm angeboten.

Neue Medien: Das Internet und Smartphones spielen für Jugendliche im Landkreis eine große Rolle. In der Jugendstudie der Stadt Waldshut-Tiengen gehört Chatten beispielsweise mit zu den Top Fünf der beliebtesten Freizeitbeschäftigung. Ebenso wichtig sind die sozialen Netzwerke: "Ohne soziale Netzwerke läuft nichts mehr. Wir brauchen sie, um mit den Jugendlichen im Landkreis in Kontakt treten zu können", sagt Stefan Maßmann, Leiter des Jugendzentrums Tiengen.