Ein 47-Jähriger soll im August 2017 in einem Asylheim im östlichen Landkreis einen 28-Jährigen mit einem Schraubendreher angegriffen und verletzt haben. Die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht in Waldshut hat im November begonnen. Da der 28-Jährige weder Deutsch noch Englisch spricht und kein Dolmetscher in seiner Landessprache zur Verfügung stand, konnte er nicht angehört werden.

Opfer will keine Bestrafung

In einem Fortsetzungstermin wurde dem 28-jährigen Opfer eine Dolmetscherin zur Seite gestellt. Der 47-Jährige beteuerte seine Unschuld. Der 28-Jährige pochte auf die schon länger bestehende Freundschaft und bat das Gericht, von einer Strafe abzusehen.

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Richter Raphael Kania verurteilte den Angeklagten dennoch, wie im Strafbefehl veranschlagt, zu einer Freiheitstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Alexander Schmidle, hatte für eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung plus 100 Arbeitsstunden plädiert. „Den Angeklagten trifft keine Schuld, er ist ein guter Mensch“, hatte der 28-Jährige betont. Angezettelt habe alles der Mitbewohner, weil er aus dem Haus ausziehen wollte. Seit er weg sei, sei es ruhiger geworden. Dieser hatte als Zeuge ausgesagt und angegeben, dass die beiden lautstark gestritten hätten und der 28-Jährige mit einem Stuhl auf den Angeklagten losgegangen sei. Die angeklagte Tat habe er nicht gesehen.

Oft betrunken und dann unberechenbar

Eigentlich habe er sich immer gut verstanden mit dem Angeklagten, sagte das Opfer, nur sei er oft betrunken gewesen und dann unberechenbar. Er bestätigte, dass er mit einem Schraubendreher attackiert worden war, aber die Verletzung sei nach einigen Tagen verheilt. Für die Staatsanwaltschaft hatte sich der Sachverhalt, wie im Strafbefehl geschildert, bestätigt. Die Begleitumstände seien zwar nebulös, die Zeugenaussagen widersprüchlich, dennoch stehe fest, dass der 28-Jährige verletzt worden sei und dass vermutlich ein Streit vorangegangen sei.

Verletzung muss bestraft werden

„Um das Tatgeschehen herum ist vieles nebulös und nicht mehr aufklärbar“, so auch der Richter. „Es gab in diesem Haus ethnisch-aufgeladene Konflikte, die in Verbindung mit Alkoholkonsum zur Entladung gekommen sind“, erklärte Kania. Der Geschädigte habe eine Verletzung erlitten, die er sich nicht selbst zugefügt habe. Die Aussagen des Opfers seien glaubwürdig und dabei ohne Belastungstendenz. „Ich zweifle nicht daran, dass sich die Tat so zugetragen hat“, schloss der Vorsitzende Richter die Verhandlung.