Für die Verkehrssicherheit im Landkreis Waldshut war der Donnerstag kein guter Tag. Für die Glaubwürdigkeit der Politik auch nicht. Nach dem Gespräch verschiedener Vertreter der Region mit Verkehrsminister Winfried Hermann steht fest, dass die Abfahrt Hauenstein noch mindestens 20 Jahre lang die Gefahrenstelle bleiben wird, die sie heute darstellt. Mindestens.

Jahr um Jahr nur Ankündigungen

Denn vollmundige Ankündigungen waren in den vergangenen Jahren alles, was die Politiker in Stuttgart und die Planer in Freiburg zu Hauenstein zuwege brachten. Dabei schien alles so einfach. 2014 erklärte Hermanns eigenes Ministerium, dass Hauenstein den normalsten Standards anzupassen sei, die für einen Verkehrsweg nur gelten können – nämlich "richtlinienkonform und verkehrlich leistungsfähig" zu sein. Doch es geschah nichts. Ein Jahr später erklärte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, dass die technischen und finanziellen Mittel für einen Tunnel vorhanden seien. Es geschah wieder nichts. 2017 stellte das Regierungspräsidium Freiburg vier Tunnelvarianten vor und rief die Bürger zum Einreichen eigener Vorschläge auf. Es blieb folgenloses Malen nach Zahlen.

16 Unfälle, aber kein Unfallhäufungspunkt

Denn 2018 begann langsam durchzusickern, was jetzt offiziell wurde: Keiner in Stuttgart oder Freiburg hat die Absicht bei Hauenstein einen Tunnel zu errichten. Für die Verkehrssicherheit ist das gefährlich. Zwar zählte die Polizei an der Abfahrt seit 2015 tatsächlich nur 16 Unfälle, statistisch ist Hauenstein damit kein Unfallhäufungspunkt mehr. Doch vorausgegangen war beispielsweise Ende 2014 ein schwerer Unfall, bei dem zwei Lastwagen kollidierten und zwei Menschen schwer verletzt wurden. Ob die danach in die Wege geleitete bessere Ausschilderung der Gefahrenstelle ausreicht, ähnliche oder schlimmere Unfälle im Nadelöhr Hauenstein für die nächsten 20 Jahre zu verhindern?

Mehr als ein Blechschaden für die Politik

Mehr als nur Blechschaden hat die Politik der amtierenden Landesregierung in Hauenstein erlitten. Sie führt Bürgerbeteiligung und Bürgerdialog im Munde, setzt aber nicht um, was die Betroffenen vorschlagen. Und nicht einmal eine erfolgreiche Petition im Landtag hilft.

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