„Jüdisches Leben gehört seit vielen Jahrhunderten zu unserer Stadt, zu unserer Identität und Kultur.“ So eröffnete Landrat Martin Kistler im Landratsamt die Wanderausstellung „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“. Die Feierstunde, die im Kreissaal von einem jungen Streichquartett musikalisch umrahmt wurde, war auch Auftakt der Kulturwoche des Freundeskreises Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen. „Diese Erinnerungsarbeit schärft das Bewusstsein für das vergangene Leid der Juden unter der Naziherrschaft, sie leistet einen wichtigen Beitrag im Hinblick auf Glaubensfreiheit und auf eine tolerante Gesellschaft“, so Kistler.

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Er erinnerte an die zahlreichen jüdischen Familien, die einen festen Platz in der hiesigen Gesellschaft hatten: Rund 230 jüdische Einwohner lebten gegen Ende des 18. Jahrhunderts allein in Tiengen. Kistler dankte dem Freundeskreis, der die Erinnerung an die jüdische Geschichte hier am Hochrhein wach halte: „Jüdische Kultur ist nicht nur von Melancholie und Traurigkeit geprägt, sondern auch von Humor und Lebensfreude.“ Kerstin Simon, Kulturamtsleiterin der Stadt Waldshut und Gebhard Kaiser, Vorsitzender des Freundeskreises, stellten das Programm der Kulturwoche vor.

Die Sichtweise junger Juden

Die Ausstellung zeigt auf zahlreichen Plakaten meist junge Menschen mit jüdischen Biografien, die entweder in Deutschland geboren oder zugezogen sind oder sich hier vorübergehend aufhalten: Etwa die Filmemacherin Yael, die in ihrem Film „Schnee von gestern“ auf Spurensuche ihrer Familie ist und so den Holocaust verarbeitet. Oder Dimitri (35) aus Kiew, der feststellt: „Mit Deutschland verbinde ich in erster Linie Freiheit.“ Oder den Abiturienten Daniel (21), der froh ist, „Teil dieser offenen Gesellschaft zu sein“. Aber auch Yascha, der sich in Deutschland „immer als Jude“ fühlte.

Einladung an Schulen

Zusätzlich gibt es fünf Geschichtstafeln, die diese Biografien in die fast 2000-jährige Geschichte der Juden in Deutschland einbetten. So wünschte sich Landrat Kistler, dass auch viele Schulklassen (sie ist für die Sekundarstufe II konzipiert) den Weg in diese Ausstellung finden: „Sie hilft, sich mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen und Vorurteile abzubauen.“

Öffnungszeiten der Ausstellung im Landratsamt bis 29. November: Montag und Freitag, 8.30 bis 12.30 Uhr, Dienstag zusätzlich 13.30 bis 17.30 Uhr, Donnerstag, 8.30 bis 15.30 Uhr.