"Jeder Tropfen Wasser ist ein wahrer Segen", sagt Richard Kessler, Obstbauer aus Schwerzen und zeigt dabei auf die Blätter seiner Birnenkulturen, die bereits braun werden und förmlich nach Wasser lechzen. Seit Ostern herrscht auch am Hochrhein hauptsächlich Schönwetterlage mit Sonnenschein und Hitze – für Sonnenanbeter genau das Richtige, für die Landwirtschaft aber eher ein Problem.

Auf wasserdurchlässigen Böden leiden die Äpfel sehr unter der Trockenheit und Hitze. Sonnenbrand schädigt die dünne Schale der Früchte.
Auf wasserdurchlässigen Böden leiden die Äpfel sehr unter der Trockenheit und Hitze. Sonnenbrand schädigt die dünne Schale der Früchte. | Bild: Heidrun Glaser

"Es fehlt uns einfach eine ausgiebige Regenperiode, denn die Wurzeln der Kulturobstbäume gehen nicht weit in tiefe Erdschichten", erklärt Andreas Henes vom gleichnamigen Obsthof in Lottstetten. Er hat dieses Jahr intensiv in die künstliche Tröpfchenbewässerung für seine Erdbeeren investiert, denn auch diese und weitere Beerensorten sind von der Trockenheit sehr stark betroffen.

Erdbeeren für 2019 werden jetzt gepflanzt

Erdbeeren werden jetzt für 2019 gepflanzt, in der trockenen Erde hätten sie keine Chance zum Anwachsen. "Für diese Bewässerung müssen wir jedoch den ganz normalen Wasserpreis bezahlen, weil wir das öffentliche Trinkwasser nutzen, bisher haben wir rund 800 Kubikmeter verbraucht", sagt Henes im Hinblick auf die laufenden Investitionen.

Bruno Preis aus Küssaberg ist Vorsitzender des Obstbauverbandes im Landkreis Waldshut und Obstbauer. Er hat bereits 2006 seine Spalierobstkulturen mit automatischen Bewässerungsanlagen ausgestattet und dafür drei Tiefbrunnen gebohrt.
Bruno Preis aus Küssaberg ist Vorsitzender des Obstbauverbandes im Landkreis Waldshut und Obstbauer. Er hat bereits 2006 seine Spalierobstkulturen mit automatischen Bewässerungsanlagen ausgestattet und dafür drei Tiefbrunnen gebohrt. | Bild: Heidrun Glaser

Kessler hat in Schwerzen für sein Beerenobst eine Ausnahmegenehmigung und kann dort das Wasser aus der Wutach zum Bewässern nutzen. Aber für die Kernobstplantagen, wie Äpfel und Birnen, ist der Leitungsweg dorthin zu weit. Bruno Preis aus Küssaberg-Kadelburg hat bereits 2006 begonnen, seine Spalierobstplantagen mit feindosierter Wasserzufuhr zu bewässern.

Investition in Tröpfchenbewässerung

"Nachdem wir 2003 mit 70 Prozent Ausfall aufgrund der Trockenheit zurechtkommen mussten, haben wir in die Tröpfchenbewässerung investiert", erzählt Preis und erklärt, dass die Bodenfeuchte ganz individuell mit der Beschaffenheit der Bodenverhältnisse zusammenhängt und deshalb an den verschiedenen Orten unterschiedlich ist. So sind die Regler für die automatische Bewässerung optimal auf die Bodenverhältnisse abgestimmt und messen stets den aktuellen Feuchtigkeitsgrad.

Obstbauer Andreas Henes aus Lottstetten hat in diesem Jahr in die künstliche Bewässerung für seine Erdbeerkulturen investiert. „Ohne diese Tröpfchenbewässerung würden die Pflanzen dieses Jahr nicht anwachsen.“
Obstbauer Andreas Henes aus Lottstetten hat in diesem Jahr in die künstliche Bewässerung für seine Erdbeerkulturen investiert. „Ohne diese Tröpfchenbewässerung würden die Pflanzen dieses Jahr nicht anwachsen.“ | Bild: Heidrun Glaser

"Die Kunden wünschen beim Tafelobst eine gleichbleibende Qualität und wenn wir am Markt bestehen wollen, müssen wir diese liefern", betont der Kadelburger Obstbauer, der auch Vorsitzender des Kreis-Obstbauverbandes mit rund 40 Mitglieder ist. Die einzelnen Obstbaubetriebe im Landkreis haben deshalb mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Andreas Henes befürchtet bei empfindlichen Apfel- und Birnensorten einen Ernteausfall von zirka 40 Prozent. "Manche Äpfel sind durch die Hitze wie weich gekocht und daher ungenießbar, sogar noch nicht mal als Mostäpfel", Henes. Im Allgemeinen ist zu erkennen, dass die Früchte kleiner sind, zumindest dort, wo keine Bewässerungsanlagen eingesetzt werden.

Richard Kessler, Betriebsinhaber des gleichnamigen Obsthofes in Schwerzen, zeigt die Trockenheitsschäden besonders bei Birnen. Hier werden bei empfindlichen Sorten bereits die Blätter braun.
Richard Kessler, Betriebsinhaber des gleichnamigen Obsthofes in Schwerzen, zeigt die Trockenheitsschäden besonders bei Birnen. Hier werden bei empfindlichen Sorten bereits die Blätter braun. | Bild: Heidrun Glaser

"Die Bäume hängen jedoch überall voll und die Früchte sind sehr schmackhaft und süß", betont Preis. Dies führt er auf den Frostausfall der vergangenen beiden Jahre zurück. Die Bäume hatten dadurch eine intensive Ruhephase und konnten deshalb im Frühling durch die schnelle Wärme sehr gute und viele Blütenknospen bilden, die durch den Wind und die Bienen alle befruchtet wurden.

Jeder Regentropfen erhöht die Qualität

Auch der Schwerzener Obstbauer Kessler ist mit der Menge und dem Geschmack des diesjährigen Obstes sehr zufrieden und hofft, dass die Kunden auch die etwas kleineren Früchte mögen. "Die Qualität ist sehr gut und jeder Tropfen Regen bringt noch einen weiteren Qualitätsgewinn", weiß Kessler, der seit vielen Jahren mit seinem Obststand den Waldshuter Wochenmarkt bestückt.

Auf schweren, wasserspeichernden Böden sind sehr schöne und prächtige Äpfel zu finden.
Auf schweren, wasserspeichernden Böden sind sehr schöne und prächtige Äpfel zu finden. | Bild: Heidrun Glaser

Solange die Früchte noch an den Bäumen hängen, werden sie mit Nährstoffen versorgt, die auch für die Lagerung des Obstes sehr wichtig sind. Bei einigen Sorten wie zum Beispiel Gala-Royal ist die Ernte bereits in vollem Gange, die späten Sorten und auch das Hochstammobst können von den nun angebrochenen kühleren Nächten und der etwas feuchteren Luft noch sehr profitieren. Dennoch gibt es Bäume auf sehr wasserdurchlässigen Böden, die fast am Absterben sind und einige empfindliche Apfelsorten zeigen auf der Haut auch Sonnenbrand.

Das könnte Sie auch interessieren

"Für die Zukunft müssen wir uns Gedanken machen, Wasser in Regenphasen zu speichern, um diese Reserven dann in der Trockenperiode zur Bewässerung zu nutzen", ist Andreas Henes überzeugt. Preis hingegen profitiert von drei eigenen Tiefbrunnen, die ihm Wasser aus den Grundwasserschichten liefern. Trotz aller Hitze und Trockenheit erreicht das Jahr 2018 dennoch nicht die Dürreausmaße wie im Jahr 2003, darüber sind die Landwirte alle froh.