Die ehemaligen Waldshut-Tiengener CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Dörflinger und Gabriele Schmidt wurden bei einer feierlichen „Staffelübergabe“ verabschiedet.

„Das wars für mich“, sagte Thomas Dörflinger, der von 1998 bis 2017 Bundestagsabgeordneter war, zum Ende seiner Rede. In Rollkragenpulli und mit Schal – seinen Markenzeichen – erinnerte er an politische Rivalen, die zu Freunden wurden und bedankte sich bei seinem Team, besonders aber bei seiner Frau Roswitha. Eines seiner Lebensmottos sei schon immer ein Zitat des Apostels Paulus gewesen: „Prüfet alles, das gute behaltet.“ Für ihn sei dies eine gute Überschrift für seine Partei CDU, da die Neugierde auf Neues genauso notwendig sei wie an dem festzuhalten, was sich bewährt hat.

Thomas Dörflinger
Thomas Dörflinger

Demokratie sei für ihn Diskussion – ganz nach einem Zitat des ehemaligen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Tomá Garrigue Masaryk – „und nicht das Beklatschen von Entscheidungen, die andere zuvor getroffen und die von ihnen als alternativlos bezeichnet worden sind“.

Im dritten Ratschlag zitierte er den französischen Staatsmann Charles de Montesquieu: „Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu machen, dann ist es unbedingt notwendig, kein Gesetz zu machen.“ Damit das Ehrenamt aus Eigeninitiative entstehen kann, müsse man sich auf die Leitplanken beschränken, statt alles staatlich bis ins Details regulieren zu wollen.

Ratschlag an den Nachfolger

Seinem Nachfolger ab er den Ratschlag, sich auch mit unpolitischen Menschen zu umgeben, die ungeschminkt erzählen, was, auch über einen selbst, gesprochen wird. „Eine bessere Form der Erdung kann man nicht haben.“

Gabriele Schmidt bedankte sich herzlich bei ihrem Lebensgefährten Erwin Matthias, der sie in ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete zwischen 2013 und 2017 immer unterstützt habe. „Ich wollte nie jedermanns Liebling sein“, sagte Schmidt, die sich immer treu geblieben ist, und betonte, es gebe für sie keine bessere Form des Lebens, als die parlamentarische Demokratie. Es ginge aber nicht, ohne miteinander zu reden. So war auch ihr Ratschlag an Felix Schreiner: „Rede mit uns, deiner Basis, und mach nicht alles alleine.“

„Zu 100 Prozent wähle ich Frau Kramp-Karrenbauer, denn sie kommt von unten, nicht von oben“: Gabriele Schmidt, frühere Bundestagsabgeordnete aus Ühlingen.
„Zu 100 Prozent wähle ich Frau Kramp-Karrenbauer, denn sie kommt von unten, nicht von oben“: Gabriele Schmidt, frühere Bundestagsabgeordnete aus Ühlingen. | Bild: Peter Rosa

Lob für Arbeit

Der CDU-Landesgruppensprecher Andreas Jung lobte Schmidt und Dörflinger für ihre Politik auf Basis eines stabilen Wertefundaments und erinnerte an politische Verdienste. Beide seien Menschen, die glaubwürdig aufgetreten sind und viel erreicht haben.

Es geht um das Gewicht Baden-Württembergs: Der Konstanzer CDU-Landesgruppenchef Andreas Jung will in die Spitze der Unionsfraktion aufrücken. Bild: Rosa
Es geht um das Gewicht Baden-Württembergs: Der Konstanzer CDU-Landesgruppenchef Andreas Jung will in die Spitze der Unionsfraktion aufrücken. Bild: Rosa | Bild: Peter Rosa

Für ihre Verdienste für den Landkreis Waldshut überreichte Landrat Martin Kistler den beiden eine Urkunde sowie Thomas Dörflinger die Medaille des Landkreises in Silber. Zu Ehren der beiden ehemaligen Abgeordneten sangen Dörflingers Sohn Klaus-Martin und Lukas Gäng den Sinatra-Davis-Klassiker „Me and My Shadow“.

Landrat Martin Kistler hatte ebenfalls Aekdoten aus der gemeinsamen Zeit mit Thomas Dörflinger und Gabriele Schmidt im Petto.
Landrat Martin Kistler hatte ebenfalls Aekdoten aus der gemeinsamen Zeit mit Thomas Dörflinger und Gabriele Schmidt im Petto.

Ausgerichtet wurde die Feier von den beiden Kreisverbänden ihres Wahlkreises, Waldshut-Tiengen und Breisgau-Hochschwarzwald, und deren Vorsitzenden Felix Schreiner und Patrick Rapp.

Zahlreiche Weggefährten, Familienmitglieder und Vertreter der regionalen und der Landespolitik waren dazu in den katholischen Pfarrsaal Tiengen gekommen, darunter auch die Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller, der Waldshut-Tiengener OB Philipp Frank sowie Vertreter der Schweizer Politik.

Zur Verabschiedung der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Thomas Dörflinger und Gabriele Schmidt hatten sich zahlreiche Vertreter aus der regionalen Politik und viele Gäste im katholischen Pfarrsaal Tiengen eingefunden.
Zur Verabschiedung der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Thomas Dörflinger und Gabriele Schmidt hatten sich zahlreiche Vertreter aus der regionalen Politik und viele Gäste im katholischen Pfarrsaal Tiengen eingefunden.

 

Thomas Dörflinger

  • Person: Thomas Dörflinger ist 52 Jahre alt und stammt aus Tiengen, wo er mit seiner Familie bis heute lebt. Er war, von seinem Vater Werner mitgeprägt, 1978 mit 13 Jahren in die Junge Union eingetreten und 1984 in die CDU. Er studierte Politikwissenschaften und Geschichte an der Universität Konstanz und arbeitete später als Journalist für den SÜDKURIER sowie für den ehemaligen Sender RTL Radio Hochrhein in Waldshut. Seit 2004 ist er Bundesvorsitzender des Kolpingwerks Deutschland. 1998 wurde er für den Wahlkreis 288 (Waldshut-Tiengen und Breisgau-Hochschwarzwald) in den Deutschen Bundestag gewählt. Dieses Mandat hatte er bis 2017 inne, als er beschloss, nicht wieder zur Wahl anzutreten.
  • Höhepunkte: Zu den Höhepunkten seiner politischen Karriere zählt er seine Mitarbeit an der Verhinderung des Inkrafttretens des Fluglärmstaatsvertrags mit der Schweiz im Jahr 2012 sowie an der Verhinderung der Privatisierung der Deutschen Flugsicherung im Jahr 2006. Ebenfalls ein großer Erfolg für ihn ist der letzte Bundesverkehrswegeplan, der im Bereich Hochrhein wie vorgeschlagen übernommen wurde.
  • Zukunft: Dörflinger denkt noch lange nicht an eine Pensionierung und hat sich vor kurzem mit seiner eigenen Consulting-Firma im Bereich Demoskopie, Public Affairs und Publizistik selbstständig gemacht.

Gabriele Schmidt

  • Person:Gabriele Schmidt ist 61 Jahre alt und stammt aus Ühlingen-Birkendorf. Nach dem Abitur in Waldshut machte sie ab 1975 eine Ausbildung zur Industriekauffrau. 1974 war sie der CDU beigetreten. Schmidt ist seit 2008 Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands Ühlingen-Birkendorf und seit 2010 stellvertretende Kreisvorsitzende des CDU-Kreisverbands Waldshut sowie stellvertretende Bezirksvorsitzende der CDA (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft). Bei der Wahl 2013 kam sie über Platz 13 der CDU-Landesliste in den Deutschen Bundestag . Ab März 2017 war sie stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Arbeit und Soziales.
  • Höhepunkte: Zu den Höhepunkten zählt sie den Moment, als der damalige Bundestagspräsident Norbert Lammert zum ersten Mal ihren Namen als Mitglied des Bundestags aufrief, die Begegnungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Teilnahme an der Bundesversammlung zur Wahl von Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten. Ihre größten Erfolge erlebte sie während ihrer Mitarbeit bei der Mütterrente, dem Mindestlohn und am Bundesteilhabegesetz.
  • Zukunft: Gabriele Schmidt ist stark im Ehrenamt engagiert und setzt sich seit Langem für Inklusion, Integration und Frauen ein. Sie ist im Vorstand des Vereins Frauen- und Kinderschutzhaus Waldshut und engagiert sich bei der Stiftung Christlich-Soziale Politik.