Der Wald im südlichen Schwarzwald und in der Region Hotzenwald leidet wie in ganz Baden-Württemberg an den Folgen der Dürre vom vergangenen Jahr. Auch in diesem Jahr begünstigte die Witterung einen rasanten Anstieg der Schäden, verursacht durch Wassermangel und Käferbefall. Der Wald erscheint vielerorts schon im Sommer nicht mehr grün, sondern zeigt eine rasant zunehmende Mischung aus Rot und Grün.

Winzig: Nur wenige Millimeter groß sind die Borkenkäfer, die dem heimischen Wald derzeit in so großem Ausmaß zusetzten.
Winzig: Nur wenige Millimeter groß sind die Borkenkäfer, die dem heimischen Wald derzeit in so großem Ausmaß zusetzten. | Bild: Charlotte Fröse

„Wenn ich durch den Wald gehe, entdecke ich fast täglich neue Nester mit Bäumen, die bereits dürr sind“, berichtet Clemens Speicher, Waldbauer in Ibach und Kreisverbandsvorsitzender für den Bereich Säckingen beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV). Der Frust über die immer dramatischere Entwicklung in den Wäldern ist bei ihm, wie auch bei vielen weiteren Waldbesitzern, groß.

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Für Clemens Speicher und auch für Gerhard Hilpert, Forstunternehmer und Nebenerwerbslandwirt aus Görwihl-Hartschwand, ist klar: „Wir müssen etwas machen.“ Es brauche eine politische Stimme, betont Speicher. Um auf die prekäre Situation rund um den Wald aufmerksam zu machen, riefen sie Betroffene und Interessierte über den BLHV dazu auf, an der Wald-Demo in Stuttgart am Freitag, 6. September, teilzunehmen. Falls sich genügend Interessierte melden, wird eigens ein Bus nach Stuttgart fahren. Allerdings seien die bisherigen Anmeldungen sehr gering, berichtet Speicher.

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Er zeigte sich enttäuscht darüber, dass so wenige in der Region Interesse gezeigt hätten. Das sei beschämend, denn es seien nahezu alle Waldbesitzer von der Situation betroffen, sagte er. Allerdings bestehe auch die Möglichkeit, auf eigene Faust zur Demonstration zu kommen und daran teilzunehmen, um den Forderungen der Waldbesitzer nach mehr Unterstützung durch das Land Nachdruck zu verleihen.

Immer mehr Kahlflächen

Die Situation in den Wäldern lasse sehr stark befürchten, dass es durch Dürre und Borkenkäferbefall zu immer mehr großen Kahlflächen kommen wird, erklärt Speicher. Um dem Herr zu werden, brauche es politische Hilfe, betont er. Als besonders dringende Maßnahmen sieht er vor allem personelle und finanzielle Verstärkung sowie eine unbürokratischere Hilfe bei der Aufarbeitung der Schadhölzer durch das Land. Auch bei der Wiederaufforstung der Kahlflächen brauche es Hilfen. Dies betreffe sowohl die privaten wie auch die kommunalen Waldeigentümer. Clemens Speicher ist sich sicher: „Förderung und Unterstützung vom Land muss sein, sowohl für Aufarbeitung und Wiederbewaldung und es braucht mehr Fachpersonen. Ohne Hilfen werden wir es nicht schaffen.“

Schlimmer als bei „Lothar“

Schon jetzt übersteige der Schaden im Wald die Sturmschäden, die Orkan „Lothar“ im Jahr 1999 in der Region angerichtet hat, berichtet Speicher. Im vergangenen Jahr holte Speicher 150 Festmeter Holz aus seinem Wald. In diesem Jahr hat er bis jetzt bereits das Drei- bis Vierfache dieser Menge erreicht. Neben den Fichten, die vor allem vom Borkenkäfer befallen werden, leiden zunehmend auch Tannen und Laubbäume unter den witterungsbedingten Gegebenheiten. Vom Borkenkäfer befallene Bäume müssten zudem schnell aus dem Wald geholt werden, um eine weitere Vermehrung der Käfer zumindest einzudämmen.

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Erschwerend komme hinzu, dass auf dem Holzmarkt ein ungebremster Preisverfall stattfinde. Der Holzmarkt sei wegen der großen Hiebmengen gesättigt. Sägewerke seien voll ausgelastet und nähmen keine Aufträge mehr an. Von den Unmengen an Restholz, das meist noch in den Wäldern herumliege und allenfalls noch für Brennholz tauge, mag Speicher erst gar nicht anfangen, zu sprechen.

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Was passiert, wenn es im nächsten Jahr wieder einen trockenen Sommer gibt? Daran möchte Clemens Speicher jetzt erst gar nicht denken. Denn schon jetzt weiß er nicht, wohin mit dem ganzen Holz, zudem sei es schwierig, an geeignete Lagerplätze für das Holz zu kommen. Bei einem Waldgipfel, der am Montag, 2. September, in Stuttgart stattfand, wurden Notfallmaßnahmen besprochen.

Forstminister Peter Hauk (CDU) stellte dabei fest, dass zur Finanzierung des zusätzlichen Personalbedarfs, der neuen Fördermaßnahmen und Forschungsvorhaben im nächsten Doppelhaushalt jährlich 40 Millionen Euro benötigt werden. Er versicherte, dass die Betroffenen mit ihren Schäden nicht alleingelassen werden.