294 Landkreise gibt es in Deutschland. Darunter dürfte es nur wenige geben, in denen hohe und höchste Gäste, speziell aus der Politik, in so großer Zahl Erholung und Entspannung gesucht haben wie im Landkreis Waldshut. Vor allem der Raum St. Blasien/Dachsberg/Höchenschwand kann da mit Namen aufwarten, die bundes- und europaweit und sogar darüber hinaus bekannt sind. Der SÜDKURIER hat diese Besuche und Aufenthalte, sofern sie nicht ausdrücklich vollkommen privater Natur waren, begleitet und darüber berichtet.

Gustav Heinemann, Bundespräsident in den Jahren 1969 bis 1974, war gern gesehener Gast auf dem Dachsberg, ebenso ein enger Freund Heinemanns, der berühmte Theologe Helmut Gollwitzer.

Gustav Heinemann (Bundespräsident von 1969 bis 1974) hat den Dachsberg zu einem bevorzugten Urlaubsziel ausgewählt. Dort gibt es auch einen nach ihm benannten Wanderweg.
Gustav Heinemann (Bundespräsident von 1969 bis 1974) hat den Dachsberg zu einem bevorzugten Urlaubsziel ausgewählt. Dort gibt es auch einen nach ihm benannten Wanderweg. | Bild: Hennig/Kumm/Schulze

Heinemanns Amtskollege Heinrich Lübke war Gast in Häusern, genauso Bundeskanzler (1966 bis 1969) Kurt Georg Kiesinger. Er war ab 1969 Bundestagskandidat für den Wahlkreis Waldshut und kandidierte ab 1976, nach Verzicht, über die Landesliste.

Zahlreiche Politiker, darunter viele Bundespräsidenten, suchten im Landkreis Waldshut Erholung. Wie Heinrich Lübke (Bundespräsident von 1959 bis 1969), der in Häusern Urlaub machte.
Zahlreiche Politiker, darunter viele Bundespräsidenten, suchten im Landkreis Waldshut Erholung. Wie Heinrich Lübke (Bundespräsident von 1959 bis 1969), der in Häusern Urlaub machte. | Bild: Hennig/Kumm/Schulze

Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1984 bis 1994) war gern gesehener Gast im Bernauer Tal.

Richard von Weizsäcker (Bundespräsident 1984 bis 1994) suchte als Urlauber Entspannung im Bernauer Tal und war dort gern gesehener Gast.
Richard von Weizsäcker (Bundespräsident 1984 bis 1994) suchte als Urlauber Entspannung im Bernauer Tal und war dort gern gesehener Gast. | Bild: Maurizio Gambarini

Walter Scheel (Bundespräsident in den Jahren 1974 bis 1979) besuchte zuletzt im Herbst 2004 Höchenschwand, und dort, im „Dorf am Himmel“, war auch „Ben Wisch“, Staatsminister im Kanzleramt (1976 bis 1979), Dauergast.

Walter Scheel (Bundespräsident von 1974 bis 1979) besuchte zuletzt im Herbst 2014 das selbst ernannte Dorf am Himmel Höchenschwand, um dort Entspannung und Erholung zu suchen.
Walter Scheel (Bundespräsident von 1974 bis 1979) besuchte zuletzt im Herbst 2014 das selbst ernannte Dorf am Himmel Höchenschwand, um dort Entspannung und Erholung zu suchen. | Bild: Rolf Haid

Heiner Geißler, einstiger CDU-Generalsekretär und Bundesminister, baute im berühmten Jesuitenkolleg in St. Blasien sein Abitur und kehrte immer wieder gerne in das Ferienland St. Blasien zurück. Selbst Placido Domingo, um auch Namen außerhalb der Politik zu nennen, oder Anneliese Rothenberger trugen sich 2003 in Häusern im Goldenen Gästebuch ein. Und immer wieder gesehen ward (und ist) auch David Hasselhoff, Sänger und Schauspieler (unter anderem„Baywatch“), 1952 geborener US-Amerikaner.

Der doppelte Gottfried Mutter

Eine große Freude war es Ibachs ehemaligem Gemeindeoberhaupt, Gottfried Mutter (heute 92), einen weiteren erlesenen Gast aus dieser erlesenen Runde zu begrüßen: Karl Carstens (Bundespräsident in den Jahren 1979 bis 1984), der unter anderem 1982 im Oktober einen Wanderurlaub im nördlichen Kreis Waldshut verbrachte und der mit Freude einweihte, was ihm seine Gastgeber antrugen: Den „Karl-Carstens-Wanderweg“.

Karl Carstens (Bundespräsident 1979 bis 1984) weihte bei einem Wanderurlaub im Kreis den „Karl-Carstens-Wanderweg“ ein. Dort überraschte ihn der damalige Ibacher Bürgermeister Gottfried Mutter.
Karl Carstens (Bundespräsident 1979 bis 1984) weihte bei einem Wanderurlaub im Kreis den „Karl-Carstens-Wanderweg“ ein. Dort überraschte ihn der damalige Ibacher Bürgermeister Gottfried Mutter. | Bild: -

Die Wanderfreudigkeit des Politikers bot dann auch die Gelegenheit, den Bundespräsident zu überraschen und zu verblüffen. Gottfried Mutter verabschiedete den hohen Gast nach einem Besuch in der Gemeinde Ibach und einem feinen Essen im Gasthaus„Hirschen“ im Ortsteil Mutterslehen mit allen Ehren: einem Eintrag ins Goldene Buch, Wegzehrung in Form von Schwarzwälder Kirschwasser und Schwarzwälder Schinken für die weitere Wegstrecke und einem Tusch der Trachtenkapelle.

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Während Carl Carstens mit seiner Frau Veronika munteren Schrittes gen St. Blasien und wieder hinauf in Richtung Höchenschwand marschiert, setzte sich Gottfried Mutter ins Auto und fuhr knapp 15 Kilometer zu einem weiteren Etappenziel der Wanderer. Als der Bundespräsident schließlich die Gemeinde Häusern erreichte, musikalisch von der dortigen Trachtenkapelle und dem Beifall der Einwohnerinnen und Einwohner, wurde Karl Carstens wiederum von Gottfried als Bürgermeister empfangen.

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Wohl selten ist es vorgekommen, dass Karl Carstens sich derart überrascht zeigte: mit diesem Herrn Mutter hatte er es doch erst vor wenigen Stunden in Ibach zu tun gehabt? Des Rätsels Lösung, mit einem herzlichen, verschmitzten Lachen erläutert: Gottfried Mutter war zu dieser Zeit tatsächlich Bürgermeister beider selbstständiger Gemeinden. Wäre das Gemeindeoberhaupt freundlicherweise mit dem Bundespräsidenten von Ibach nach Häusern gewandert, hätte dieser schlitzohrige Coup wohl nicht gelandet werden können.