Ein Blick in die nahe Vergangenheit: Es ist Donnerstag, zwei Tage vor der Eröffnung des Grand Salons in der Bad Säckinger Villa Berberich. Im ersten Stock des Kunsthauses laufen die Vorbereitungen für die Vernissage auf Hochtouren. Viele Bilder hängen schon, Skulpturen stehen auf Podesten, einige Arbeiten werden noch erwartet. Es ist Anlieferungstag für Künstler von weit her, die ihre Werke mitbringen. In der Regel werden die zur Ausstellung eingereichten Arbeiten per Post und Paketdienst nach Wehr ins Atelier von Elena Romanzin transportiert, die zusammen mit ihrem Mann Frank von Düsterlho den Kunstsalon organisiert.

Gegen 17 Uhr hört man Schritte und Stimmen auf der Treppe der ehemaligen herrschaftlichen Fabrikantenvilla. Gabriele Esau kommt gerade aus Bremen an. Frühmorgens ist sie losgefahren, dieses Mal gut durchgekommen, ohne Schnee und Stau, und war sogar schon kurz im Hotel. Die Malerin bringt nicht nur zwei eigene Gemälde mit, sondern auch Werke befreundeter Künstler, die nicht persönlich anreisen können. Die gut verpackten Kunstwerke werden von der Kuratorin Elena Romanzin mit großer Spannung und Vorfreude entgegengenommen, vom Packpapier befreit und anerkennend betrachtet – besonders das suggestive Indianerporträt, eine Kohlezeichnung von Stefan Wepfer. Bewunderung findet auch gleich das surreale Figurenbild von Gabriele Esau.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Besucher an ihre "Gottesanbeterin" mit Ohrring beim Salon vom vergangenen Jahr. Dieses Mal ist die Malerin wieder mit einem verfremdeten Tiermotiv vertreten, dem Porträt eines Mädchens auf einem Stuhl mit Schleifchen im Haar, gemalt im Kunststil des 19. Jahrhunderts. Das Kind trägt eine Raupe vom großen Gabelschwanz liebevoll im Arm, als wäre es eine Katze, ein kleiner Hund oder eine Puppe. Damit steht fest: Dieses Gemälde kommt in die surrealistische Abteilung.

Für die Kunstrichtung "Surrealismus" ist einer der Ausstellungsräume vorgesehen. "Die sieben Räume sind die sieben Genres, die wir machen wollen", erklärt Frank von Düsterlho, der sich um die Planung und Durchführung des Salons kümmert. Aus den anderen, noch ungeöffneten Kartons, kommen Bildwerke von Ute Meyer-Kolditz und Hans Meyerholz, dem ältesten Künstler, zum Vorschein. Staunen erregt ein fantastisches Werk von Gerd Lieder, einem Hyperrealisten, der viel in Amerika ausstellt und mit Metallspiegelung arbeitet, das Elena Romanzin gleich an seinen dafür vorgesehenen Platz trägt. Der Titel verrät, dass es sich bei diesem figürlichen Bild mit reflektierendem Körper als Projektionsfläche um "Miss World" handelt. Die Kuratorin weiß genau, wo die nachgereichten Arbeiten hängen werden. Sie kennt jeden Quadratzentimeter des Ausstellungshauses auswendig, hat die Räume minuziös konzipiert und gestaltet.

Bereits zum vierten Mal findet der Grand Salon nun in seiner jetzigen, jurierten und kuratierten Form statt. Inspiriert ist er von der Tradition historischer französischer Salons, die Ludwig XIV. begründet hat. Der Sonnenkönig hat als Erster Künstler und Publikum zusammengeführt; davor gab es nur Auftragsarbeiten für Maler und Bildhauer. Dass es in Bad Säckingen eine solche überblicksartige Sammelausstellung mit Stationen und Positionen der Moderne gibt, dafür waren die lichten und hohen Räume der Villa Berberich ausschlaggebend.

"Wir wollten kein Turnhallenflair wie in Frankreich", erklärt Düsterlho, "das ist nicht der Charme, den wir möchten." Romanzin ergänzt, dass sie bei der Stadt Bad Säckingen und der Kulturreferentin viel Wertschätzung und positives Feedback für dieses Projekt erfahren habe. Beide Seiten profitieren davon: Die Initiatoren können die traditionelle Salon-Idee beleben und in die heutige Zeit fortschreiben, die Stadt bekommt das Renommee einer herausragenden, international besetzten Kunstausstellung und stellt dafür 1000 Euro für die Publikumspreise und Sachpreise in den verschiedenen Kategorien zur Verfügung.

Auch die Künstler der Region haben Vorteile von dieser Verkaufsausstellung. Einige nehmen bereits zum wiederholten Mal daran teil; so stammen 17 der 70 beteiligten Künstler aus den Landkreisen Lörrach und Waldshut. Die Besucherresonanz hat sich bis zur vierten Auflage des Salons sukzessive gesteigert. Mit 1900 Kunstinteressierten, die voriges Jahr die fünfwöchige Ausstellung besuchten, wurde ein breiteres Publikum erreicht und angeregt. Die Kunstfreunde schätzen den Geist des Grand Salons, der wieder lebendig ist.

Wenn es auch zwei Tage vor der Vernissage noch ein paar Lücken an den Wänden gibt, wirken die Kuratorin und der Organisator, die mit viel Idealismus zu Werke gehen, ganz entspannt. Kein Wunder, die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Koordination hat wie am Schnürchen geklappt, alles ist im grünen Bereich. Frank von Düsterlho, der schon mit insgesamt 300 Künstlern diese Salons realisiert hat, kann sich nach dem logistischen Kraftakt erst einmal zurücklehnen. Hat er doch für die Künstler beizeiten die Hotelzimmer reserviert und ist darum besorgt, dass sie eine schöne Zeit am Hochrhein verbringen können und eine gute Erinnerung an den Grand Salon haben.

Bei dieser traditionellen Form von Kunstausstellung geht es weniger um aktuelle Trends und Tendenzen als um Inhalte, die man sonst bei zeitgenössischer Kunst vermisst. Das Niveau ist hoch, schließlich wird auf künstlerische und handwerkliche Qualität geachtet. "Wir haben Künstler, auf die wir stolz sind", sagt Düsterlho, der in seiner Datenbank mehr als 1000 Namen speichert und gut vernetzt ist. Sein Anspruch ist es, immer etwas Neues zu bringen, es noch besser zu machen, professioneller zu werden und sich qualitativ zu steigern. Wie beim diesjährigen Salon, wo "mehr Leichtigkeit reingebracht wurde" und es gerade bei den Surrealisten "weniger gedrängt" wirkt.

Der Auslöser für die Einrichtung eines Grand Salons war, dass es am Hochrhein zu wenige Plattformen gab, bei denen man professionelle Künstler im figurativen Bereich sehen konnte und ganze Genres wie "Stillleben" fehlten. Für die Malerin Elena Romanzin, die sich der Tradition und der Kunstgeschichte verpflichtet sieht, war die Grundmotivation, dass wenige Leute die Themenbereiche Symbolismus und Surrealismus kennen oder nicht wissen, wie viel Handwerk dahinter steckt.

Bei Licht besehen ist der Salon, der im Kulturleben der Stadt Bad Säckingen mittlerweile einen hohen Stellenwert hat, eine Reise durch die historische Kunstentwicklung und erlaubt dem Publikum, durch Landschaften, Porträts, Genremalerei und Stillleben zu wandeln, in die spannenden Welten von Symbolismus und Surrealismus einzutauchen und sich mit der Abstraktion auseinanderzusetzen. Die Kategorien decken das gesamte Spektrum der klassischen Kunst ab.

Inzwischen ist es früher Abend, der Aufbau der Ausstellung ist weitgehend beendet, da trifft die "österreichische Fraktion" ein. Der Symbolist Jürgen Grazzi ist 800 Kilometer aus St. Pölten angereist, genauso viel wie seine Bremer Kollegin, und bringt Stillleben von Christine Hirschberg und Abstraktes von Gertrude Kiefer mit.

Am Freitag erschienen Martin Oscity aus München, ein Vertreter des Symbolismus, der sein „Labyrinth der Sehnsucht“ im Gepäck hatte, und der Surrealist Otto Rapp aus Wien, dessen Bild vier Tage bei Heilbronn in der Post hängengeblieben ist, aber rechtzeitig zur Vernissage ankam. Untergebracht ist Rapp bei einem Freund in Küssaberg. Claudia Kaak aus der Pfalz, von der im ersten Raum eine eindrückliche Genreszene hängt, wohnt bei dem Steinmetz und Skulpteur Sebastian Bartl in Wutöschingen.

Einen Tag später, dem Vernissagetag, reisten der Surrealist Angerer der Ältere aus Bayern und der mehrfache Preisträger Patrick Gall mit einem großen altmeisterlichen Stillleben aus dem Elsass an, das wie manch anderes Werk preisverdächtig ist. Noch pünktlich aus Malta eingetroffen ist das Stillleben „Auberginen“ von Charlotte von Elm, das lange unterwegs war, während ihr Puppenporträt „Hermann“ bei der Eröffnung der Ausstellung noch nicht da war. So oder so ist die Schau sehenswert.

Grand Salon in der Villa Berberich

  • Die Teilnehmer: 70 Künstler, 59 Maler und elf Bildhauer, aus neun Nationen zeigen bis 18. Februar beim Grand Salon in der Bad Säckinger Villa Berberich 99 Werke, darunter 81 Gemälde und 18 Skulpturen. 41 Teilnehmer sind erstmals dabei. Unter den 36 Künstlerinnen und 34 Künstlern sind 17 aus der Region. Aus dem Landkreis Waldshut kommen Elena Romanzin (Wehr), Ralf Stephan Rosa (Grafenhausen), Sebastian Bartl (Wutöschingen-Schwerzen), Mechthild Ehmann und Conrad Schierenberg (Dachsberg), Christel Andrea Steier (Bernau) und Roland Köpfer (Laufenburg).
  • Das Rahmenprogramm: 20. Januar, 15 Uhr Ausstellungsführung durch die Kuratorin Elena Romanzin; 20 Uhr Konzert "Traumwelten" mit Anselm König (Gitarre, Gesang) und Beat Riggenbach (Saxophon). 4. Februar, 11 Uhr Matinee "Paris, Rom, Berlin"- Chanson goes Gypsy mit Christine Schmid (Akkordeon) und Gaetano Siino (Gitarre). 17. Februar, 15 Uhr, Kuratorenführung mit Vorstellung der Publikumspreisgewinner. 18. Februar, 15 Uhr, Finissage und Publikumspreisverleihung.
  • Die Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag, Samstag, Sonntag, 14 bis 17 Uhr. Eintritt 2 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Informationen im Internet (www.grand-salon.de).