Beim Thema Barockmaler denken viele Menschen an bekannte Maler aus dem Bayerischen, etwa um Augsburg herum, doch auch in unserer Region gibt es in der Geschichte Barockmaler. Einer davon ist Joseph Hartmann. Beim Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein informierte Vorsitzender Günter Hoffmann über diesen, in unserer Gegend praktisch unbekannten Barockmaler. Dass dieser Barockmaler sogar in Tiengen geboren wurde, fand Hoffmann heraus.

Joseph Hartmann wurde am 17. März 1721 als Sohn des Tiengener Stadtbaumeisters Johannes Hartmann und dessen zweiter Ehefrau Maria Agnes Zwetschmann geboren. Es ist anzunehmen, dass der junge Joseph in einer gutbürgerlichen Familie aufwuchs und als Vierzehnjähriger, wie es damals üblich war, eine vierjährige Lehrzeit als Maler und Freskant begann. Interessant ist, dass gerade zu dieser Zeit in unserer Region zwei Konstanzer Maler, Franz Josef Spiegler (1691 bis 1756) und Jacob Stauder (1694 bis 1750), einige Werke schufen. Es ist also gut möglich, dass der Vater Johannes als Stadtbaumeister die beiden Maler kennen gelernt hat und einem von ihnen seinen Sohn in die Lehre gegeben hat.

Aus Joseph Hartmann wurde jedenfalls ein Barockmaler. Urkundliche Spuren gibt es erst wieder im Jahr 1741, als er im Alter von 20 Jahren die Wittwe des Malers Johann Michael Moy heiratete und damit das Meisterrecht und eine Werkstatt in Augsburg erhielt. Die Festschrift „200 Jahre Barockkirche Tiengen" aus dem Jahr 1966 hat festgehalten, dass die Bilder des Altars vom Konstanzer Maler Hartmann gemalt worden waren. Sicher war zu dem Zeitpunkt nicht bekannt, dass eben dieser Hartmann aus Tiengen stammte.

Bekannt ist Hartmann auch als Schöpfer von Werlen in Kirchen des Pfarrverbunds Burgheim in Dezenacker, Straß und Längloh. In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Tiengen befinden sich neben dem Hochaltar sechs Seitenaltäre, von denen vier von Joseph Hartmann mit sakralen Altarblättern ausgestattet wurden und die aus der mittleren Schaffensperiode des Malers aus dem Jahr 1758 stammen. Dies ist zum einen der Sebastians-Altar, der den Heiligen in einem Stadium seines Martyriums zeigt.

Der zweite Altar ist der Josefs-Altar, der in der Bildmitte im Vordergrund vom hochaufragenden bärtigen Heiligen Joseph mit dem Jesuskind zeigt. Die beiden anderen Altäre sind der Anna-Altar aus dem Jahr 1775 und der Altar der heiligen Agatha, die, von Engeln und Putten umrahmt, auf einer Wolke schwebt. Vorsitzender Günter Hoffmann schloss seinen Vortrag mit den Worten: „Ich hoffe, ich konnte Ihnen das Leben und Werk des Tiengener Bürgersohnes etwas näherbringen und denke, dass Sie bei Ihrem nächsten Besuch der Kirche die Altargemälde mit anderen Augen betrachten werden.“