Kreis Waldshut Das kostet die Kultur am Hochrhein und so wird sie finanziert

Heimatcheck, Teil eins: Geld spielt im Kulturbetrieb eine wichtige Rolle – auch am Hochrhein. Während für manche Projekte große Sponsoren unabdingbar sind, können sich andere Einrichtungen über kommunale Zuschüsse freuen. Die Kulturamtsleiter von Wehr (Reinhard Valenta) und des Landkreises Waldshut (Jürgen Glocker) sowie der Intendant des Gloria-Theaters geben einen Einblick in die finanzielle Seite der Kultur.

Ohne Geld funktioniert in dieser Welt nichts. Es regelt den Erwerb von Konsumgütern, entlohnt Arbeitskräfte und ist aus dem alltäglichen Leben nicht wegzudenken. Auch in der Kultur spielen Münzen und Scheine eine Rolle, denn auch Künstler wollen bezahlt und große Theaterhäuser unterhalten werden. Die hehre Kunst und der schnöde Mammon – ein Spannungsfeld, das den Kulturbetrieb seit jeher umtreibt.

Die Musical-Produktion „Happy Landing“ des Gloria-Theaters in Bad Säckingen kostet laut dem Intendanten Jochen Frank Schmidt über eine Million Euro. Doch wie kann das kleine Theater diese Kosten decken? „Im Grunde ist es ganz einfach“, erklärt Schmidt. „Die Leute kaufen Tickets und finanzieren damit das Theater.“ Hinzu kommen Sponsoren. Der Intendant unterteilt diese in vier Hauptsponsoren, die das Theater schon seit seiner Gründung begleiten, und projektbezogene Sponsoren. Alle Geldgeber stammen aus der Wirtschaft: Autohäuser, Kreditinstitute und Medienhäuser. Schmidt erklärt, dass es sich hierbei keinesfalls um Spenden handelt: „Eine Spende würde keine Gegenleistung erfordern, Sponsoring zielt allerdings genau auf eine solche Leistung ab.“ Das Unternehmen könne so nicht nur sein Image verbessern, sondern auch materielle Leistungen erwarten. Die Sponsoren bekommen zum Beispiel „exklusive Kartenkontingente, die sie an ihre Kunden verkaufen können“. Die Produktion und deren Inhalte beeinflussen diese aber nicht.

Städtische Subventionen spielen für den Intendanten Jochen Frank Schmidt und das Gloria-Theater dagegen eine untergeordnete Rolle. Von der Stadt Bad Säckingen bekommen sie einen Energiekostenzuschlag in Höhe von 24 000 Euro pro Jahr. „Gegenüber den Produktionskosten von Happy Landing ist das ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint Schmidt. In drei Jahren müsse der Intendant wieder vor den Gemeinderat treten, um Subventionen für sein Theater zu beantragen. Aktuell möchte Schmidt das jedoch nicht: „Die Sitzungen, in denen wir das durchgekämpft haben, waren so hässlich, dass wir beschlossen haben, lieber darauf zu verzichten.“ Zudem hat Schmidt eine kritische Haltung gegenüber den städtischen Geldern. „Manchmal rege ich mich über die subventionierten Häuser auf. Denn wenn ich hier etwas produziere, das schlecht ist, dann spricht sich das herum. Dann bleiben die Ränge leer, ich verkaufe nichts.“ Ein subventioniertes Haus könne dagegen problemlos vor leeren Zuschauersälen spielen. So gehe der Kontakt zum Publikum allerdings verloren. Aus diesem Grund plädiert der studierte Kaufmann für mehr Wirtschaftlichkeit: „Sogar Mozart hat Stücke geschrieben, um Geld zu verdienen.“

Kultur als Salz in der Wunde

Für Reinhard Valenta, Kulturamtsleiter der Stadt Wehr, ist diese Darstellung der deutschen Kulturgeschichte zwar richtig, doch er hat dem noch etwas hinzuzufügen: „Die aufwendigen Inszenierungen wurden damals von reichen Höfen übernommen.“ Valenta ist nun schon seit 1990 Kulturreferent der Stadt Wehr. Das Kulturamt plant unter seiner Leitung die kulturellen Programme und stellt diese dem Gemeinderat vor. 55 000 Euro bekommt das Kulturamt in diesem Jahr zugesichert. „Das reicht uns, selten müssen wir diesen Etat überziehen.“ Zum Glück. Denn um die privaten Gelder ist es in Wehr weniger gut bestellt: „Weil wir hier nicht so viele Firmen haben, ist der Kuchen schnell aufgegessen. Deswegen haben die örtlichen Vereine bei Sponsoren Vorfahrt.“

Von Sponsoring alleine könne die Kultur in Wehr nicht leben. Deshalb sieht Valenta eine wichtige Funktion in den städtischen Zuschüssen: „Subventionen sind für Produktionen außerhalb des Mainstreams gedacht. Für Programme, die provozieren und nicht jedem gefallen. Denn Kultur kann auch der Sauerteig der Gesellschaft, das Salz in der Wunde sein.“ Nur durch die Subventionen gebe es in Deutschland so erstklassige Stadttheater, die sich alleine durch Ticketverkäufe niemals selbst finanzieren könnten. Den Grund dafür sieht Valenta im Aufwand, der bei der Inszenierung anspruchsvoller Stücke betrieben wird. Er übersteige die Einnahmen bei Weitem. „Ohne Subventionierungen können wir Beethoven, Bach und Mozart gleich verbrennen.“

Wie ein modernes Crowdfunding

Auch Jürgen Glocker, Kulturreferent des Landkreises Waldshut, sieht Subventionen eher als Chance und nicht als Grund für Künstler, sich auszuruhen. Er vergleicht die Zuschüsse mit dem modernen Crowd-Funding, womit im Internet schon seit Jahren Privatpersonen und Firmen erfolgreich Projekte finanzieren. Die staatlichen Gebühren kommen der Kultur und somit wieder dem Bürger zugute, so Glocker. Das Kulturamt in Waldshut kümmert sich auch um kulturelle Einrichtungen im Landkreis: Für das Kulturzentrum Schloss Bonndorf steht ein Etat von 40 000 Euro zur Verfügung, die gleiche Summe wurde für kreiseigene Konzerte verfügbar gemacht.

Zudem betreibt das Kulturamt des Landkreises Waldshut intensive Sponsoringarbeit: „Schauen Sie hier!“ Jürgen Glocker deutet auf eine Broschüre von Schloss Bonndorf. Die Liste der Sponsoren füllt fünf ganze Seiten. „Ohne diese Mittel würde das Schloss Bonndorf massiv an Qualität einbüßen“, erklärt der Kulturreferent. Die drei Sparten Ausstellungen, Konzerte und Literatur könnten dann nicht mehr auf hohem Niveau betrieben werden. Grundvoraussetzungen für alle Sponsoren ist jedoch auch hier, dass die Geldgeber keinen Einfluss auf die Inhalte haben dürfen. Jürgen Glocker bietet den Sponsoren dafür etwa exklusive Führungen hinter den Bühnen an.

Wie die Kultur zu ihrem Geld kommt

  • Förderung: Der in Deutschland stark ausgeprägte Föderalismus spiegelt sich in der Kulturförderung wider: Sie ist in kommunale, regionale sowie Landes- und Bundesebene aufgeteilt. Während Land und Gemeinden sich um die regionale Kulturpflege kümmern, unterhält der Bund kulturelle Einrichtungen, die auch von nationaler Bedeutung sind. Festgelegt wird dies auch durch die Verfassungen der einzelnen Länder und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings sehen die Gesetze keine Pflicht zur Kulturförderung vor, hierbei handelt es sich aus juristischer Sicht um freiwillige Ausgaben.
  • Finanzierung: Die Finanzierung des Kulturbetriebs setzt sich dabei aus vier unterschiedlichen Bereichen zusammen: Den Erlösen durch Ticketverkäufe, den Subventionen von Stadt und Land, den Einnahmen durch Stiftungen oder Fördervereine und den Geldern von Sponsoren aus dem privaten Wirtschaftssektor.
  • Zustimmung: Auf kommunaler Ebene bringt der zuständige Kulturreferent der Stadt sein Veranstaltungsprogramm in den Gemeinderat mit einer Kostenaufstellung ein. In der Gemeinderatssitzung wird über dieses Programm beraten und ein Beschluss gefasst. (kip)

Die Serie

  • Was hat unsere Region zu bieten? Wie steht es um Kultur, Nahversorgung, Sport und Medizin? Der SÜDKURIER-Heimatcheck beleuchtet rund um diese Themen Probleme und Herausforderungen und bietet vier Wochen lang detaillierte Serviceelemente.

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