16 Betten des Altenpflegeheims St. Laurentius stehen derzeit leer. Das liegt keineswegs an mangelnder Nachfrage, sondern vielmehr daran, dass der Pflegenotstand erkennbar auch im Schwarzwald angekommen ist – und das nicht erst seit gestern. Ob Altenpflegeheime oder Krankenhäuser – etliche Einrichtungen können derzeit ihre Bettenkapazitäten infolge fehlender Fachkräfte nicht ausschöpfen. Philippinische Pflegekräfte tragen nun zur Lösung des Problems bei.

Weniger Pflegeplätze

Es sei ein schleichender Prozess gewesen, dass die Kapazität des St. Laurentiusheimes im Verlauf dieses Jahres von 96 auf nunmehr 80 Pflegeplätze reduziert werden musste, informiert Heimleiterin Gabriele Scheuble auf Nachfrage unserer Zeitung. „Vor allem Schwangerschaften und Knie-Operationen führten zu diesem Engpass. Unser Ziel ist es jedoch, 2019 wieder 96 Plätze anbieten zu können“, erklärt dazu Bürgermeister Michael Scharf, der auch Vorsitzender des Stiftungsrats des Altenpflegeheims ist. Da man den gesetzlich vorgegebenen Personalschlüssel an Fachkräften einhalte, könnten momentan nicht alle Betten belegt werden. „Den Frust darüber bekomme ich live mit, die Leute beschweren sich natürlich“, sagt der Bürgermeister und verweist darauf, dass die Situation überall ähnlich sei.

Bedarf ist hoch

Anfragen Pflegebedürftiger aus Bonndorf sowie den weiteren Stiftungsgemeinden müssen leider abgelehnt werden, Betroffene müssen in Pflegeheime umliegender Gemeinden ausweichen. Andererseits kommen im Laurentiusheim Anfragen aus einem weiten Umkreis, sogar bis aus Lörrach. Nicht selten suchen Angehörige unter hohem Zeitdruck einen Kurzzeitpflegeplatz, wenn beispielsweise Krankenhäuser ihre Patienten entlassen, obschon diese nicht in der Lage sind, in ihr häusliches Umfeld zurück zu kehren. „Diese sogenannten ‚blutigen Entlassungen‘ verstärken den Druck auf Pflegeheime und Sozialstationen“, konstatiert Scharf. In der engen Zusammenarbeit zwischen Pflegeheim und Sozialstation sieht er einen großen Vorteil, insbesondere, wenn es um die Überbrückung kurzfristiger Engpässe gehe.

Handlungsbedarf

Im Laurentiusheim treffen täglich drei bis vier Anfragen ein. „Es tut weh, wenn man ständig ablehnen muss“, sagt Gabriele Scheuble. Die Heimleiterin sieht im Zusammenhang mit dem Pflegenotstand vor allem ein Versagen der Politik, denn Handlungsbedarf bestehe bereits seit 15 Jahren. Zuweilen würden auch die Betroffenen selbst der Dringlichkeit einer stationären Pflege zu lange nicht ins Auge sehen wollen und dadurch einen unnötigen Handlungsdruck verursachen. Michael Scharf zeigt sich
zuversichtlich, dass die Situation sich im Verlauf des kommenden Jahres wieder entspannt. Mitarbeiterinnen, die derzeit aus familiären oder gesundheitlichen Gründen fehlen, kehren dann zurück.

Projekt „Triple Win“

Außerdem nutze die Heimleitung im Schulterschluss mit dem Caritasverband Hochrhein das von der Bundesagentur für Arbeit initiierte Projekt „Triple Win“. Seit etwas mehr als einer Woche wirken drei Pflegefachkräfte aus den Philippinen in der Altenpflege des St. Laurentius mit. Die beiden Frauen und ihr Kollege sind ausgebildete Krankenpfleger. In ihrer Heimat mussten sie einen deutschen Sprachkurs absolvieren, ehe sie ein Arbeitsvisum für Deutschland erhielten. Hier werden sie nun soweit nachgeschult, bis die zuständige Behörde sie als Fachkräfte anerkennt. Untergebracht sind die drei neuen Mitarbeiter im ehemaligen Forsthaus, wo die WG der unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber vor kurzem aufgelöst wurde.

Fachkräfte von den Philippinen

„Die ausländischen Pflegekräfte kommen ausschließlich aus Ländern, in denen eine Überkapazität in Pflegeberufen herrscht, wir nehmen also niemandem etwas weg“, betont Scharf. Dass die städtische Integrationsbeauftragte Silvia Maier den drei Neubürgern beim Start hilft, freue ihn ebenso wie private Anstrengungen, die den drei jungen Philippinen ihre Eingewöhnung erleichtern. Schon nach wenigen Tagen der Mitarbeit im Laurentiusheim habe sich gezeigt, dass sie gut ins Team passen, freut sich Gabriele Scheuble.

Blick in die Zukunft

Die Zukunft des Hauses sieht sie zuversichtlich, zumal dort momentan fünf Altenpflegerinnen und -pfleger in Ausbildung sind. „So schlecht, wie es immer dargestellt wird, sind die Bezahlung und Arbeitsbedingungen in diesem Beruf in Baden-Württemberg nicht. Ein frisch ausgebildeter Altenpfleger startet mit einem Bruttomonatslohn von 2780 Euro. Das sind 800 Euro mehr, als in manchen anderen Bundesländern bezahlt werden. Obendrauf kommt noch Weihnachtsgeld“, erklärt die Leiterin des St. Laurentiusheims in Bonndorf.