Fasnachtssprüche sind für jeden Narren ein wichtiges Kommunikationsmittel in der Fasnacht. Sie dienen der Kontaktaufnahme mit Narrenfreunden, dem Glossieren und Kindern helfen sie beim Betteln nach Süßigkeiten. „Die Sprüche werden benutzt, um die Narrenfreiheit auch verbal auszuleben“, erklärt Roland Wehrle, Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Schon immer durften Narren in der Fasnacht Sachen aussprechen, die sonst strikt verboten waren. Das bereitete große Freude und die Fasnachtsprüche wurden zu einem festen Bestandteil der Fasnacht.

In fast jedem Ort verwenden die Narren zur Fasnacht verschiedene Fasnachtssprüche. Große regionale Unterschiede gibt es laut Wehrle aber nicht: „Zur Fasnachtszeit wurde schon immer gewandert und so wurden auch die Sprüche zwischen den Narrenfreunden weiter erzählt. Durch die verschiedenen Dialekte werden die jeweiligen Sprüche teilweise unterschiedlich ausgesprochen, aber große regionale Unterschiede existieren nicht.“

Ist man nicht in der Fasnacht beheimatet, können sich die derben Sprüche beleidigend anhören. Doch laut Wehrle solle niemand durch Fasnachtsprüche beleidigt werden. Ganz im Gegenteil: „Ein Fasnachtsspruch ist als Gruß gemeint und wird von demjenigen, an den er gerichtet ist, auch als solcher verstanden. Es handelt sich um nette Dialoge, die meistens eher liebevoll gedacht sind.“ Auch Schimpfwörter aus dem alltäglichen Sprachgebrauch würden nicht als Beleidigung angesehen.

Während der Fasnacht soll miteinander gelacht und persönliche Eigenschaften parodiert werden. Niemand soll durch derbe Sprüche herabgewürdigt werden: „Natürlich wünscht man keinem Menschen wirklich das, was in den derben Sprüchen aufgesagt wird. Diejenigen, die das nicht mögen, sollen einfach wegbleiben“, erläutert Roland Wehrle. Trotzdem gäbe es auch während der Fasnacht gewisse Grenzen: „Witze über Menschen mit Krankheiten oder körperlichen Einschränkungen sind absolut tabu“, betont der VSAN-Präsident