Während wärmeliebende Baumarten wie die Eiche noch immer saftig grünes Blattwerk tragen, haben die Fichten enorm mit der langen Trockenheit zu kämpfen. Ohnehin geschwächt durch den überdurchschnittlich hohen Zapfenbehang, rücken – besonders in tiefen Lagen – nun die Borkenkäfer den Fichten zu Leibe. Betroffen sind auch viele Bereiche im östlichen Landkreis.

Drei Generationen Käfer in einem Jahr

Wenn landläufig vom Borkenkäfer die Rede ist, handelt es sich in der Regel um den Buchdrucker (Ips typographus), dessen Weibchen die Eier unter der Rinde der befallenen Bäume ablegt, wo sich die Brut innerhalb weniger Wochen entwickelt. Bei optimalem Witterungsverlauf ist der Buchdrucker in der Lage, während eines Jahres drei Generationen zu entwickeln, was bedeutet, dass ein Weibchen theoretisch bis zu 30 000 Nachkommen in einem Jahr hervorbringen kann.

Bild: Reinhardt, Lukas

Wenn es nun zu einer Massenvermehrung der Käfer durch Trockenheit und Hitze kommt – die Brut des Buchdruckers kann sich ab einer Temperatur von 12 bis 15 Grad Celsius entwickeln – können die Fichten die Angriffe der Insekten nicht mehr abwehren. Normalerweise wehren sich die Fichten durch ihr Harz, nicht aber, wenn es zu trocken und zu heiß dafür ist.

Saubere Waldwirtschaft

Die beste Methode, dem Buchdrucker Einhalt zu gebieten, ist eine saubere Waldwirtschaft, also das Ausräumen von befallstauglichem oder bereits befallenem Material und die rasche Entnahme der befallenen Bäume, noch bevor die Jungkäfer ausfliegen. Es ist also Eile geboten.

Die wochenlange Hitze und Trockenheit hat den Fichten in den Tieflagen zugesetzt und für den Borkenkäfer optimale Bedingungen geschaffen.
Die wochenlange Hitze und Trockenheit hat den Fichten in den Tieflagen zugesetzt und für den Borkenkäfer optimale Bedingungen geschaffen. | Bild: Ralf Göhrig

Viele kleine Waldgrundstücke

Gegenwärtig sind die Förster des Kreisforstamts dabei, in Staats-, Gemeinde- und Privatwäldern nach befallenen Bäumen zu suchen und diese aufzuarbeiten. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf den Privatwald gelegt, da in den kleinstrukturierten Grundstücksverhältnissen (Realteilungsgebiet) des Landkreises etliche Privatwaldbesitzer gar nicht wissen, wo genau sich ihr Wald befindet. Hinzu kommen viele auswärtige Waldbesitzer, die keine Möglichkeiten der regelmäßigen Kontrolle ihrer Wälder haben.

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Mit Fichten wurde vor 200 Jahren aufgeforstet

Warum gibt es überhaupt so viele Fichten in Deutschland, wenn sie derart stark vom Borkenkäfer bedroht sind? Dies liegt daran, dass vor 200 Jahren, durch den riesigen Bedarf an Holz, insbesondere für die Industrie, die Wälder kahl geschlagen waren. Es ist ein Verdienst der Forstleute des 19. Jahrhunderts, den Wald wieder aufzuforsten. Hierzu eignete sich die Fichte, eine Baumart aus dem alpinen und borealen Raum, vorzüglich, da sie als Bauholz hervorragende Eigenschaften hat, schnell wächst und sich durch einen hohen Ertrag auszeichnet.

Der Baum ist auf dem Rückzug

Durch den Ausbruch des Vulkans Tambora 1815, der eine Sprengkraft von etwa 170 000 Hiroshimabomben aufwies, erfuhr das weltweite Klima eine deutliche Abkühlung, was sich auf die Fichte positiv auswirkte. Die aktuelle Klimaerwärmung hingegen bedeutet das allmähliche Verschwinden der Fichte in Tieflagen.