In Deutschland rauchen laut bundesweiter Studie des Instituts für Therapieforschung (IfT) rund 29 Prozent der Erwachsenen, das sind etwa 20 Millionen Menschen. Die meisten Raucher versuchen früher oder später, ein- oder mehrmals mit dem Rauchen aufzuhören. „Früher war es ein Albtraum, nicht mehr rauchen zu können, heute ist der Albtraum du rauchst wieder“, sagt Helmut Ostertag (65) aus Tiengen. 2016 hat Helmut Ostertag an einem Nichtraucherkurs der Fachstelle Sucht in Waldshut teilgenommen, seitdem lässt er die Finger von Zigaretten. Was sich seitdem verändert hat? „Ich fahre viel Rad, gehe nach draußen, atme freier. Und beim Singen im Chor hält mein Atem länger, das tut gut“, sagt Helmut Ostertag.

Die Sehnsucht bleibt

Zwar gebe es auch heute in manchen Momenten noch die Sehnsucht nach einer Zigarette, aber Helmut Ostertag hat für sich erkannt: „Entscheidest du eigentlich selbst oder entscheiden die Inhaltsstoffe im Tabak für dich?“ Wo früher ein Rauchen-Müssen gewesen ist, sei heute „die Freude darüber, nicht mehr rauchen zu müssen“. Was der Grund für seinen Rauchstopp war? „Ich bin vor zwei Jahren in den Ruhestand gegangen und habe mir gedacht, wenn du jetzt noch mehr Zeit hast, dann rauchst du ja noch mehr.“ Seine erste Zigarette hat Helmut Ostertag mit 17 Jahren geraucht: „Weil alle geraucht haben.“ Bis zu seiner Tabakentwöhnung vor zwei Jahren waren es zwischen zehn und 40 selbstgedrehte Zigaretten am Tag.

Helmut Ostertag aus Tiengen ist seit zwei Jahren Nichtaucher. Geholfen haben ihm der Nichtraucherkurs der Fachstelle Sucht in Waldshut und das Ersetzen des Zigarettenrituals durch zum Beispiel Bonbons.
Helmut Ostertag aus Tiengen ist seit zwei Jahren Nichtaucher. Geholfen haben ihm der Nichtraucherkurs der Fachstelle Sucht in Waldshut und das Ersetzen des Zigarettenrituals durch zum Beispiel Bonbons. | Bild: privat/Ostertag

Bonbons helfen, Rituale zu durchbrechen

Dieses Ritual musste zunächst durch ein neues ersetzt werden. Geholfen hätten ihm in der Anfangszeit Bonbons, Nikotinpflaster und Nikotinkaugummis, die er dann langsam durch normale Kaugummis ersetzt habe. Aber auch der Nichtraucherkurs der Fachstelle Sucht Waldshut habe ihm geholfen, den Rauchstopp durchzuziehen. Das ging in der ersten Zeit nicht ohne konsequente Maßnahmen: „Aschenbecher weg, Feuerzeuge weg. Einmal wollte ich eine Kerze anzünden und hatte kein Feuerzeug mehr im Haus“, erzählt Helmut Ostertag. Das sei heute zwar kein Problem mehr, dafür hat sich etwas anders verändert: „Mittlerweile kann ich Zigarettenrauch nicht einmal mehr riechen.“

„Es geht nur mit totalem Verzicht“

Die Unterstützung des Nichtraucherkurses der Fachstelle Sucht in Waldshut hat auch Siegbert Klem aus Gaiß im Sommer dieses Jahres wahrgenommen. Zuvor hatte der 60-Jährige mehrfach alleine versucht, ein rauchfreies Leben zu beginnen. Und das mit Erfolg: „Ich war schon einmal neun Jahre rauchfrei. Aber durch eine Dummheit habe ich wieder angefangen“, sagt Siegbert Klem. „Man denkt sich, jetzt habe ich neun Jahre durchgehalten, da wird mich eine Zigarette nicht raushebeln“, so Klem, aber das Suchtgedächtnis sei sofort wieder da: „Es geht nur mit totalem Verzicht.“

Siegbert Klem aus Gaiß hat bis zu seinem Rauchstopp im Sommer dieses Jahres täglich 30 Zigaretten geraucht. Heute ist es keine einzige mehr.
Siegbert Klem aus Gaiß hat bis zu seinem Rauchstopp im Sommer dieses Jahres täglich 30 Zigaretten geraucht. Heute ist es keine einzige mehr. | Bild: Privat/Klem

Zigarette als Zusamengehörigkeitsgefühl

Der 60-Jährige hat bereits mit 16 Jahren mit dem Rauchen angefangen. Warum er damals zur Zigarette gegriffen hat? „Es war ein Zusammengehörigkeitsgefühl und meine Eltern haben auch geraucht. Damals hatte auch niemand die Informationen, die es heute gibt, da hat sich niemand Gedanken gemacht“, sagt Siegbert Klem. Bis zu seinem Rauchstopp diesen Sommer hat er gut 30 Zigaretten am Tag geraucht. Aufgehört mit dem Rauchen hat er aus verschiedenen Gründen: „Die Unzufriedenheit, die Husterei, das Aufstehen nachts, um eine zu rauchen, um dann wieder schlafen zu können“, sagt Klem. Zurück in die Spirale könne man schnell rutschen, dafür reiche eine einzige Zigarette. Daher sei es wichtig, eine Beschäftigung zu haben: „Ich habe immer Bonbons dabei, das lenkt ab und tut gut.“

Das könnte Sie auch interessieren

Treppensteigen fällt leichter

Von seinem Umfeld bekommt er seit dem Rauchstopp überwiegend Anerkennung, es gebe sogar Kollegen, die sagen „Wenn du das schaffst, dann schaffe ich das auch.“ Nach einigen Jahren als Nichtraucher, könne man wieder die Lunge eines Nichtrauchers erlangen, erklärt Klem. Aber auch während der sechs Wochen des Nichtraucherkurses spüre man schon gesundheitliche Verbesserungen und jetzt drei Monate nach dem Nichtraucherkurs könne er sagen: „Man hat mehr Luft beim Treppensteigen oder Spazierengehen, der Raucherhusten ist weg und Durschlafen ist wieder möglich.“

Tabak und Gesundheit

  • Was ist eigentlich drin in der Zigarette?

Der Tabakrauch erhält rund 5000 chemische Substanzen, von denen viele giftig und krebserzeugend sind, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Internetseite schreibt. Die Giftstoffe werden beim Einatmen des Rauchs über die Lunge aufgenommen und im gesamten Körper verteilt. Der Hauptwirkstoff im Zigarettenrauch ist das Nikotin, das wie ein natürlicher Botenstoff im Gehirn wirkt und für Entspannung und Glücksgefühle sorgt, wodurch sich das hohe Suchtpotential ergibt. Da Nikotin ein starkes Gift ist, wird es unter anderem zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Für einen erwachsenen Menschen sind bereits 60 Milligramm Nikotin tödlich. Der Grenzwert für Nikotin im Zigarettenrauch ist gesetzlich auf ein Milligramm festgelegt.

  • Körperliche und psychische Abhängigkeit

Die körperliche Abhängigkeit durch das Nikotin kann sich innerhalb kürzester Zeit entwickeln. Psychisch entsteht die Abhängigkeit vom Rauchen durch die jeweilige Funktion, die eine Zigarette im Alltag des Rauchenden übernimmt. Sie kann der Stressbewältigung dienen, den Kontakt zu anderen Menschen erleichtern oder die Belohnung für einen harten Tag sein. Werden diese Funktionen bei einer Tabakentwöhnung durch entsprechende Alternativen ersetzt, kann die Chance auf ein Leben als Nichtraucher erheblich gesteigert werden.

  • Gesundheitsrisiken

Rauchen erhört das Risiko, an Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen zu erkranken. Zudem ist Rauchen der Hauptrisikofaktor für Krebs. Unter den Krebstodesfällen in Deutschland sind 25 bis 30 Prozent auf den Tabakkonsum zurückzuführen. Nicht unterschätzt werden darf auch die Beeinträchtigung der Mundgesundheit durch Tabakrauch, indem unter anderem die Mundschleimhäute geschädigt werden und auf diese Weise ihre Schutzfunktion verlieren. Hinzukommt die Minderung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch das Rauchen. Bei Frauen tritt zudem vor allem nach der Menopause häufig Osteoporose auf, bei Männern kann Rauchen vermehrt zu Impotenz führen.