Lieber billig einkaufen oder auf Qualität achten? Regional oder mit langen Transportwegen? Der Verbraucher von heute ist kritisch, möchte genau wissen, was im Einkaufskorb und später in der Pfanne und auf dem Tisch landet.

Diese Cocktailtomaten haben kurze Wege hinter sich: Frisch auf den Feldern geerntet und auf dem Bad Säckinger Wochenmarkt verkauft.
Diese Cocktailtomaten haben kurze Wege hinter sich: Frisch auf den Feldern geerntet und auf dem Bad Säckinger Wochenmarkt verkauft. | Bild: Rank, Marion

Viele der in den Supermärkten angebotenen Lebensmittel haben lange Transportwege hinter sich, kommen etwa aus Chile, Italien, Neuseeland, den Niederlanden, Spanien, Italien oder der Türkei. Bananen werden grün geerntet, reifen auf dem Transportweg.

Knackig und gesund: Salat frisch vom Feld des Bächle-Hofes in Rippolingen und ebenso frisch auf dem Bad Säckinger Wochenmarkt.
Knackig und gesund: Salat frisch vom Feld des Bächle-Hofes in Rippolingen und ebenso frisch auf dem Bad Säckinger Wochenmarkt. | Bild: Rank, Marion

Warum also nicht frisch und regional auf dem Markt einkaufen? Der Verbraucher kann sich das Gewünschte genauestens ansehen, die Ware liegt offen aus, nicht in Plastik verpackt. Wochenmärkte sind eine beliebte Alternative zum Einkauf in Supermarkt und Co. Aber stammen Waren, die auf dem Markt angeboten werden, tatsächlich alle aus der Region? Ist hier wirklich alles "bio", wie viele Marktbesucher glauben? Wir haben nachgefragt.

Irina Nussbauer, 38 (li.) aus Herznach in der Schweiz, kaufmännische Angestellte und Hausfrau, besucht gerne den Bad Säckinger Wochenmarkt. Sie kauft Gemüse, Salat und Obst, wie hier am Stand des Bächle-Hofes in Rippolingen bei Sylvia Baumgartner (re.). Auch ihre Söhne Marc, 8, (vorn) und Michael, 10 (hinten) kommen gerne mit. "Hierher komme ich mehr oder weniger regelmäßig, denn bei uns gibt es zwar Märkte, aber nicht so regelmäßig wie hier. Dass es jede Woche einen Markt gibt, das gibt es nur in Basel und das ist mir zu weit. Ich finde die Märkte bei uns auch nicht so interessant, sie haben nicht das Angebot wie hier auf dem Wochenmarkt.
Irina Nussbauer, 38 (li.) aus Herznach in der Schweiz, kaufmännische Angestellte und Hausfrau, besucht gerne den Bad Säckinger Wochenmarkt. Sie kauft Gemüse, Salat und Obst, wie hier am Stand des Bächle-Hofes in Rippolingen bei Sylvia Baumgartner (re.). Auch ihre Söhne Marc, 8, (vorn) und Michael, 10 (hinten) kommen gerne mit. "Hierher komme ich mehr oder weniger regelmäßig, denn bei uns gibt es zwar Märkte, aber nicht so regelmäßig wie hier. Dass es jede Woche einen Markt gibt, das gibt es nur in Basel und das ist mir zu weit. Ich finde die Märkte bei uns auch nicht so interessant, sie haben nicht das Angebot wie hier auf dem Wochenmarkt. | Bild: Rank, Marion

In Bad Säckingen wird der Wochenmarkt mittwochs und samstags in der Innenstadt abgehalten. Die Händler kommen seit vielen Jahren hierher, haben ihre Stammkundschaft. So wie der Bächle-Hof aus Rippolingen.

Frisch vom Feld: Angelika Bögle vom Bächle-Hof in Rippolingen vor den Auslagen mit Gemüse und Salat.
Frisch vom Feld: Angelika Bögle vom Bächle-Hof in Rippolingen vor den Auslagen mit Gemüse und Salat. | Bild: Rank, Marion

"Wir verkaufen auf dem Markt nur eigene Produkte, etwa Blumen, Gemüse, Obst, Salat", erzählen die Mitarbeiterinnen Elke Huber und Angelika Bögle. "Nur im Hofladen in Rippolingen werden zugekaufte Produkte, etwa Teigwaren oder Brot, angeboten."

Kerstin Pelzer, 54, (li.) aus Bad Säckingen, bevorzugt den Einkauf auf dem Markt, so wie hier bei Elke Huber (re.) vom Bächle-Hof in Rippolingen. Auf dem Wochenmarkt ist die verheiratete Kosmetikerin, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, jeden Samstag zu finden, oft auch mittwochs. Für den heimischen Herd landen Eier, Gemüse, Obst und Wurst im Einkaufskorb, "meist auch Blumen, eben alles, was frisch ist. Ich möchte die Bauern unterstützen." Es gibt aber noch einen Grund für Kerstin Pelzer auf dem Markt einzukaufen: "Ich mag keine Supermärkte. Das ist was für meinen Mann, um Bier zu kaufen", lacht sie.
Kerstin Pelzer, 54, (li.) aus Bad Säckingen, bevorzugt den Einkauf auf dem Markt, so wie hier bei Elke Huber (re.) vom Bächle-Hof in Rippolingen. Auf dem Wochenmarkt ist die verheiratete Kosmetikerin, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, jeden Samstag zu finden, oft auch mittwochs. Für den heimischen Herd landen Eier, Gemüse, Obst und Wurst im Einkaufskorb, "meist auch Blumen, eben alles, was frisch ist. Ich möchte die Bauern unterstützen." Es gibt aber noch einen Grund für Kerstin Pelzer auf dem Markt einzukaufen: "Ich mag keine Supermärkte. Das ist was für meinen Mann, um Bier zu kaufen", lacht sie. | Bild: Rank, Marion

Auch Walter Gerwick aus Todtnau und seine Mitarbeiter sind seit Jahren auf dem Wochenmarkt vertreten. Am Stand werden auch Lebensmittel verkauft, die nicht heimisch sind. „Es gibt noch keine einheimischen Trauben, aber die Kunden fragen danach, so kaufen wir sie zu", erzählt eine seiner Mitarbeiterinnen. Das gleiche gelte für Pfirsiche: "Wir haben nur die kleine Sorte, deshalb kaufen wir Pfirsiche teilweise zu, aus Spanien, ebenso Zitronen. Alles andere ist einheimisch, vom Gemüse bis zum Obst, Knoblauch, Chili, alles. Unsere Ware kommt vom Kaiserstuhl."

Von der Sonne geküsst: Die Erdbeeren vom Bad Säckinger Wochenmarkt kommen derzeit vom Kaiserstuhl.
Von der Sonne geküsst: Die Erdbeeren vom Bad Säckinger Wochenmarkt kommen derzeit vom Kaiserstuhl. | Bild: Rank, Marion

Die Marktbesucher seien "sehr wählerisch, unter der Hitze haben beispielsweise die Himbeeren etwas gelitten, also werden sie nicht gekauft. Ähnlich sieht es bei den Aprikosen aus, die Kunden bevorzugen eher die großen, französischen Aprikosen, als die kleineren Früchte aus Deutschland", erzählt Gerwicks Mitarbeiterin bedauernd.

Bunte Vielfalt: Diese hübschen Blumensträuße sind vom Bächle-Hof in Rippolingen, der zwei Mal wöchentlich seine Produkte auf dem Bad Säckinger Wochenmarkt vertreibt.
Bunte Vielfalt: Diese hübschen Blumensträuße sind vom Bächle-Hof in Rippolingen, der zwei Mal wöchentlich seine Produkte auf dem Bad Säckinger Wochenmarkt vertreibt. | Bild: Rank, Marion

Die Äpfel von Franz Isele vom Isele-Hof in Bad Säckingen sind in diesem Jahr teilweise nicht ganz so groß, was etwa dreimaligem Hagel geschuldet ist, aber sie werden trotzdem gerne gekauft, denn Isele verkauft Produkte, die er selbst anbaut. Auch seine Zwetschgen und Eier verkaufen sich gut.

Franz Isele vom gleichnamigen Isele-Hof in Bad Säckingen verkauft derzeit eigene Zwetschen und Äpfel auf dem Wochenmarkt.
Franz Isele vom gleichnamigen Isele-Hof in Bad Säckingen verkauft derzeit eigene Zwetschen und Äpfel auf dem Wochenmarkt. | Bild: Rank, Marion

Franz Isele hat Apfelsorten, die sich nicht in jedem Supermarkt finden: Auf seinen Obstfeldern baut er zwölf verschiedene Apfelsorten an, darunter "Delbarestivale", auch "Delbar" genannt, ursprünglich aus Frankreich oder "Galmac", ein aus der Schweiz stammender Apfel, den es erst seit 22 Jahren gibt. Dass seine Äpfel schmecken, haben vor rund zwei Jahren Wildschweine bewiesen: "Sie haben 500 Kilo der Sorte Rubinette innerhalb einer Woche von meinen Bäumen abgefressen", erzählt Franz Isele.

Wo kommen die Eier her?

Peter Fränkel aus Bad Säckingen wiederum vertreibt keine regionalen Produkte. Seine Eier, sowohl aus Bodenhaltung, wie auch Freiland, bezieht er seit Jahren vom Westhof, vormals in Norddeutschland, jetzt in Donaueschingen beheimatet. Peter Fränkel hatte früher zwar auch eigene Hühner, doch gab er diese aus Angst vor der Vogelgrippe zwischenzeitlich auf.

Beide Eier auf dem Bild stammen aus Baden-Württemberg: links ein Freiland-Ei, rechts ein Ei aus Bodenhaltung.
Beide Eier auf dem Bild stammen aus Baden-Württemberg: links ein Freiland-Ei, rechts ein Ei aus Bodenhaltung. | Bild: Rank, Marion

Die Herkunft von Hühnereiern kann jeder Kunde selbst feststellen: Die erste Ziffer steht für das Haltungssystem (0 = Ökologische Erzeugung; 1 = Freilandhaltung, 2 = Bodenhaltung, 3 = Käfighaltung), die folgenden Buchstaben für das Herkunftsland. Die meisten nach Deutschland importierten Eier stammen aus den Niederlanden. Die letzten fünf Ziffern für das Bundesland (08 steht für Baden-Württemberg). Die letzten Ziffern sind der Code für den Legebetrieb.

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Ist der Wochenmarkt wirklich teurer?

Lohnt es sich denn nun, mehr für Lebensmittel zu bezahlen? Erhält der Verbraucher bessere Ware für mehr Geld? Wir haben verglichen und Erstaunliches festgestellt: Der Wochenmarkt ist im Vergleich zum Supermarkt (in unserem Fall Edeka) nicht immer teurer. Salat etwa war kürzlich auf dem Markt nur einen Cent teurer als im Supermarkt, in dieser Woche ist er zwar teurer, aber je nach Sorte ist auch der Supermarkt nicht billiger. Das Kilo Brombeeren kostet in dieser Woche auf dem Markt mit 14 Euro zwei Euro weniger als im Supermarkt, der Discounter verlangt 13,50 pro Kilo. Auf dem Wochenmarkt punkten beispielsweise Tomaten nicht preislich, aber mit tiefrotem Aussehen. Da halten am ehesten noch die Reichenauer Tomaten aus dem Schmidts Markt mit. Wer ansonsten im Supermarkt zu sehr günstigen Tomaten greift, spart auf Kosten des Aussehens und des Geschmacks, denn die Tomaten aus den Niederlanden sind nicht rot, sondern blass. Da kann wiederum der Discounter mit seiner Ware durchaus mithalten, nicht nur preislich.

Beispielhaft haben wir die aktuellen Preise in Bad Säckingen recherchiert – jeweils ein Obst der Saison, ein Gemüse und Salat.
Beispielhaft haben wir die aktuellen Preise in Bad Säckingen recherchiert – jeweils ein Obst der Saison, ein Gemüse und Salat. | Bild: Obermeyer, Justus