Es war ein gemütlicher Waldspaziergang – bis Marina Meinzer und Hund Rusty abseits der Wege auf einen fremden Vierbeiner trafen. Die 51-jährige Schopfheimerin legte ihren einjährigen Rüden, der gerade noch über die Wiesen getollt war, wieder an die Leine, um die Situation zu kontrollieren. „Wie ich es eben immer tue bei Hundekontakt“, erklärt sie. Doch mit der Ruhe war es vorbei. Die Situation eskalierte. Das fremde Tier stürzte sich auf Rusty – und biss zu. „Mein Hund lag blutend und winselnd auf dem Boden“, erzählt Marina Meinzer, immer noch fassungslos beim Gedanken an diese Situation. Rusty überlebte.

Weil die fremde Hundebesitzerin ihr Tier zuvor auf mehrfache Bitte nicht angeleint hatte und trotz des blutigen Ausgangs keinerlei Einsicht zeigte, erstatteten Marina Meinzer und ihr Mann Anzeige.

Halter stehen in der Verantwortung

Es ist eine Situation, wie sie immer wieder passiert. „Wie sie aber nicht passieren darf“, sagt Norbert Wolf, Hundetrainer aus Bad Säckingen. Und tatsächlich sind Halter in der Pflicht, derartige Gefahrensituationen erst gar nicht entstehen zu lassen: „Wenn etwas passiert, liegt die Haftung grundsätzlich beim Besitzer“, sagt der 53-Jährige. So kann bereits ein nicht angeleinter Hund eine Pflichtverletzung darstellen.

Die wird genau dann rechtlich relevant, wenn daraus ein Unfall oder die Verletzung einer fremden Person, eines fremden Tieres resultiert. Wie im Falle von Marina Meinzer und Rusty. Der Hundeexperte rät deshalb: „Den Hund sollte man erst frei laufen lassen, wenn er es auch wirklich kann.“ Sprich: wenn er erwachsen ist – etwa ein Jahr alt – und erzogen.

Konsequente Erziehung ist wichtig

Doch ist der Weg dorthin nicht selten mit großem Aufwand verbunden. Vielen frischgebackenen Haltern, die sich den Hund als einfühlsamen Freund und treuen Weggefährten zulegen, ist das nur unzureichend bewusst. Das weiß auch Norbert Wolf. Er bringt Hund, Herrchen und Frauchen deshalb regelmäßig den richtigen Umgang miteinander bei. „Gewaltlos“, betont er. Dafür mit schmackhaften Leckerlis und positiver Konditionierung, mit klarer Körpersprache und konsequenten Kommandos.

„Komm!“, zitiert Marina Meinzer ihren Rüden Rusty bei Fuß. Der tritt ohne zu zögern an ihre Seite – und erhält dafür sogleich eine leckere Belohnung. Die 51-jährige Schopfheimerin kommt regelmäßig zum Hundetraining für Einsteiger nach Wallbach, stets begleitet von ihrem Sohn Aaron, acht Jahre alt – und Hund Rusty. Der kniehohe Mischling aus Cattle Dog und Australian Shepherd ist seit sieben Monaten Mitglied der Familie Meinzer. „Damals hat er uns ausgesucht“, erzählt Marina Meinzer stolz. „Er wollte direkt mitkommen.“

Bild: Reinhardt, Lukas

Erfolge in der Erziehung stellen sich ein

Ursprünglich stammt Rusty aus Spanien, wo er als Straßenhund zur Welt kam und offenbar auch das Temperament mitnahm. „Er sprüht nur so vor Energie und Kraft“, sagt Marina Meinzer lächelnd. Um diese Kraft zu bändigen, trainiert sie seit sechs Monaten mit Rusty, springt mit ihm durch den Hundeparkour, probt Kommandos, wieder und wieder und wieder. „Der Fortschritt, den ich von Mal zu Mal feststelle, motiviert mich weiter zu machen“, freut sich Meinzer. Mittlerweile weicht ihr Rusty beim Gassigehen auch ohne Leine nicht mehr von der Seite: „Bis ich sage: Fertig! Dann schießt er los und all seine Energie entlädt sich“, erzählt sie lachend.

Das könnte Sie auch interessieren

"Tiere müssen aus Fehlern lernen dürfen"

Diese Form der konsequenten Erziehung ist bereits in der Prägephase der Jungtiere – den ersten 14 bis 15 Wochen – essenziell, sagt Hundetrainer Norbert Wolf. „Es ist wichtig, sein Tier nicht in Angst zu erziehen“, erklärt Wolf. „Ein Hund muss Fehler machen dürfen, um aus diesen Fehlern zu lernen. Sonst wird er zu einer tickenden Zeitbombe.“ Was dann das Resultat sein kann, offenbart der Fall Chico aus dem April dieses Jahres. Der Staffordshire-Terrier-Mischling hatte damals in einer Wohnung in Hannover eine 52-jährige Frau und deren 27 Jahre alten Sohn totgebissen. Die Behörden schläferten das Tier daraufhin ein.

Marina Meinzer trainiert gemeinsam mit ihrem einjährigen Rüden Rusty auf dem Gelände der Hundfreunde Bad Säckingen-Wallbach. Sie weiß, wie wichtig gute Erziehung und Kontrolle des Tieres sind.
Marina Meinzer trainiert gemeinsam mit ihrem einjährigen Rüden Rusty auf dem Gelände der Hundfreunde Bad Säckingen-Wallbach. Sie weiß, wie wichtig gute Erziehung und Kontrolle des Tieres sind. | Bild: Reinhardt, Lukas

Haftpflichtversicherung für Halter ein Muss

Doch auch bei gut erzogenen Hunden gibt es keine hundertprozentige Garantie für Sicherheit, weiß Norbert Wolf. „Mein Hund ist damals durch die offene Haustür auf die Straße gelaufen“, erinnert sich der 53-Jährige. Ein Auto erfasste das Tier – und verletzte es. „Das war meine Schuld als Halter“, gibt Wolf offen zu.

Eine Krankenversicherung für Hunde hält er trotzdem nicht für zwingend notwendig. „Über die Jahre rechnet sich das in der Regel nicht“, sagt er. Was in seinen Augen aber jeder Hundehalter haben sollte, um für etwaige Schäden aufkommen zu können, ist eine spezielle Haftpflichtversicherung. Die sei gesetzlich zwar nicht vorgeschrieben, „aber man sollte sie tunlichst haben“, weiß Wolf.

Zurückhaltung bei Zoff zwischen Hunden

Geraten zwei Hunde aneinander, wie es Marina Meinzer mit Hund Rusty bereits erlebt hat, rät Wolf Haltern grundsätzlich zu Zurückhaltung und Vorsicht: „Im Normalfall würde ich als Laie nicht dazwischen gehen. Denn die Gefahr ist groß, dass man selber gebissen wird.“ Beißt ein Hund einen Menschen, sollte man sich schnell um die Versorgung der Wunde kümmern und das Geschehene außerdem zur Anzeige bringen. „Denn das darf einfach nicht passieren“, sagt der Trainer.

Das könnte Sie auch interessieren

„Ich bin deshalb für eine Art Hundeführerschein“, erklärt Wolf. Durch ihn solle geprüft werden, wie der Hund geprägt wurde, wie er sich verhält, wie gut er Regeln und Kommandos befolgt. „Es kommt also nicht darauf an, dass er irgendwelche Kunststücke vorführen kann“, so Wolf.

Doch nicht nur für den Hund ist das Training wichtig, sondern auch für Herrchen und Frauchen: „Der Halter muss das Tier verstehen lernen, muss gefährliche Situationen richtig einschätzen können, weil das immer auch die Reaktion seines Hundes beeinflusst.“

Wissenwertes für Hundehalter: Aktuelle Regelungen im Landkreis

Das müssen Hundehalter in den Städten und Gemeinden im Landkreis Waldshut beachten:

  1. Hundesteuer: Hundehalter müssen ihre Tiere in allen Gemeinden am Hochrhein binnen eines Monats anmelden und Steuern zahlen. Deren Höhe regeln die Kommunen dabei in ihrer jeweiligen Hundesteuersatzung. Sie fällt somit von Gemeinde zu Gemeinde und Stadt zu Stadt unterschiedlich aus. In Bad Säckingen beispielsweise zahlen Hundehalter derzeit jährlich 100 Euro. In Waldshut-Tiengen sind es 72 Euro, in Laufenburg und Wehr jeweils 90 Euro. In St. Blasien müssen Hundehalter 85 Euro entrichten und in Stühlingen 81 Euro. Besonders teuer wird es vor allem für Besitzer von Kampfhunden. Sie zahlen in Bad Säckingen derzeit 350 Euro, in Wehr 360 Euro und in Laufenburg 300 Euro pro Jahr. Halter von Blinden- und Rettungshunden sowie Jagdhunden sind in der Regel von der Steuer befreit.
  2. Hundehaftpflicht: Während es in zahlreichen deutschen Bundesländern für Hundehalter Pflicht ist, eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abzuschließen, gilt das in Baden-Württemberg nicht. Dennoch empfehlen Experten, sich eine solche Versicherung zuzulegen. Für Halter von Kampfhunden ist diese übrigens auch in Baden Württemberg verpflichtend.
  3. Hundekot: Da es sich bei Hundekot um Abfall handelt, ist dieser ordnungsgemäß zu entsorgen. Das regelt für gewöhnlich die Polizeiverordnung einer jeden Gemeinde. In Bad Säckingen heißt es dort beispielsweise, dass der Halter eines Hundes dafür zu sorgen hat, dass dieser seine „Notdurft nicht auf Spielplätzen, Gehwegen, in Grün- und Erholungsanlagen oder in fremden Vorgärten“ verrichtet. Sollte das doch vorkommen, ist der Kot „unverzüglich“ zu beseitigen. Wer gegen diese Regelung verstößt, muss mit einer Anzeige sowie einem Bußgeld rechnen. Außerdem hat Hundekot nichts im Biomüll verloren.
  4. Hundelärm: Bellt ein Hund zu lange und zu laut, kann dies ebenfalls ein Bußgeld für den Halter nach sich ziehen, sofern jemand das Gebell als Ruhestörung empfindet. Das gilt zumindest in Bad Säckingen. Denn hier besagt die Polizeiverordnung, dass Hunde so zu halten sind, dass niemand durch andauernde „tierische Laute“ gestört wird.
  5. Leinenpflicht: Auch diesen Punkt regeln die Kommunen in ihrer jeweiligen Polizeiverordnung. So gilt die Leinenpflicht beispielsweise in Bad Säckingen auf allen öffentlichen Straßen und Gehwegen. In Waldshut-Tiengen gilt das Verbot für öffentliche Anlagen, Fußgängerzonen und -unterführungen sowie Haltestellen der öffentlichen Verkehrsbetriebe. Außerdem sind Hunde hier auf Kinderspielplätzen und Liegewiesen tabu. Frei herumlaufen dürfen Vierbeiner in beiden Städten nur in Begleitung eines Menschen, auf den das Tier hört.
  6. Maulkorb: Auch die Maulkorbpflicht wird von den einzelnen Städten selbst bestimmt. Lediglich bei Hunden, die als gefährlich eingestuft werden und älter als sechs Monate sind, gibt es eine einheitliche Regelung in Baden-Württemberg. Die Halter sind gesetzlich dazu verpflichtet ihrem Vierbeiner einen Maulkorb anzulegen, sobald sie draußen unterwegs sind. Strenger geht es in unseren Nachbarländern Österreich und der Schweiz zu. In Österreich müssen Halter immer eine Leine und einen Maulkorb mit sich führen und bei Bedarf angelegt werden. Auf Spielplätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln, beispielsweise aber auch in Bergbahnen sind Maulkörbe Pflicht. Für Besuche in der Schweiz sind ein Mikrochip oder eine Tätowierung und ein aktueller EU-Heimtierpass unabdingbar. Kampfhunde müssen beim Zoll angemeldet werden, der eine Kaution fordert.
  7. Kampfhunde: In Baden-Württemberg richtet sich die Regelung für sogenannte Kampfhunde nach der Polizeiverordnung des Innenministeriums und des Ministeriums Ländlicher Raum. Zusätzlich können die Gemeinden einzelne Regelungen erlassen. Als gefährlich und aggressiv eingestufte Hunde gelten dabei die Rassen American-Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit-Bull-Terrier. Für neun weitere Hunderassen muss zunächst ein Verhaltenstest durchgeführt werden, um zu entscheiden, ob der Hund die Eigenschaften eines Kampfhundes besitzt. Wird ein Hunde als gefährlich eingestuft oder zeigt beim Test ein auffälliges und potenziell gefährliches Verhalten, müssen die Halter eine Erlaubnis zum Halten eines Kampfhundes beantragen – und die ist nicht einfach zu bekommen. Dabei wird beispielsweise ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis gefordert.