Es sind nur zwei kleine Pikser und doch können damit Leben gerettet werden – die Blutspende. 40 Blutspendetermine hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Landkreis Waldshut in diesem Jahr bislang angeboten. Der Ablauf ist immer der selbe. Nachdem der vierseite Fragebogen mit teils intimen Fragen rund um den Lebensstil und das Liebesleben des Spenders beantwortet sind, folgt die ärztliche Untersuchung und dann die eigentliche Spende, im Anschluss folgt die Ruhephase und eine Mahlzeit.

Vor allem in Zeiten wie den zurückliegenden Sommerferien, während gesellschaftlicher Großereignisse wie einer Fußball-Weltmeisterschaft oder bei besonders warmen oder kaltem Wetter, können die Vorräte der Blutkonserven knapp werden, erklärt Stefanie Fritzsche vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg und Hessen. „Die Blutspende hat immer Saison. Da mittlerweile ein Fünftel der Blutspenden in der Krebstherapie eingesetzt werden und diese saison-unabhängig gleichbleibend erfolgt, ist auch der Bedarf relativ gleichbleibend über das Jahr verteilt”, sagte Stefanie Fritzsche. Weitere Verwendungen der einzelnen Bestandteile des Blutes, die bei einer Blutspende gewonnen wird, sind Magen-Darmerkrankungen, Herzerkrankungen oder Operationen von Unfallopfern. „Aber auch Verbrennungsopfer, Patienten bei Organtransplantationen und viele weitere Erkrankungen bedürfen Transfusionen. Zur Blutspende gibt es nach wie vor keine Alternative“, betont Stefanie Fritzsche. Zur Verdeutlichung: Allein die Spitäler Hochrhein benötigen rund 2000 Blutkonserven pro Jahr. Zu 99 Prozent kommen sie vom DRK-Blutspendedienst. Deutschlandweit werden täglich etwa 15 000 Blutspenden benötigt, in Baden-Württemberg etwa 1800.

<strong>Bedeutung:</strong> Mittlerweile wird ein Fünftel der Blutspenden in der Krebstherapie eingesetzt.
Bedeutung: Mittlerweile wird ein Fünftel der Blutspenden in der Krebstherapie eingesetzt.

In Zeiten in denen Spendebetten leer bleiben, ruft das DRK verstärkt zu Blutspenden auf. Beispielsweise würden vom DRK bekannte Blutspender gezielt angeschrieben und um eine Blutspende gebeten, heißt es vonseiten des Blutspendedienstes. „Aktuell verlassen sich in ganz Baden-Württemberg die Patienten in den Krankenhäusern auf rund 250 000 Menschen“, so Stefanie Fritzsche. Wichtig sei daher auch immer, dass Erstspender hinzukämen. Das DRK hat sich in Baden-Württemberg und Hessen das Ziel gesetzt, in diesem Jahr 30 000 Erstspender zu finden. Aktuell steht der Zähler bei 12 405. „Da immer wieder regelmäßige Spender ausfallen, beispielsweise aufgrund des Alters oder wegen Krankheiten, ist es sehr wichtig, dauerhaft neue Spender in die Spendergemeinschaft zu holen“, sagt Stefanie Fritzsche.

Im Landkreis Waldshut gingen in diesem Jahr bislang 369 Menschen zum ersten Mal zu einer Blutspende – im gleichen Zeitraum 2016 waren es 397. Ebenfalls leicht rückläufig sind, wie im Landesdurchschnitt, die Zahl sämtlicher Spender. Insgesamt nahmen 6407 Spender in den vergangen neun Monaten an einer Blutspendeaktion teil, 5777 durften tatsächlich spenden. Denn längst nicht jeder Spendenwillige darf sein Blut, ein halber Liter wird bei einer Spende abgenommen, auch wirklich spenden. Mal sprechen frisch gestochene Tattoos dagegen, mal Reisen in exotische Länder – die Regeln sind streng. Zur Sicherheit der Empfänger, wie das DRK betont. Manche Kriterien schließen einen Spender komplett aus, andere nur für einen gewissen Zeitraum.

<strong>Routine: </strong>Drei Röhrchen mit Blut werden zusätzlich abgenommen, um die Blutgruppe zu kontrollieren und auf Krankheiten zu testen.
Routine: Drei Röhrchen mit Blut werden zusätzlich abgenommen, um die Blutgruppe zu kontrollieren und auf Krankheiten zu testen. | Bild: Oliver Hanser

Vor einem Monat wurde bekannt, dass die sogenannte Hämotherapie-Richtlinien, die regeln, wer Blut spenden darf und wer nicht, erneuert werden. Demnach ist es bald auch für homosexuelle Männer, die bislang komplett von der Blutspende ausgeschlossen waren, ihr Blut zu spenden – Voraussetzung: sie hatten in den vergangen zwölf Monaten keinen Geschlechtsverkehr. „Die Änderungen in der Richtlinie werden von allen DRK-Blutspendediensten umgesetzt, sobald die technischen und formalen Voraussetzungen dafür geschaffen werden können. Dies soll so zeitnah wie möglich geschehen, kann aber noch eine begrenzte Übergangszeit erfordern”, informiert Stefanie Fritzsche. Die Neuerung könnte auch mit sich bringen, dass der vierseitige Fragebogen, der vor einer Blutspende ausgefüllt werden muss, überarbeitet wird. Erst vor knapp einem Jahr wurde dieser erweitert. Seitdem finden sich darin unter anderem persönliche Fragen wie: „Hatten Sie in den letzten vier Monaten Sexualverkehr, für den Sie Geld oder andere Leistungen bezahlt haben?“, „Haben Sie schon einmal Geld oder andere Leistungen für Sexualverkehr erhalten?” oder „Waren Sie innerhalb der letzten vier Monate in Haft?“. Ärger von Spendern über die intimen Fragen gibt es laut Auskunft der DRK nur sehr selten.

<strong>Vorbereitung:</strong> Vor dem Spenden müssen die Blutspender jedes Mal einen vierseitigen Fragebogen ausfüllen
Vorbereitung: Vor dem Spenden müssen die Blutspender jedes Mal einen vierseitigen Fragebogen ausfüllen | Bild: Dana Coordes

Simone Baumann aus Tiengen geht regelmäßig zur Blutspende. Mit dem umfangreichen Fragebogen hat die 20-malige Blutspenderin kein Problem. „Ich finde solche Fragen wichtig, da sie der Sicherheit dienen. Zumal ja nur der Arzt die Antworten zu sehen bekommt und zu dem sollte man ohnehin immer ehrlich sein“, sagt die 29-Jährige. Da man sich auf die Ehrlichkeit allein bei einer Bluttransfusion nicht verlassen kann, wird jede Blutspende in einem der DRK-Blutspendeinstitute im Labor auf diverse übertragbare Krankheiten untersucht. Zeitgleich wird das Blut in den Blutbeuteln in der Produktionsabteilung in die einzelnen Bestandteile aufgeteilt: Das Blutplasma schwimmt oben, die roten Blutkörperchen unten, dazwischen die Blutkörperchen und Blutplättchen. Die Haltbarkeit der einzelnen Bestandteile liegt zwischen zwei Jahren und gerade einmal vier Tagen. Die einzelnen Endprodukte werden dann weiter verarbeitet und vom Blutspendedienst Baden-Württemberg und Hessen an rund 440 Krankenhäuser verkauft.

Kosten und Ertrag einer Blutspende

  • Einsatz: Die Arbeit der DRK-Blutspendedienste ist gemeinnützig. Sie bieten dem deutschen Gesundheitsdienst Blutprodukte und tranfusionsmedizinische Dienstleistungen zum Selbstkostenbeitrag an, erklärt Stefanie Fritzsche. Dennoch ist Blut ein teures Gut. Aktuelle Daten zu Kosten und Erträgen durch Blutspenden kann der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg und Hessen nach Auskunft der Pressestelle nicht geben, da diese derzeit überarbeitet werden. Mögliche Überschüsse würden satzungsgemäß für Investitionen, Modernisierungen sowie die Bildung von Rücklagen verwendet. Der Blutspendedienst West hat zuletzt 2013 eine Kosten- und Ertragsrechnung veröffentlicht.
  • Kosten: Demnach liegen die gesamten Kosten einer Blutspende bei 134,86 Euro. Den Großteil nehmen die Blutentnahme, Spenderwerbung und Terminorganisation mit 80,26 Euro ein. Es folgen die Laboruntersuchung und Qualitätskontrolle mit 19,63 Euro und die Herstellung, Präparation und Aufteilung der Komponenten mit 16,12 Euro. 11,3 Euro entfallen pro Spende auf Verwaltung und EDV, 6,79 Euro auf Lagerung und Vertrieb und 0,75 Euro fließen in die Forschung und Entwicklung.
  • Ertrag: Im Jahr 2013 lag der Erlös pro Blutspende beim DRK-Blutspendedienst West bei 134,90 Euro. Am wertvollsten ist demnach der Anteil der roten Blutkörperchen, das sogenannte Erythozytenkonzentrat mit 87,98 Euro. Das Plasma zur Fraktionierung bringt je Spende 25,04 Euro ein, therapeutisches Frischplasma 8,35 Euro. Der letzte Bestandteil, das Thrombozytenkonzentrat (gepoolt) ist laut Statistik 13,52 Euro wert.