Waldshut (mhe) Der Schweizer Atommüll soll unter der Erde in der Nordschweiz endgelagert werden. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) untersucht für ein solches Tiefenlager den Untergrund im Gebiet Bözberg (Jura Ost) sowie das Zürcher Weinland (Zürich Nord-Ost). Opalinuston soll das Wirtgestein für ein solches Lager sein. Der Opalinuston soll neben den stählernen Hüllen der Lagerbehälter, in denen die verglasten Abfälle eingeschlossen sind, zugleich auch eine weitere Schutzbarriere gegen die Ausbreitung der Radioaktivität sein.

Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) haben diesen bisher einkalkulierten Schutzbarrieren eine weitere hinzugefügt: Bakterien. Sie sollen die bei der Korrosion der Lagerbehälter auftretende Gasbildung neutralisieren, die zur Beeinträchtigung oder Zerstörung der mechanischen Schutzbarrieren führen könnte, schreibt die EPFL in ihrer am Freitag veröffentlichten Publikation zu der Bakterienforschung (http://bit.ly/bactaeria_nuclear).

Bakterien könnten dieses Problem lösen. Sie würden nämlich den Wasserstoff, der sich beim Rosten der Stahlcontainer mit dem radioaktiven Abfall bildet, verbrauchen. Ohne dieses Beseitigen des Wasserstoffs könne der Gasdruck so groß werden, dass er das zuvor vollständig dichte Gestein undicht werden ließe.

Bislang habe die Forschung zur Entsorgung von Atommüll vor allem geologisch langsame Prozesse berücksichtigt: die Mechanik der Gesteinsschichten und die Festigkeit natürlicher Barrieren. Der Aspekt der Biologie sei vernachlässigt worden. Die Lausanner Wissenschaftler schlagen vor, in den Atommüll-Lagerstätten zwischen dem die Lagerbehälter umgebenden Füllmaterial Betonit und dem natürlichem Gestein eine Nische für Bakterien einzurichten. Die Gas verzehrenden Bakterieen könnten eine zusätzliche biologische Barriere bilden.