Wenn ein Stadtbaumeister in Ruhestand geht, dann hinterlässt er etwas, das ihn überdauert. So ist das auch bei Michael Rohrer, der im Herbst seinen Schreibtisch räumt. Seit 38 Jahren hat er zunächst als Mitarbeiter und dann ab 1993 als Chef des Bauamtes die Entwicklung der Stadt mitgeprägt. Seine Handschrift ist an etlichen Ecken der Stadt zu finden – von der denkmalgetreuen Sanierung der Villa Berberich, über die Umgestaltung der Altstadt bis hin zu zahlreichen Schulbauten. Und wie so oft bei Bauten im öffentlichen Raum: Kritiker melden sich zu Wort, Projekte sind umstritten. Das war auch in Rohrers Laufbahn nicht anders. Gleichwohl schaut der Noch-Stadtbaumeister zufrieden auf seine Berufsjahre. Denn den gebürtigen Säckinger hat die Heimatverbundenheit bei seiner Profession begleitet. „Ich bin hier zuhause“, sagte er, und wenn man als Stadtbaumeister die eigene Heimatstadt mitgestaltet, sei das eine andere Herangehensweise – mit mehr Emotionalität eben.

Der Umbau der Altstadt in mehreren Schritten begleitet den Stadtbaumeister viele Jahre seines Berufslebens. Im Bild die Steinbrückstraße mit dem Stadtbächle.
Der Umbau der Altstadt in mehreren Schritten begleitet den Stadtbaumeister viele Jahre seines Berufslebens. Im Bild die Steinbrückstraße mit dem Stadtbächle. | Bild: Gerber, Andreas

1954 geboren hat Rohrer seine Kindheit in Obersäckingen verbracht. Grundschule, Realschule, Fachhochschulreife, Bund, Architekturstudium in Konstanz. So war er 1980 nach absolviertem Studium auf dem Sprung ins Berufsleben. Eine für ihn glückliche Fügung: In der Stadtverwaltung Bad Säckingen wurde eine Stelle frei. Der damalige Bürgermeister Günther Nufer angelte den frischgebackenen Architekten und Stadtbaumeister Günter Kastler verpasste dem Neuling erste Bauleitungen – und da ging es ziemlich schnell in die Vollen: Er durfte sich mit der Fertigstellung des bereits begonnenen Vogelhauses im Schlosspark zwar warmlaufen, doch dann wurde es bald „richtig monumental“, wie sich der Stadtbaumeister erinnert. Die Generalsanierung der Villa Berberich. Das 1874 vom Textilfabrikanten Ignaz Berberich erbaute Haus, hatte die Stadt in den 1930er Jahren gekauft und nutzte es als Krankenhaus bis zum Bau des kürzlich geschlossenen Kreiskrankenhauses 1980.

Der Erweiterungsbau des Scheffelgymnasiums Bad Säckingen im Jahre 2002 war einer der zahlreichen Schulbauten, die zur Aufgabe des Stadtbaumeisters gehörten.
Der Erweiterungsbau des Scheffelgymnasiums Bad Säckingen im Jahre 2002 war einer der zahlreichen Schulbauten, die zur Aufgabe des Stadtbaumeisters gehörten. | Bild: Gerber, Andreas

1982 machte sich Michael Rohrer also an die Arbeit. Die zweijährige Sanierung sieht er im Nachhinein noch immer als „schwierige Aufgabe mit großem Reiz“ – schließlich ging es um die fachgerechte Restaurierung historischer Substanz. Denkmalschutz war schon damals seine Leidenschaft, wenn auch nicht überall Allgemeingut. Kein Wunder war er entsetzt, als das Originalgeländer abmontiert im Container landete. „Ich konnte es grad noch retten“, berichtet Rohrer. Es wurde hergerichtet und so hat die Villa noch heute das historische Geländer an Terrasse und Balkon. Stuck wurde erneuert, die Böden geöffnet, man fand historisches Parkett, die Sandsteinfassaden mussten großflächig saniert werden – alleine die Sandsteinarbeiten kostete damals 400.000 Mark“, sagt Rohrer, daran sei erkennbar, welche Dimension die Sanierung hatte. Fast hätte die Stadt ihr Kulturhaus 2009 verloren, als es der damalige Bürgermeister Martin Weissbrodt verkaufen wollten. Doch der Widerstand war zu immens, wie sich Rohrer heute rückblickend freut.

Das Zeltdach im Schlosspark bestaunt heute jeder. Beim Bau im Jahr 2006 war es umstritten. Wie immer bei Neuem: Die einen freut's, für die anderen geht die Welt unter.
Das Zeltdach im Schlosspark bestaunt heute jeder. Beim Bau im Jahr 2006 war es umstritten. Wie immer bei Neuem: Die einen freut's, für die anderen geht die Welt unter. | Bild: Gerber, Andreas

Die Reihe der Rohrer’schen Bauten in der Stadt ist lange. „Es war unser Anliegen, die Planungen möglichst im eigenen Haus zu behalten“, sagt er. Zahlreiche Schulerweiterungen tragen seine Handschrift – beim Scheffelgymnasium, der Realschule, der Hans-Thoma-Schule wie auch der Neubau der Grundschule in Rippolingen. Rohrer plante auch die Cabrio-Tennishalle im Schöpfebachtal, das Zeltdach im Schlosspark, die Rheintreppen und die Mensa im Scheffelgymnasium. Auch die Mensa, die 2010 gebaut wurde, war wie vieles umstritten. Nicht jeder hielt eine solche Einrichtung an der Schule für notwendig. Heute gehört es zum Standard.

Das wohl langwierigste Großprojekt war der Umbau der Altstadt. Man erinnert sich: Bis Ende der 90er Jahren fuhren die Autos noch bis auf den Münsterplatz. Es war in jener Zeit eine stückweise Eroberung der Altstadt durch die Fußgänger, begleitet von heftigen Diskussionen und Widerständen. Gleichwohl waren der Umbau von Steinbrückstraße, Schützenstraße und Münsterplatz Meilensteine in der Entwicklung der Stadt.

Das Kinderhaus Rheinau ist eine Planung von Stadtbaumeister Rohrer. Nach 13-monatiger Bauzeit ging der Kindergarten im Februar 2015 in Betrieb.
Das Kinderhaus Rheinau ist eine Planung von Stadtbaumeister Rohrer. Nach 13-monatiger Bauzeit ging der Kindergarten im Februar 2015 in Betrieb. | Bild: Gerber, Andreas

Und Entwicklung wird nie stehen bleiben, ist sich Rohrer sicher. Denn Städte seien wie alles andere dem stetigen Wandel unterworfen. Welche Projekte hält er in der nahen Zukunft für die drängendsten? Ganz zuvorderst nennt er den Gesundheitscampus. „Dieses für Bad Säckingen so wichtig Projekte hätte für mich Priorität,“ so Rohrer. Dabei sagt er offen, dass er kein Anhänger der Variante Neubau ist. Das bisherige Spitalgebäude ist aus seiner Sicht für die Anforderungen des Campus bestens geeignet. Direkt dahinter kommt für ihn die Neugestaltung des Bahnhofsareals und seine bessere Verknüpfung mit der Fußgängerzone.

Aber solche Zukunftsprojekte, sagt Rohrer, seien nun Aufgabe der Nachfolgerin. Margit Ulrich wird am 1. Oktober übernehmen. Und Michael Rohrer verspricht, dass er dann bis Jahresende zur Unterstützung noch stundenweise ins Rathaus kommt.