Ein schön geschmückter Weihnachtsbaum, darunter Spielzeug und ein gedeckter Tisch mit französischem Gebäck, Wein und eine handgemachte Krippe aus Frankreich – ein buntes "französisches" Schaufenster ist Blickpunkt der aktuellen Weihnachtsausstellung des Schweizer Kindermuseums Baden. Exponate und Texttafeln geben Einblicke, wie unsere französischen Nachbarn Weihnachten feiern und was früher bis heute unter ihren Weihnachtsbäumen lag: Kinderbücher und Spielzeug.

<strong>Das Museum:</strong> In dieser Villa von 1896 ist das Schweizer Kindermuseum in Baden untebracht. Hier bekommen Besucher Einblicke in geschichtliche und aktuelle Entwicklungen rund um das Kind der vergangenen 300&nbsp;Jahre. Bild: Kindermuseum Baden
Das Museum: In dieser Villa von 1896 ist das Schweizer Kindermuseum in Baden untebracht. Hier bekommen Besucher Einblicke in geschichtliche und aktuelle Entwicklungen rund um das Kind der vergangenen 300 Jahre. Bild: Kindermuseum Baden

Und natürlich wird auch gezeigt, wie gut und gern die Franzosen an Weihnachten essen und was es mit der traditionellen "Bûche de Noël" auf sich hat. Eine persönliche Note bekommt die Ausstellung durch drei Französinnen aus verschiedenen Generationen, die auf Band ihre Weihnachtserinnerungen erzählen. Die eine Weihnacht in Frankreich gibt es aber nicht. Landesweite Traditionen gehen einher mit vielen regionalen Besonderheiten.

Der Ursprung des Weihnachtsbaums

Der Weihnachtsbaum soll seinen Ursprung in Frankreich haben. In einem Schriftstück aus dem Jahr 1521 aus der Stadt Séléstat im Elsass wird von einem "meyen" gesprochen, der als Vorläufer des heutigen Weihnachtsbaums gilt. Bei dem "meyen" soll es sich um einen Festbaum für das Wintersonnenwendefest gehandelt haben, das von vielen früheren Kulturen – wie Kelten und Germanen – bei Beginn der wieder länger werdenden Tage gefeiert wurde.

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Geschmückt waren die damaligen Bäume mit roten Äpfeln, die an den Garten Eden erinnerten. Der Legende nach soll es um 1850 in der französischen Region Moselle keine Äpfel zum Schmücken gegeben haben, so dass ein ansässiger findiger Glasbläser rote "Äpfel" aus Glas blies. Das Ersatzprodukt gefiel so gut, dass es die Weihnachtsbäume der Welt eroberte.

Das darf bei keinem Weihnachtsessen fehlen

Ein üppiges Weihnachtsmenü mit der ganzen Familie ist in Frankreich zentraler Teil des Weihnachtsfests. Als Vorspeise beliebt sind Meeresfrüchte und Gänse- oder Entenleberpastete mit knusprigem Brot. Als Hauptspeise wird gern Geflügel wie Gans oder Truthahn aufgetischt, gefolgt von grünem Salat, französischem Käse und Früchten wie Trauben. Getrunken wird Wein oder Champagner.

Nachtisch erinnert an Verstorbene

Landesweit beliebt als Nachtisch ist die "Bûche de Noël", eine mit Schokolade oder Mokkabuttercreme überzogene, gefüllte Biskuitroulade in Form eines Holzscheits. Sie geht auf den Brauch zurück, ein großes Holzscheit (une bûche) im Kamin zu verbrennen. Die verstorbenen Verwandten, die der Überlieferung nach, an Heiligabend als Geister zu Besuch kommen, sollen eine warme Stube finden und gleichzeitig sollen böse Geister vom Haus ferngehalten werden.

<strong>Süßer Nachtischklassiker:</strong> Die "Bûche de Noël" ist für viele Franzosen krönender Abschluss eines üppigen Festmenüs. Bild: Kindermuseum Baden
Süßer Nachtischklassiker: Die "Bûche de Noël" ist für viele Franzosen krönender Abschluss eines üppigen Festmenüs. Bild: Kindermuseum Baden

Die ersten Krippen stammen aus der Provence

Die ersten Krippen in Frankreich soll es Ende des 13 Jahrhunderts in der Provence gegeben haben. Sie haben bis heute ein Besonderheit: Nicht nur die gängigen biblischen Figuren gehören zu ihrem Inventar, sondern auch typische Dorfbewohner oder Vertreter von Berufen der jeweiligen Dörfer. Santons (kleine Heilige) heißen diese Dorffiguren, die meist aus Ton und handbemalt sind.

<strong>Bunte Krippenkunst:</strong> Diese Krippe stammt aus Südfrankreich – nicht nur die Heiligen Drei Könige und Hirten, sondern auch Dorfbewohner besuchen den Stall in Bethlehem, Santons heißen die handbemalten Tonfigürchen. Bild: Ursula Freudig
Bunte Krippenkunst: Diese Krippe stammt aus Südfrankreich – nicht nur die Heiligen Drei Könige und Hirten, sondern auch Dorfbewohner besuchen den Stall in Bethlehem, Santons heißen die handbemalten Tonfigürchen. Bild: Ursula Freudig

Um den Nikolaus ranken sich viele Legenden

Besonders im Osten Frankreichs und im Elsass spielt "Saint Nicolas" eine wichtige Rolle. Er geht auf den Bischof von Myra im Römischen Reich zurück und wird als Helfer in der Not dargestellt. Viele Legenden ranken sich um ihn. Eine erzählt davon, dass er einst Kinder, die ein geldgieriger Metzger zerstückelt und in einen Bottich eingelegt hatte, zum Leben erweckte. Heute ist "Saint Nicolas", wie in Deutschland auch, der Schutzpatron der Kinder, der sie am 6. Dezember beschenkt. Begleitet wird er in Frankreich von Hans Trapp, auch Pére Fouettard" (entspricht unserem Knecht Ruprecht) genannt, der ebenfalls ein historisches Vorbild hat.

<strong>Nikolaus im Bischofsgewand:</strong> Dieser stammt aus den 1850er Jahren – viele Legenden ranken sich um"Saint Nicolas", heute ist er auch in Frankreich der Gaben verteilende Schutzpatron der Kinder. Bild: Ursula Freudig
Nikolaus im Bischofsgewand: Dieser stammt aus den 1850er Jahren – viele Legenden ranken sich um"Saint Nicolas", heute ist er auch in Frankreich der Gaben verteilende Schutzpatron der Kinder. Bild: Ursula Freudig

Regionale Besonderheiten

In der Bretagne und anderen Küstenregionen Frankreichs gibt es das Weihnachtsbad: Verkleidet stürzen sich Menschen bei der "baignade des otaries" (Bad der Seelöwen) in den eiskalten Atlantik. Im Baskenland bringt nicht der Weihnachtsmann, sondern der Olentzero, eine Figur mit kohlegefärbtem Gesicht, die Geschenke. In der Provence beginnt die Weihnachtszeit mit dem Sainte-Barbe-Festtag am 4. Dezember und dem Brauch, drei Schälchen (Symbol für die Dreifaltigkeit) mit Körnern und Linsen auszusäen – je höher die Sprösslinge bis Heiligabend gewachsen sind, desto besser soll das kommende Jahr für die betreffende Familie werden.

<strong>Puppen:</strong> Mal eher bäurisch, mal mit Pariser Chic: Diese Ausstellungsobjekte spiegeln die kunstvolle Tradition der Puppenherstellung in Frankreich. Bild: Ursula Freudig
Puppen: Mal eher bäurisch, mal mit Pariser Chic: Diese Ausstellungsobjekte spiegeln die kunstvolle Tradition der Puppenherstellung in Frankreich. Bild: Ursula Freudig

Französisches Spielzeug und Kinderliteratur

Das Department Jura ist die Wiege des französischen Traditionsspielzeugs. Das wohl bekannteste Spielzeug ist für Kleinkinder die Kautschuk-Giraffe Sophie. Weit über 50 Millionen wurden von ihr seit den 1960er Jahren weltweit abgesetzt. Frankreich hat namhafte Hersteller von Miniaturautos zum Sammeln und spielen. Eine lange Tradition hat die Puppenherstellung. Bereits im 18. Jahrhundert zeigen Porzellanpuppen die Pariser Mode an den Höfen Europas. Um 1880, mit der Einführung der Schulpflicht, werden in Frankreich erste Kinderbücher veröffentlicht. Zu den Klassikern gehören das Märchen "Die Schöne und das Biest" und "Der kleine Prinz".

"Spielsachen spielen eine zentrale Rolle"

Daniel Kaysel (54), Architekt, führt zusammen mit seinem Bruder Marcel Kaysel das Kindermuseum in Baden in zweiter Generation. Gegründet haben es Sonja und Roger Kaysel, eröffnet wurde es 1985.

Herr Kaysel, Frankreich ist das elfte Land, das Sie im Kindermuseum in Baden vorstellen, gehen Ihnen nicht bald die Länder für die Weihnachtsaustellung aus?

Es wird zumindest immer schwieriger. Wir brauchen für die Ausstellung Partner aus den jeweiligen Ländern und die zu finden, ist nicht einfach. Bei der Frankreich-Ausstellung hatten wir Glück, Célia Günther, eine Schweiz-Französin, hat uns geholfen. Und wir brauchen passende Exponate. Wir haben zwar einen großen eigenen Fundus, aber das reicht nicht immer. Wenn es mit den Ländern nicht mehr klappt, können wir uns vorstellen, einzelne Weihnachtsthemen wie Krippen, Adventskalender, Nikolaus oder Engel anzubieten.

Sie sind am Umgestalten von Teilen des Museums, was kommt?

Die Ausstellung tritt vermehrt in Austausch mit ihren Besuchern. An Hörstationen zum Beispiel, erzählen je drei Kinder und Erwachsene aus drei Jahrhunderten von ihrem Leben und ein Zukunftsforscher berichtet über die Welt im Jahr 2050. An einer Filstation werden wir die Geschichte der Fortbewegung vom Wagenrad bis zum Raketen- und Solarantrieb in jeweils einmütigen Kurzfilmen vorstellen. Am 19. Januar 2019 ist Eröffnung. Grundsätzlich gehen wir aber sehr bedacht mit Multimediastationen um. Unsere Spielsachen, das Objekt, wird weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Ist das Museum der Zukunft eher multimedial organisiert?

Das Objekt wird seinen Stellenwert behalten, es ist sogar eher im Aufwind. Das war auch Ergebnis eines Kongresses, den ich kürzlich besucht habe. Die Menschen möchten vermehrt wieder das originale Objekt sehen und deren Geschichte hören. Uns ist auch das Miteinander der Generationen sehr wichtig. In diesem Zusammenhang freut es uns, dass in den letzten Jahren verstärkt Großeltern mit ihren Enkeln kommen.

Baden liegt keine 30 Kilometer von Waldshut entfernt, haben Sie viele Besucher von deutscher Seite?

In den letzten zwei Jahren hatten wir rund 27 000 Besucher, von ihnen kamen rund 500, darunter fünf Schulklassen, über die Grenze. Die Deutschen, die in der Schweiz wohnen, kommen häufig in unser Museum und sind sehr interessiert.

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