Malermeister Erich Maier (84) zählt inzwischen zu den ältesten Stühlingern. Er und seine Ehefrau Maria stehen nicht gerne im Rampenlicht. Man kennt sie, aber man weiß herzlich wenig von diesen bescheiden lebenden Mitbürgern. Erich Maier ist zwar in Freiburg geboren, kam aber bereits im Kleinkindalter mit Mutter und drei Brüdern in die Heimatstadt beider Eltern. Geplant war das nicht. Der Vater Julius Maier war in Freiburg Briefträger. Er starb aber früh, und Mutter Berta Maier, geborene Kehl, stand mit ihren vier Buben alleine da. In Stühlingen konnte die junge Witwe auf die Unterstützung von Angehörigen zählen und landete so 1936 im Elternhaus der Mutter im Judenwinkel, an der Gerberstraße (heute Haus Lasarzick).

Unbeschwerte Kindheit

Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, das war aber damals eher die Normalität. Richtig Not leiden mussten die Maier-Buben nicht, aber von heutigen Lebensverhältnissen war man weit entfernt. Erich Maier erlebte als Jüngster dennoch eine unbeschwerte Kindheit. „Es war einfach normal, dass man arm war.“

Erich Maier ist im Stühlinger Städtle aufgewachsen und lebt noch immer dort.
Erich Maier ist im Stühlinger Städtle aufgewachsen und lebt noch immer dort. | Bild: Edelgard Bernauer

Er erinnert sich noch gut, als 1950 anlässlich der Wiederverleihung des Stadtrechtes die Stadtlinde gepflanzt wurde, die bis heute blüht und gedeiht. Kein Wunder, denn die Linde wurde in eine Fläche gepflanzt, die früher aus Misthaufen bestand. „Diese Fläche wurde damals in eine kleine Grünanlage verwandelt und bildet zusammen mit dem Brunnen das Herzstück des Judenwinkels„, erzählt Maier.

Treu der Heimatstadt verbunden

Noch eine prägende Erinnerung: „Als kleiner Bub bekam ich Lackschuhe geschenkt, die ich nur ungern anzog. Eines Tages fiel ich mit den eleganten Schuhen in einen Misthaufen – und das war dann das Ende meiner Lackschuh-Phase.“ Erwähnenswert ist, dass alle vier Maier-Buben ihrer Heimatstadt treu blieben: Bruno Maier der Älteste wurde Leiter der Sparkasse; Paul Maier war Leiter der Kirchen-Verrechnungsstelle; Helmut Maier war Geschäftsführer der Zentralgenossenschaft und Erich Maier erlernte Malermeister und hatte einen eigenen Betrieb. Er ist noch der einzig Lebende der vier Brüder.

Junger Malermeister

„Ursprünglich hatte ich Elektriker werden wollen; doch daraus wurde nichts, weil mein Lehrherr nicht daran dachte, mir einen Lehrlingslohn auszuzahlen und bei der Handwerkerinnung anzumelden.“ So machte Erich Maier eine Malerlehre bei Hans Waser. 1959 war er bereits junger Meister. Im Judenwinkel erbte er von einem Onkel ein Haus, das allerdings sehr renovierungsbedürftig war. „Kredit bekam man zu der Zeit nicht so ohne weiteres“, erinnert sich der 84-Jährige. Aber nachdem sein Bruder Helmut für ihn bürgte, konnte Erich Maier das Anwesen nach seinen Vorstellungen zu einem Mehrfamilienhaus mit Malerwerkstatt ausbauen – da war der Jungunternehmer gerade mal 25 Jahre alt.

Filetstück der Altstadt

Das Haus Maier zählt längst zu den Filetstücken der Altstadt. Erstens gibt es einige Stellplätze und zweitens genießt man an der Talseite einen unbezahlbaren Blick über das Wutachtal. Längst ist aus dem ärmlichen Judenwinkel ein attraktiver Teil der Altstadt geworden. Das liegt zum Teil auch daran, dass im Judenwinkel sehr gute Nachbarschaft gepflegt wird. „Das ist aber auch dringend nötig, wenn man so eng nebeneinander wohnt“, so Erich Maier.

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Längst genießen die Maiers ihren Ruhestand. Die beiden Töchter Ulrike und Evelin sind in Horheim und in Allensbach verheiratet und jüngst konnte in der Familie ein kleiner Urenkel begrüßt werden. Erich Maier schaffte sich als Sportangler einen kleinen Naherholungsbereich an der Wutach. „Da konnte ich auch mal abschalten“, erinnert er sich. Seine Angelrute hat er inzwischen aber hergeschenkt.

Die Serie

In unserer kleinen Serie „Menschen in Stühlingen“ stellen wir Personen vor, die zum Stadtbild gehören und vielfach bekannt sind, ohne dass allgemein viel über sie bekannt ist. Dabei haben etliche von ihnen interessante Lebensgeschichten.