Fitness ist voll im Trend. Schweißtreibende Aktivitäten nach Feierabend tun nicht nur dem Körper gut, sondern helfen auch dabei, den Kopf abzuschalten und den Arbeitsstress zu vergessen. Seit einigen Jahren zieht es immer mehr Sportler dazu in die aus dem Boden schießenden Fitnessstudios. Das Angebot an modernsten Fitnessanlagen ist groß – ob individuelles Krafttraining oder Kursangebote, für jeden Typ ist hier etwas dabei.

Doch wo bleibt die Gemeinschaft? Lokale Sportvereine kämpfen um ihre Mitglieder und stellen sich, dem Trend entsprechend, neu auf. „Die Vereine entwickeln neue Angebote, die den individuellen Bedürfnissen der Sportler entsprechen“, erklärt Elvira Menzer-Haasis, Präsidentin des Landessportverbandes Baden-Württemberg. „Die Angebote werden nicht nur zahlreicher, sondern auch zeitlich flexibler, da das oft ein Knackpunkt für die berufstätigen Aktiven ist.“ Große Sportvereine setzen auf Sportzvereinszentren, in denen neben den klassischen Sportarten auch Kurse angeboten werden und ein Fitnessstudio integriert ist. „Hier findet jeder, was er braucht, diese Sportvereinszentren sind eine flexible Begegnungsstätte auf der Basis des Vereinslebens“, so Menzer-Haasis.

Aber auch kleinere Sportvereine können mit neuen Angeboten Mitglieder halten oder sogar neue anlocken, beispielsweise durch eine Vergünstigung bei der Teilnahme an Kursen. So haben beispielsweise der TV Tiengen und der TV Brennet-Öflingen auf diesen Wandel reagiert. Bereits vor 15 Jahren begann im TV Brennet-Öflingen die Trendwende, berichtet die Vorsitzende Renate Schlageter. „Wir hatten damals eine Übungsleiterin mit einer Aerobic-Lizenz, die uns ansprach und anbot, einen Kurs anzubieten“, blickt sie zurück. Heute ist der TV Brennet-Öflingen für einen Verein in einem Ort mit rund 2600 Einwohner mehr als gut aufgestellt, wenn man einen Blick auf das Angebot wirft: Viele Fitnesskurse, wie Easy-Step-Aerobic, verschiedene Yoga-Arten und der Kampfsport-Fitnesskurs Fighting for Fitness sowie eine ganze Reihe an Gesundheitskursen wie Rückentraining sowie Haltung und Bewegung werden hier geboten. „Besonders gut laufen unsere Gesundheitskurse“, sagt die Vorsitzende Maria Schlageter. „Durch den Erwerb einer bestimmten Doppel-Lizenz können unsere Übungsleiter Kurse anbieten, die teilweise von den Krankenkassen unterstützt werden“, erklärt sie weiter. Dadurch ist die Nachfrage auch entsprechend hoch. „Wir haben für die meisten Kurse lange Wartelisten, da die Gruppengrößen natürlich begrenzt sind“, sagt Renate Schlageter.

Wartelisten hat auch der TV Tiengen für viele Kurse. Hier laufen Body-Forming-Kurse zurzeit sehr gut, sagt die Vorsitzende Melanie Frank. Der Turnverein hat sich als besonders offen für neue Ideen bewiesen und bietet unter anderem die Trendsportart Parkour an. „Das ist ein Beispiel für eine Sportart, die von den Jugendlichen selbst vorgeschlagen wurde“, erzählt Melanie Frank. „Die Jugendlichen haben davon gehört und sind auf uns zugekommen. Gemeinsam haben wir das Angebot mit Erfolg realisieren können.“

Hier zeichnen sich die Stärken der Institution Sportverein ab, die auch LSV-Präsidentin Elvira Menzer-Haasis gerne betont: „Der Verein ist direkt dran an den Menschen und kann sich immer ganz individuell auf die Bedürfnisse seiner Mitglieder einstellen.“ Leider gab es kürzlich erst einen Rückschlag für die Ehrenamtlichen in den Vereinen, wie es Menzer-Haasis ausdrückt. „Übungsleiter sind die Aktivposten in den Vereinen. Ihre Bereitschaft zur Aus- und Weiterbildung ist enorm – auch und vor allem außerhalb der Arbeitszeit. Die Aufnahme der Übungsleiterausbildungen in den Katalog des Bildungszeitgesetzes hat diesem Engagement Rechnung getragen. Die Diskussion darüber, dieses wieder abzuschaffen, ist für die ehrenamtlichen Übungsleiter nicht akzeptabel“, appelliert die LSV-BW Präsidentin an die Politik.

Während Renate Schlageter und Elvira Menzer-Haasis sonst zuversichtlich in die Zukunft der Sportvereine blicken, sieht Melanie Frank ein entscheidendes Problem: „Mitglied in einem Sportverein zu sein, ist an Verpflichtungen geknüpft. Vielen Leuten passt das leider nicht mehr. Der Sportverein bietet zwar die Möglichkeit, Sport für wenig Geld zu machen, dafür wird aber auch erwartet, dass ab und zu ein Arbeitseinsatz geleistet oder ein Kuchen gebacken wird“, erklärt sie. „Wir haben schließlich auch Kosten, die wir decken müssen, angefangen bei Hallengebühren bis hin zu der Vergütung der Übungsleiter.“

Hier sieht sie den Grund, warum sich viele Leute für das Fitnessstudio entscheiden. „Im Fitnessstudio ist man nicht nur flexibler, sondern auch ungebunden. Hier gibt es keine weiteren Verpflichtungen.“ Elvira Menzer-Haasis betont den Aspekt der Familie und der Gemeinschaft: „Für viele ist der Sportverein ein Stück Heimat, der gesellschaftlichen und sozialen Bedürfnissen gerecht wird. Ich hoffe, dass das auch in Zukunft so bleibt.“

Der Weg zum Übungsleiter

Das vielfältige Kursangebot der Vereine basiert auf der Verfügbarkeit von lizenzierten Übungsleitern. In Baden-Württemberg müssen diese eine staatliche Übungsleiter-Lizenz erlangen, um als solche tätig zu sein. Es gibt zwei verschiedene Lizenz-Stufen, die jeweils eine bestimmte Anzahl an Lerneinheiten verlangen. Die erste Stufe nennt sich Übungsleiter C, wofür mindestens 120 Lerneinheiten absolviert werden müssen.

Für den Übungsleiter B, mit dem man auch Kurse im Gesundheits- und Präventionsbereich anbieten darf, werden nochmal 60 weitere Lerneinheiten verlangt. Die Übungsleiter-Lizenzen sind sportartenübergreifend und müssen alle drei bis vier Jahre durch Fortbildungen von mindestens 15 Lerneinheiten erneuert werden. Anmeldungen zu den Lehrgängen erfolgen über die Vereine, was auf die Voraussetzung einer Mitgliedschaft zurückführt. Das Gehalt eines lizenzierten Übungsleiters fällt meist eher gering aus. Vereine in Baden-Württemberg können ihren Übungsleitern steuerfrei bis zu 2400 Euro im Jahr bezahlen, das Land bezuschusst lizenzierte Übungsleiter zudem mit ein bis zwei Euro pro Stunde. Die tatsächlich bezahlte Aufwandsentschädigung für die Übungsleiter hängt aber von den Vereinen selbst ab und variiert stark.