Mehr als 50 Bürger aus dem Kreis Waldshut waren gespannt, was Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Donnerstag in der Möslehalle Luttingen über Katastrophenvorsorge und Klimaschutz zu sagen hatte. Die Wahlkreisabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) hatte dazu speziell Helfer des THW, des DRK und der Bergwacht eingeladen, um ihre Erfahrungen beim Katastropheneinsatz in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu schildern. Am Ende des Abends trug sich die Ministerin ins Goldene Buch der Stadt Laufenburg ein.

Mehrere Helfer erklärten, sie würden sich nach Naturkatastrophen wie jener im rheinland-pfälzischen Ahrtal eine Koordination der Hilfsarbeiten durch den Bund wünschen oder durch Personen, die selbst nicht persönlich von der Katastrophe betroffen sind. Dass es im Ahrtal zu Beginn an der Koordination der Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und Bergwacht gefehlt hat, bestätigte der Laufenburger THW-Ortsbeauftragte Tobias Roming ebenso wie Adrian Probst, Bürgermeister von St. Blasien und Leiter der Bergwacht, und der Dettighofer Feuerwehrkommandant Felix Wassmer.

Thomas Tröndle aus Albbruck war als freiwilliger Helfer selbst ins Katastrophengebiet Ahrtal gefahren, um zusammen mit anderen anzupacken.
Thomas Tröndle aus Albbruck war als freiwilliger Helfer selbst ins Katastrophengebiet Ahrtal gefahren, um zusammen mit anderen anzupacken. | Bild: Reinhard Herbrig

Sie alle waren mit ihren Leuten im Ahrtal, ebenso wie Thomas Tröndle aus Albbruck. Er war als freiwilliger Helfer ins Katastrophengebiet gefahren und berichtete, wie er andere private Helfer von Feuerwehr und des THW zu wenig genutzt worden seien, weil diese oft auf Einsatzbefehl gewartet hätten. Alle forderten, dass aus den Ereignissen im Ahrtal drei Schlussfolgerungen gezogen werden: Im Klimaschutz muss es vorangehen, der Bevölkerungsschutz müsse besser organisiert und koordiniert werden und es müsse dafür gesorgt werden, dass das Alarmsystem, dass im Ahrtal nicht funktioniert habe, verbessert werde.

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In der anschließenden Diskussion meldete sich ein Bürger zu Wort, der den Bau von Wohnhäusern in Überschwemmungsgebieten als „Blödsinn“ bezeichnete und einen vorbeugenden Überflutungsschutz, der gesetzlich geregelt werden müsse, forderte. Ein anderer bemängelte, dass es an Übungen fehle, wenn es zu einem Reaktorunfall im nahen Grenzgebiet zur Schweiz käme. Der Luttinger Alt-Ortsvorsteher Bernhard Gerteis bemängelte, dass viele Umweltmaßnahmen kontraproduktiv seien. Sie behinderten Maßnahmen zum Freihalten der Entwässerungsgräben, die bei Starkregen vor Überflutungen schützten.

50 Bürger aus dem Kreis Waldshut waren am Donnerstagabend in die Möslehalle gekommen, um mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze über Katastrophenprävention und Klimaschutz zu diskutieren.
50 Bürger aus dem Kreis Waldshut waren am Donnerstagabend in die Möslehalle gekommen, um mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze über Katastrophenprävention und Klimaschutz zu diskutieren. | Bild: Reinhard Herbrig

Die Umweltministerin erklärte, dass man beim Hochwasserschutz umdenken müsse. Dazu gehöre ein Hochwasser-Audit. Natürlich wolle man Häuser, die jetzt im Ahrtal zerstört wurden, nicht alle wieder an derselben Stelle wieder aufbauen, doch fehle es an entsprechenden Ersatzgrundstücken an anderer Stelle. Schwarzelühr-Sutter erklärte, dass bereits seit 2013 der Hochwasserschutz Überschwemmungsflächen vorschreibe.

Abschließend erklärte Schulze, dass weltweit 40 Prozent der Infektionskrankheiten daher rührten, dass der Mensch Wildtieren durch Besiedlung und Landnutzung zu nahekomme: „Wenn wir die Natur schützen, schützen wir uns davor, dass Viren auf uns überspringen.“ Sie ist gegen Schottergärten und für das Pflanzen einheimischer Gehölze und Blühpflanzen.

Bürgermeister Ulrich Krieger bedankte sich für den Besuch und hob hervor, dass das badische und das Schweizer Laufenburg grenzüberschreitend bei Rettungseinsätzen gut zusammenarbeiteten. Vor zehn Jahren sei mit dem Umbau des Waldes begonnen worden, so dass jetzt ein guter Jungbestand vorhanden sei. Das Laufwasserkraftwerk produziere 700 Millionen Kilowattstunden erneuerbare Energie jährlich.