Die Coronakrise hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche und somit auch auf das Vereinsleben. Die meisten der insgesamt rund 1600 Vereine im Landkreis Waldshut – von den Traditions- und Brauchtumsvereinen über die Sportvereine bis hin zu den Musik- und Gesangsvereinen – sind von den Kontaktbeschränkungen betroffen: Konzerte, Jubiläumsfeiern, Sportanlässe, Theater – nichts geht mehr. Deshalb geht es für viele Vereine ans Eingemachte, da sie keine Einnahmen erzielen können.

Musikverein Oberwihl fehlt die Haupteinnahmequelle

Das traditionelle Musikfest des Musikvereins Oberwihl hätte zum 27. Mal im Juni stattfinden sollen. Die Vorbereitungen liefen schon länger, doch die Coronakrise machte dem Verein einen Strich durch die Rechnung, wodurch diesem die Haupteinnahmequelle abhanden kam. „Wir sprechen insgesamt von einem fünfstelligen Betrag, der uns durch die Corona-Pandemie verloren geht“, berichtet Vorsitzende Jasmin Kaiser.

Die Einnahmen waren für Reparaturen, Neuanschaffungen für Instrumente, Änderungen und Ausbesserungen von Uniformen, Kosten für den Unterhalt des Vereinsheims, allgemeine Kosten wie Versicherungen, Ausgaben für die Ausbildung der Zöglinge und für den Dirigenten gedacht. Dringend notwendige Investitionen müssen nun aufgeschoben werden.

„Wir sprechen insgesamt von einem fünfstelligen Betrag, der uns durch die Corona-Pandemie verloren geht“: Jasmin Kaiser, Vorsitzende Musikverein Oberwihl.
„Wir sprechen insgesamt von einem fünfstelligen Betrag, der uns durch die Corona-Pandemie verloren geht“: Jasmin Kaiser, Vorsitzende Musikverein Oberwihl. | Bild: Peter Schütz

Jasmin Kaiser: „Allgemein bedeutet die Corona-Pandemie für uns, dass wir seit über acht Wochen keine Proben durchführen können und auch lange Traditionen ausfallen. Unser Sommerprogramm mit verschiedenen Auftritten bei befreundeten Vereinen steht in den Sternen. Kameradschaft und ein Ausgleich zum stressigen Alltag sind nicht mehr möglich.“

Auch die Ausbildung der Zöglinge leidet: Sie erfolgt per Einzelunterricht, per Skype oder ähnlichen Online-Plattformen. „Das ist sehr kompliziert für Schüler und Ausbilder“, so Kaisers Fazit.

Einnahmequelle fehlt auch in Niederwihl

Ähnlich die Verhältnisse bei der benachbarten Trachtenkapelle Niederwihl: Hinter der Durchführung ihres dreitägigen, von vielen regionalen Vereinen besuchten Erntedankfests im Oktober steht ein dickes Fragezeichen.

Ein Bild aus besseren Tagen, wie es sich in 2020 wohl kaum wiederholen wird: Ein Umzugswagen am Erntedankfest Niederwihl mit der Görwihler Feuerwehr in historischer Kleidung.
Ein Bild aus besseren Tagen, wie es sich in 2020 wohl kaum wiederholen wird: Ein Umzugswagen am Erntedankfest Niederwihl mit der Görwihler Feuerwehr in historischer Kleidung. | Bild: Peter Schütz

„Das Erntedankfest ist für die Trachtenkapelle Niederwihl sowie den Förderverein, der für die Jugendausbildung zuständig ist, die einzige Einnahmequelle, abgesehen von Spenden und Zuschüssen“, erklärt Vorsitzende Natalie Basler, „wir finanzieren davon Trachten, Instrumente, Noten, sonstige Kosten für Proben und Auftritte sowie natürlich auch Kameradschaftsabende.“

Basler weiter: „Sollten wir in diesem Jahr kein Erntedankfest durchführen können, haben wir praktisch keine Einnahmen und müssten auf unsere Reserven zurückgreifen, um den Vereinsalltag, sobald ein solcher wieder möglich ist, wie gewohnt gestalten zu können.“ Ihr Fazit: „Die Corona-Pandemie hat uns als Verein schon gebeutelt. Wir haben seit Mitte März keine Proben und sonstige Zusammenkünfte mehr. Unser Jahreskonzert, geplant für Ende April, haben wir abgesagt. Die für Mai, Juni und Juli geplanten Auftritte sind abgesagt.“

Praktisch alle Vereine sind betroffen

Was Kaiser und Basler schildern, könnte als Blaupause für jeden Musikverein dienen. Denn grundsätzlich treibt alle, auch die Vereine mit anderen Zwecken und Zielen, dieselbe Sorge um: keine Veranstaltungen, keine Einnahmen. Die Ausgaben hingegen bleiben und müssen gestemmt werden.

Volle Festzelte wie hier am Musikfest in Oberwihl wird es in 2020 wegen Corona voraussichtlich nicht geben.
Volle Festzelte wie hier am Musikfest in Oberwihl wird es in 2020 wegen Corona voraussichtlich nicht geben. | Bild: Peter Schütz

Leere Kassen beschäftigen auch die Fußballvereine: keine Spiele, keine Eintrittsgelder, keine Bewirtung. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie wurden auch die Sportheime geschlossen. Das bedeutet: Viele Clubs sind in der Zeit, in der der Sport- und Wirtschaftsbetrieb ruht, kalkulatorisch auf Null gefahren.

Kosten laufen weiter

Achim Leichenauer, Präsident des FC Tiengen 08, brachte die Lage so auf den Punkt: „Natürlich laufen die Kosten weiter. Aber wir beißen jetzt halt mal kräftig auf die Zähne.“ Ähnlich die Situation beim SV 08 Laufenburg. Dieser hat die Corona-Zwangspause zu einem großen Arbeitseinsatz der Mitglieder genutzt. In 1200 ehrenamtlichen Stunden haben sie das Waldstadion auf Vordermann gebracht.

Einen dicken Strich durch die Rechnung hat Corona dem SV Jestetten gemacht. Der Fußballverein wollte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiern, musste jedoch das Jubiläums-Wochenende im Juli absagen. Die Suche nach einem Ersatztermin läuft. Kalt erwischt hatte es zudem den neuen Pächter des SVJ-Sportheims „Am See“. Kaum hatte er geöffnet, musste er wieder schließen. Der Vorstand des SV Jestetten reagierte, in dem er beschloss, auf die Pacht für April und Mai zu verzichten.

Sogar der Schwarzwaldverein ist betroffen

Von der Corona-Krise betroffen sind sogar die Vereine, deren Hauptaktivitäten weitgehend unter freiem Himmel stattfinden: die Wandervereine. Nun hat der Deutsche Wanderverband, der Dachverband der deutschen Wandervereine, auf die durch Corona ausgelösten Schwierigkeiten hingewiesen. Dem Wanderverband gehört auch der am Hochrhein stark vertretene Schwarzwaldverein (insgesamt 220 eigenständige Vereine mit 65.000 Mitgliedern) an.

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Der Wanderverband erachtet das bürgerschaftliche Engagement seiner Mitglieder als Dienst an der Gesundheits- und Tourismusförderung, dem Naturschutz sowie der Stärkung des ländlichen Raums – nicht erst in der Coronakrise, in der mit steigenden Zahlen im Deutschlandtourismus gerechnet wird. Aber, so Jens Kuhr, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Wanderverbandes: „Leider fühlt sich aufgrund der querschnittsorientierten Aufgaben kein Ministerium federführend für die Heimat-, Wander- und Gebirgsvereine verantwortlich. Die Vereine fallen in vielen Fällen durch die in Bund und Ländern aufgelegten Hilfsprogramme.“

Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Deutschen Wanderverbandes, sieht die Wandervereine, die die Gebäude entlang der Wanderwege unterhalten, besonders hart getroffen. Viele Vereine betreiben die Wanderheime, Aussichtstürme, historischen Gebäude und Heimatmuseen mit großem ehrenamtlichem Engagement. Zugleich verursacht der Unterhalt der Gebäude regelmäßige Kosten etwa für

Pachtzahlungen, Versicherungen, Energie sowie für Renovierungskredite. Auf der anderen Seite sind die Einnahmen komplett weggebrochen. „Einzelne Vereine stehen vor der Insolvenz und Vereinsauflösung“, berichtet Rauchfuß. Er fordert von der Politik, „den Zugang zu Förderungen für gemeinnützige Vereine zu erleichtern und entsprechende Eigenmittelquoten herabzusetzen, vor allem dann, wenn die Vereinsarbeit wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgaben erfüllt“.

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