Bundesbrief und „Rütlischwur“: Was die Schweizer feiern

Der schweizerische Nationalfeiertag, auch Bundesfeier genannt, bezieht sich auf den Bundesbrief von 1291, dem mythischen Gründungsjahr der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Bei dem Dokument handelt es sich um ein Landfriedensbündnis zwischen den innerschweizerischen Talgemeinschaften Uri, Schwyz und Nidwalden, aus denen die heutigen Kantone gleichen Namens hervorgingen. Der 1758 wiederentdeckte Bundesbrief galt seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Gründungsurkunde der Schweiz.

Der Bundesbrief von 1291.
Der Bundesbrief von 1291. | Bild: Staatsarchiv Schwyz

1891 wurde, gestützt auf das Dokument, das 600-jährige Bestehen der Eidgenossenschaft gefeiert. Hintergrund war die damalige Überzeugung, der 1848 gegründete Bundesstaat stehe in staatlicher Kontinuität zur alten Eidgenossenschaft. Verknüpft wurde diese Vorstellung mit dem sogenannten „Rütlischwur“: Einer Legende, die besagt, der „Bund der Eidgenossen“ sei auf einer Bergwiese über dem Vierwaldstättersee, dem Rütli, von freiheitsliebenden Männern beschworen worden.

Eine jährliche Wiederholung der Bundesfeier war zunächst nicht vorgesehen. Der 1. August wurde durch die Schweizer Regierung erst 1899 zum Bundesfeiertag erhoben. Im Bundesbrief von 1291 steht übrigens kein genaues Datum, sondern einzig: „Geschehen im Jahre des Herrn 1291 zu Anfang des Monats August.“

Quellen: Bundeskanzlei: „Bundesbrief von 1291“; Kreis, Georg: „Bundesfeier„, in: Historisches Lexikon der Schweiz

Lange Zeit ein normaler Werktag: Seit wann die Schweizer richtig feiern

Der schweizerische Nationalfeiertag war zunächst kein arbeitsfreier Feiertag, sondern ein normaler Werktag. „Man verstand es als dem schweizerischen Charakter angemessen, dass auch an einem solchen Tag normal gearbeitet wird“, schreibt der Basler Historiker Georg Kreis im Historischen Lexikon der Schweiz. Erst mit der Zeit gingen einzelne Kantone dazu über, den 1. August zu einem ganz- oder halbtägigen Feiertag zu erklären.

Zum 700-jährigen Jubiläum des „Rütlischwurs“ im Jahr 1991 lancierte schließlich die am rechten Rand politisierende Kleinpartei Schweizer Demokraten eine schweizweite Volksinitiative. Ende September 1993 stimmten die Schweizer darüber ab, ob der Nationalfeiertag in der gesamten Schweiz zu einem arbeitsfreien Tag werden soll. 83,8 Prozent der Bürger stimmten dieser Vorlage zu und seit 1994 müssen die Schweizer an ihrem Nationalfeiertag nicht mehr arbeiten.

Quelle: Kreis, Georg: „Bundesfeier„, in: Historisches Lexikon der Schweiz

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Höhenfeuer und 1.-August-Wegge: Wie die Schweizer feiern

Gehören wie das Feuerwerk zur Bundesfeier dazu: 1.-August-Wegge mit Schweizerkreuz.
Gehören wie das Feuerwerk zur Bundesfeier dazu: 1.-August-Wegge mit Schweizerkreuz. | Bild: Leo-Tippbilder/W. Rimmele

Am mythischen Gründungsort der Schweiz, dem Rütli, richtet die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft jeweils eine schlichte Bundesfeier aus. Generell wird der 1. August aber in den Gemeinden gefeiert, ganz dem föderalistischen Prinzip der Schweiz entsprechend. Einzig die Radio- und Fernsehansprache des jeweiligen Bundespräsidenten wird schweizweit übetragen. Einzelne Kommunen feiern auch nicht am 1. August, sondern bereits einen Tag früher.

  • Reden und Musik: An den kommunalen Feiern halten Politiker oder andere prominente Redner 1.-August-Ansprachen. Auch Darbietungen von Musikern und Turnern sowie das gemeinsame Singen der Nationalhymne gehören zu den traditionellen Elementen dieser Feiern.
  • Feuerwerk, Lampions und Höhenfeuer: Häufig leisten sich die Gemeinden ein 1.-August-Feuerwerk und mancherorts tragen Kinder am Abend Lampions mit Wappenmotiven durch die Straßen. Auf Bergen und Hügeln werden Höhenfeuer entfacht. Diese gehen auf das 15. Jahrhundert zurück, als mit Warnfeuern vor dem Einfall feindlicher Truppen gewarnt wurde. Später wurden die Feuer zum Symbol für eine freie und unabhängige Schweiz.
  • 1.-August-Wegge: Nicht nur öffentliche Gebäude werden am 1. August mit der Schweizer Fahne beflaggt, in Miniaturform ist sie auch auf einer Backspezialität zu finden: Dem 1.-August-Wegge. Das Brötchen mit Schweizerkreuz gehört für viele genauso zum 1. August wie das Grillfest auf dem Dorfplatz oder im eigenen Garten.

Quellen: Kanton Uri: „Mythen und Sagen“, in: Urner Brauchtumsführer; Schweiz Tourismus: „Der 1. August“, in: Bräuche im Sommer und Herbst

Von Basel bis Laufenburg: Wo die Schweizer feiern

Basel

Bundesfeier am Rhein am Mittwoch, 31. Juli, Stadtfest in Kleinbasel zwischen Johanniter- und Wettsteinbrücke und in Großbasel zwischen Johanniter- und Mittleren Brücke sowie zwischen Schifflände und Marktplatz, Programm: ab 17 Uhr: Festgelände mit über 90 „Beizen“, Verkaufsständen und zahlreichen Live-Konzerten, ab 23 Uhr: Großes Feuerwerk über dem Rhein.

Feuerwerk über dem Rhein in Basel am Vorabend des 1. Augusts. Bild aus dem Jahr 2010.
Feuerwerk über dem Rhein in Basel am Vorabend des 1. Augusts. Bild aus dem Jahr 2010. | Bild: dpa/Georgios Kefalas

Offizielle Baselstädtische Bundesfeier am Donnerstag, 1. August, auf dem Bruderholz, Programm: 18 Uhr: Beginn Festwirtschaft, 19.50 Uhr: Läuten der Glocken der Tituskirche, 20 Uhr: Auftritt von The Alpine Sisters, 20.20 Auftritt der Big Band Quartier Circus Bruederholz, 20.40 Uhr: Festansprache durch den Basler Großratspräsidenten Remo Gallacchi (CVP), 21 Uhr: Auftritt des Quartier Circus Bruederholz, 21.20 Uhr: Auftritt SUPL 2 – Swiss-Urban-Ländler-Passion, 21.35 Uhr: Auftritt des Quartier Circus Bruederholz, 21.50 Uhr: Auftritt von Just Jazz, 22.10 Uhr: Gemeinsames Singen der Nationalhymne, ab 22.15 Uhr: Feuerwerk.

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Rheinfelden/CH

Bundesfeier am Donnerstag, 1. August, auf der Kurbrunnenanlage, Programm: 18 Uhr: Eröffnung Festwirtschaft, 18.45 Uhr: Begrüßung durch Stadtführerin Davina Benkert, 18.50 Uhr: Auftritt von Angelo Pisano und Band, 19.50 Uhr: Auftritt der Alphorn Freunde, 20 Uhr: Festansprache durch Agnes von Rheinfelden, Herzogin von Zähringen (gespielt von Davina Benkert), 20.15 Uhr: Auftritt von Angelo Pisano und Band, 21.25 Uhr: Auftritt der Alphorn Freunde, ab 21.45 Uhr: Lampionumzug, 22 Uhr: Auftritt von Angelo Pisano und Band, 22.55 Uhr: Singen der Nationalhymne, ab 23 Uhr: Feuerwerk mit Musik.

Stein im Fricktal

Bundesfeier am Mittwoch, 31. Juli, auf den Sportanlagen Bustelbach, Programm: 19 Uhr: Risottoessen im Festzelt, 20 Uhr: Alphornbläsergruppe Kaisten, ab 20.30 Uhr: Grußwort des Gemeindeammanns Beat Käser und Festansprache durch Bruno Tüscher, Gemeindeammann von Münchwilen, gemeinsames Singen der Nationalhymne und „Musikalische Unterhaltung mit Benny“, ab 22 Uhr: Lampionumzug durch das Dorf.

Laufenburg/CH

Bundesfeier am Donnerstag, 1. August, je nach Witterung vor oder in der Stadthalle, Programm: ab 18 Uhr: Eröffnung Festwirtschaft, Festansprache durch den Aargauer Großrat Werner Müller (CVP), Unterhaltungsmusik, 22 Uhr: Höhenfeuer im Ortsteil Sulz, ab 22.30 Uhr: Feuerwerk am Rhein.

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