Gerald Nill

In einer betont konstruktiven, sachlichen Atmosphäre informierten sich über 100 Bürger am Donnerstagabend in der Gemeindehalle Fröhnd bei den potenziellen Betreibern der geplanten Windparks am Zeller Blauen und am Hochgescheid.

Dadurch sollte den Bürgern, die am 4. Dezember ihre Stimme für oder gegen die Projekte abgeben können, eine Chance zur Beantwortung offener Fragen gegeben werden. Zugelassen wurden dabei nur Bürger aus Fröhnd.

„Ein Lehrstück Demokratie“

Bürgermeister Michael Engesser sprach einleitend von „einem Lehrstück Demokratie“, bei dem der Gemeinderat dem Bürgerwillen am 4. Dezember folgen werde. Ab sofort bis Freitag hätten Fröhnder Bürger ab 16 Jahren auch die Chance, im Bürgerzentrum Schönau ihre Stimme abzugeben. Engesser erhielt viel Applaus für dieses Vorgehen von den anwesenden Bürgern, ehe er an die Vertreter der beiden Windpark-Betreiber, EWS und Alterric am Zeller Blauen sowie die Ökostromgruppe aus Freiburg für den Hochgescheid übergab.

EWS-Geschäftsführer Tobias Tusch betonte, dass das Projekt, neun Windräder am Zeller Blauen zu errichten, unter Einbeziehung von Fröhnd sinnvoller sei. Projektpartner Frank Wolfert berichtete, dass Zell und Böllen bereits den neuen Nutzungsvertrag unterschrieben hätten, der mehr Pachteinnahmen aber auch rund 260 Meter hohe Anlagen auf den Höhenzug bringen würde. Von der Gemeinderatssitzung Kleines Wiesental berichtete Wolfert, „die Gemeinde will dabei bleiben“ und musste sich später von einem gut informierten Bürger korrigieren lassen, dass die Entscheidung dort vertagt wurde.

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Wolfert stimmte zu und erklärte die Vertagung nicht ganz zutreffend damit, dass „die Bürger noch über das Projekt informiert werden sollen“. Tatsächlich will das Kleine Wiesental aber das Bürger-Votum in Fröhnd abwarten.

Bürger nutzen Fragestunde

Die Einwohner nutzten zwei Stunden lang die Chance zur Information und Nachfrage. Von neun geplanten Windrädern auf dem Zeller Blauen sollen 3,5 auf Fröhnder Boden stehen und jährlich 291.000 Euro an Pacht und 40.000 an Kommunalabgaben abwerfen. Prompt wollte ein Zuhörer wissen, wieso 3,5 Anlagen. Das sei eine Planungsgröße, antwortete Tusch, weil niemand sagen könne, ob die beantragten Anlagen auch tatsächlich genehmigt werden. Fakt sei: „Vier Anlagen stehen an der Grenze zu Fröhnd.“

Die nächste Bürgerin fragte, warum die Windräder „dauernd still stehen“. Das sei ein falscher Eindruck, erwiderte Tusch. Die Räder am Rohrenkopf hätten mit 2500 Volllaststunden eine sehr gute Auslastung. Präziser wurde später Andreas Markowsky von der Ökostromgruppe, der zwei Anlagen am Hochgescheid errichten will. Tatsächlich drehten sich Windräder 22 Prozent der Zeit nicht, alleine 18 Prozent, weil der Wind zu schwach weht. Fledermausflug, Sturm und Wartung seien weitere Gründe für eine Abschaltung.

Die Ökostromgruppe will zwei Windmühlen der neuesten Generation am Hochgescheid bauen und dafür 16 Millionen Euro in die Hand nehmen. Sie betreibt das alte Windrad am Hörnle, das zwei Millionen Kilowattstunden (KWh) Strom im Jahr erzeugt. Zum Vergleich: Die neuen, 100 Meter höheren Generatoren sollen 30 Millionen KWh erzeugen, genug für 10 000 Haushalte.

An Markowsky richtete sich die Frage, was mit dem Schall sei, wenn gleich drei Windräder in Reichweite stünden. Antwort: Das werde als Teil des Genehmigungsverfahren geprüft. Oder im Klartext: Dann muss gegebenenfalls eine Anlage weiter weggerückt werden. Sowohl am Hochgescheid als auch am Zeller Blauen beträgt die minimale Distanz 1200 Meter zum nächsten Hof. Ein Bürger schlug vor, Einwohner der betroffenen Gemeinde Strom zum halben Preis zu überlassen.

Engesser sprang bei und erklärte, dass die Haushalte durch einen reduzierten Wasserpreis an dem Windpark profitierten. Fundament-Beseitigung nach Ende der Laufzeit und Stromkabelverlegung in einem Meter Tiefe kamen ebenso zur Sprache wie ein möglicher Wertverlust der Immobilie oder Tourismus-Defizite, die Engesser ausschloss.

Kritik an den Belastungen durch den Windpark kam erst gegen Ende auf. Ein Bürger monierte, dass es in Fröhnd nur die Wahl zwischen sechs Anlagen oder keiner gebe, also kein Kompromiss dazwischen. Speziell das Bubshorn würde Hof, Ittenschwand und Oberhepschingen optisch und akustisch stark belasten. Der Berg liege 400 Meter höher – und dann nochmal 250 Meter für die Anlage. „Muss man für Geld alles machen?“ fragte er und erhielt viel Applaus.

Die abschließende Frage bezog sich auf die Verschiebung der Anlagen im Falle eines negativen Votums in Fröhnd. Dann würden die Windräder eben 50 Meter weiter im Kleinen Wiesental gebaut, erklärte Wolfert. Dann sähen die Fröhnder zwar die Anlagen, hätten aber weniger Profit.

Letztlich erhielt Bürgermeister Engesser am Ende aber nochmal Applaus für den Versuch Transparenz ins Verfahren zu bringen.