Wie kommt es, dass der Zweitplatzierte eines Architekturwettbewerbs am Ende der Auswahl doch als Sieger durchs Ziel geht und den Planungsauftrag erhält? Diese Frage wurde nach dem städtebaulichen Wettbewerb für das Zentralklinikum in Lörrach wiederholt aufgeworfen. Das Verfahren der europaweiten Ausschreibung, das die Kreiskliniken gewählt haben und der Kreistag mitgetragen hat, wurde vereinzelt in Frage gestellt, nicht zuletzt von regionalen Vertretern des Bundes Deutscher Architekten.

Jury im Wettbewerb kann auch subjektiv entscheiden

Für Linus Hofrichter, Chef des erfolgreichen Büros a|sh Architekten, ist die Entwicklung weder sensationell noch missachtet sie den Wettbewerb, wie er während der Präsentation des Büros und des Projektentwurfes diese Woche in den Kreiskliniken zwischen den Zeilen wiederholt andeutete. Zum einen spiegele dieser Wettbewerb nur eine Momentaufnahme. „An dem Tag waren wir Zweiter“, befand der Geschäftsführer und Mitinhaber des Ludwigshafener Büros. Abgesehen davon, dass auch fachfremde und subjektive Vorlieben der Juroren eine Rolle gespielt haben können, lasse sich diese Positionierung nicht so lesen, dass sein Entwurf folglich auch zweitrangig sei.

Entwurf mit Pluspunkten

Im Gegenteil: Hofrichter wies wiederholt darauf hin, dass dieser Entwurf im Vergleich, aus Sicht der Nutzer wie auch der Patienten, tatsächlich einige Pluspunkte habe. Ein Aspekt, den bereits einige dem Wettbewerbssieger durchaus zugetane Kreisräte wie Paul Renz (CDU) nach der Vergabe eingeräumt hatten. Für Hofrichter zählt dazu zum Beispiel die Lesbarkeit, die sein Büro dem Klinikum samt dem Campus verleiht, in dem die Eingangszonen von allen „Ankommenspunkten“ her einzusehen und entlang der Gebäudekanten leicht zu finden seien. Das erleichtere die Orientierung.

Auf optimale Abläufe ausgelegt

Auf dieser Habenseite verbucht der Professor für Krankenhausplanung aber vor allem die auf optimale Prozessabläufe ausgelegte Anordnung der Räume. Das gilt für Funktionsräume in den Sockelgeschossen. Diese erlaubten kürzeste Wege und ein effizientes, zeitsparendes Arbeiten, was gerade in Notfällen durchaus ein Faktor sein kann, sich aber auch betriebswirtschaftlich positiv bemerkbar machen werde.

Standardisierte Räume

Das gelte aber auch für möglichst standardisierte Räume, diese erlaubten, neue Entwicklungen ohne hohe zusätzliche Investitionen zu antizipieren und die Flexibilität des Betriebs zu erhöhten. Positiv hebt Hofrichter an dem Entwurf auch die Entflechtung der Patientenströme, die Trennung der planbaren, elektiven ambulanten Versorgung und der Notfallpatienten hervor. Das steigere die Aufenthaltsqualität. Ein Aspekt, den Hofrichter auch für die Bettentrakte in den hotelartigen Aufbauten mit ihrem natürlichen Tageslicht und breiten Fluren reklamiert.

Auch Kosten im Blick

Hofrichter widerspricht ebenfalls dem immer wieder aufkeimenden Verdacht einer teuren Bauweise und hohen Folgekosten infolge der vergleichsweise komplexen Geometrie des Gebäudes. Das sei eine Legende. Im Gegenteil. Diese oktogonale Struktur schaffe gerade eine Voraussetzung dafür, zentrale technische Funktionen und die Logistik zu konzentrieren, und trage damit letztlich dazu bei, langfristige betriebswirtschaftlichen Kosten zu dämpfen. Überhaupt gelte es, bei solchen einmaligen Bauinvestitionen immer auch die später folgende betriebswirtschaftliche Seite mitzudenken und auch bei diesem Aspekt sieht der Planer durchaus Vorteile für seinen Entwurf.