Knapp 1200 Euro bezahlte jüngst ein Mann in Rheinfelden für Kammerjäger, die ihm statt der vermeintlichen Kakerlaken ein paar harmlose Käfer verjagten. 24 Fälle von Wucher wurden bei der Polizei im Kreis Lörrach 2018 angezeigt. Polizei, Kreishandwerkerschaft und Verbraucherschützer wissen, wie man sich vor Betrügern schützt: gut vorbereitet sein.

„Ich habe nach Schädlingsbekämpfern in Rheinfelden gegoogelt und eine der angezeigten 0800-Nummern gewählt“, erzählte der Betroffene dieser Zeitung. Nach einem Wasserschaden hatte er Käfer im Keller und die beiden Männer, die als Kammerjäger vor seiner Tür standen, behaupteten, es seien Kakerlaken. Sie kassierten 1167 Euro, sprühten, verschwanden. Die Käfer blieben. Ein örtlicher Schädlingsbekämpfer stellte darauf fest, dass es sich um harmlose Erdbeersamenlaufkäfer handelte, die später von ganz allein das Weite suchten. Spitzenreiter in diesem Jahr ist ein Fall in Rheinfelden, wo 2700 Euro für eine Teppichreinigung verlangt wurden (siehe Info am Ende des Artikels).

Vermeintliche Handwerker mit horrenden Preisen

Kammerjäger, Schlüsseldienste und Rohrreinigerdienste sind Klassiker, sagt Matthias Bauer vom Fachbereich Bauen, Wohnen, Energie der Verbraucherzentrale. „Teppichwäscher, Steinreiniger und Polsterer sind ein Trend, der uns derzeit auffällt“, sagt Bauer. Derzeit hat die Verbraucherzentrale besonders eine Firma aus Regensburg, die allerlei Notdienste anbietet, im Visier. Die vermeintlichen Handwerker aus der Nähe entpuppen sich dann als Subunternehmer mit horrenden Preisen.

Im Zweifel nach dem Ausweis fragen

Wer mit dem Preis oder Arbeiten einer regionalen Firma nicht einverstanden ist, kann sich an die Handwerkskammer oder die Kreishandwerkerschaft wenden. „In den Gewerken, in denen wir Innungen haben, können wir schlichten“, sagt Geschäftsführer Daniel P. Herkommer. Entsprechend könne auch geprüft werden, ob die Unternehmen überhaupt die nötigen Zulassungen haben. Die Kreishandwerkerschaft Lörrach müsse sich allerdings nur sehr selten mit Wucher befassen.

Aber wie will man Betrügern habhaft werden, wenn man möglicherweise nur eine Quittung in der Hand hat, auf der der Name einer Fantasiefirma steht? Matthias Bauer rät daher zur Vorsorge. Für Notfälle könne man sich eine Liste machen mit Handwerkern und Dienstleistern vor Ort, die einen Notdienst haben. Sucht man online, sollte man immer ins Impressum schauen. Dort ist zu erkennen, ob es tatsächlich eine regionale Firma ist, erklärt Bauer: „Und wenn es kein Impressum gibt, lässt man sowieso lieber die Finger davon.“ Transparenz einzufordern empfiehlt auch die Polizei: „Ich würde den weit gereisten Handwerker mal ganz freundlich um einen amtlichen Ausweis bitten oder auch mal nach dem Autokennzeichen schauen.

Unbedingt schriftlich festhalten und Preise vergleichen

Im Zweifel wird man an der Reaktion recht schnell bemerken, in welche Richtung es gehen könnte“, erklärt Polizeisprecher Jörg Kiefer. Daniel P. Herkommer rät dazu, im Vorfeld Preise zu vergleichen und bei einer Vergabe schriftliche Vereinbarungen zu treffen, um im Nachhinein böse Überraschungen auszuschließen. „Bei einem mündlichen Angebot ist es immer schwer, die Kontrolle über die Kosten zu behalten“, erklärt Herkommer. „Schlussendlich sind das auch Beweismittel.“ Im Zweifelsfall sollte die Polizei verständigt werden, sagt Jörg Kiefer. Er rät zur Anzeige: „Das kostet die Betroffenen nichts – nur ein bisschen Zeit.“ Die Aufklärungsquote beim Wucher lag 2017 bei etwa 74 Prozent und 2018 bei etwa 77 Prozent, so Kiefer. Die Zahl der Anzeigen stieg in den vergangenen Jahren von acht (2015) auf 24 (2018). Laut Kiefer zeichnet sich für dieses Jahr ein Rückgang ab.

Betrügern drohen Freiheitsstrafen

Ob es tatsächlich Wucher ist, müssen am Ende die Gerichte entscheiden. In wie vielen Fällen es tatsächlich einen Strafbefehl gibt oder es zur Gerichtsverhandlung kommt, kann die Staatsanwaltschaft Lörrach nicht sagen. ­Oberstaatsanwältin Karin Sattler-Bartusch teilt auf Anfrage mit, dass sich dem hiesigen Datenverarbeitungssystem diese Informationen nicht entnehmen ließen und eine Einzelauswertung zu aufwendig sei. Zum detaillierten Ablauf der Ermittlungen will sich die Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht äußern. Aber wenn gegen einen Beschuldigten mehrere Ermittlungsverfahren geführt werden, würden diese nach Möglichkeit zusammengefasst und gegebenenfalls an die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben. Kavaliersdelikte sind die Neppereien indes nicht: In Frage kommen die Straftatbestände Wucher oder Betrug, die mit Geldstrafen beziehungsweise Freiheitsstrafen bis zu drei oder fünf Jahren belegt sind. Bei der gewerbsmäßigen Begehung dieser Straftaten drohen Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.